Edelweeeeis!

STICH-WORT

14/01/20 Sind da unverbesserliche Optimisten am Werk oder Trotzköpfe? Oder schwingt der Mut der Verzweiflung mit? Es hat jedenfalls schon fast etwas Anrührendes, wenn man im Gasteinertal für 30. Jänner bis 5. Februar das Schneeskulpturen-Fest Art of Snow ankündigt.

Zum zehnten Mal will man dort Eis- und Schneeskulpturen bauen. Dass man das Thema „Europa zu Gast in Gastein“ gewählt hat, hat natürlich mit diesem kleinen Jubiläum zu tun. Gerade heuer wird Europa aber ganz bestimmt dort nicht zu Gast sein, und dafür können einem die Veranstalter – der Tourismusverband – leid tun. „Dass die Veranstaltung als Outdoor-Event mit mehrwöchigem Ausstellungscharakter konzipiert ist, erleichtert die Durchführung in Zeiten wie diesen erheblich“, heißt es indes durchaus frohsinnig in der jüngsten Presseaussendung. Wie war das doch gleich mit einem möglichem Lockdown bis Ostern in Deutschland?

Wie auch immer: Die Schnee- und Eisobjekte stehen nicht nur in den drei Gemeinden, sondern auch in der Gegend. „Die gewählten Standorte bieten genügend Platz, um schon während des Entstehungsprozesses den Künstlern über die Schulter zu schauen.“ Eng wird’s nicht werden, und eine FFP2-Maske sollten alle Zaungäste für den Notfall eingesteckt haben, nachdem sie schon bergwärts gegondelt sind.

„Imposante Gebäude, historische Denkmäler und kulturelle Highlights – Art on Snow zeigt in diesem Jahr europäische Kultur als Sinnbild für Zusammenhalt in einer herausfordernden Zeit“, so Josef Gruber, künstlerischer Leiter des Festivals. Im Außenbereich der Alpentherme in Bad Hofgastein baut Klaus Grunenberg den Eiffelturm nach. Dreihundert Meter wird das Ding eher nicht hoch werden, es ist eher mit einer Minimundus-Variante zu rechnen. Göttervater Zeus (für Griechenland), der Osborne-Stier (für Spanien) und der Drache Fafnir aus der Nibelungensage (für Deutschland) werden im Skigebiet Schlossalm-Angertal-Stubnerkogel zu sehen sein. So geht’s EU-Land um EU-Land. Auf dem Kindergelände an der Fulseck-Talstation (Dorfgastein) entsteht ein Panoptikum aus Windmühlen, Tulpen und Käse – ein Niederland-Parcours für die Kleinsten. Sie sind auch Adressaten des Schnee-Vesuvs mit eingebauter Rutsche. Besser ein neapolitanischer Schnee-Vulkan als ein frostiger Mafioso...

Eine Schneekapelle auf dem Stubnerkogel in Bad Gastein gehört seit einigen Jahren schon zwingend zu Art of Snow. Darin sollen sich schon Gäste spontan das Jawort gegeben haben. Hans Gold gestaltet diese Kapelle heuer nach dem Vorbild der malerischen Javorca Kapelle in Slowenien. Am selben Berg wird auch die kleine Meerjungfrau aus Kopenhagen zu entdecken sein. Auf dem Kongressplatz in Bad Gastein werden die norwegischen Vertreter, die Eiskönigin Elsa und Olaf der Schneemann aus dem Disneyfilm Frozen der Eröffnung des neuen Eislaufplatzes Tribut zollen.

Einen Eisschnitzwettbewerb im Ortskern von Bad Hofgastein gibt es auch wieder, gleich am 30. Jänner: „Die Besucher können renommierte Bildhauer dabei beobachten, wie sie mit Säge, Meißel und Hammer die 1 x 0,5 x 0,25 Meter großen Blöcke zu verschiedensten Skulpturen formen.“ Das wird zwangsläufig eine Österreicher-Wertung – oder etwa doch nicht?

Bei der Graukogelhütte verspricht man „das Symbol schlechthin für die Alpenregionen Österreichs, das Edelweiß“. Vielleicht finden sich dann ja ein paar ausländische Skilehrer-Aspiranten, die den Song aus Sound of Music auswendig drauf haben. (dpk-krie)

www.gastein.com
Bilder: Artwork Art on Snow / Cosemo Miorelli (1); Gasteinertal Tourismus / Marktl Photography (1)