Mehr Geld, mehr Landeskulturbeirat

DOKUMENTATION / LANDESKULTURBEIRAT

25/04/13 Sowohl der Landeskulturbeirat als auch der Fachbeirat Darstellende Kunst haben am Donnerstag (25.4.) Nachmittag Forderungen an die Kulturpolitik des Landes publik gemacht. Wir dokumentieren diese beiden Aussendungen im Wortlaut.

1. Kultur in eine Hand

Die kulturpolitischen Agenden sind derzeit über mehrere Zuständigkeitsbereiche verteilt. Zur Schaffung von mehr Transparenz und zur Vermeidung von Doppelungen soll eine künftige Salzburger Landesregierung alle kulturellen Belange in einem Ressort bündeln.

2. „Kulturland Salzburg“ – Strategieprozess

Die Zukunftsfähigkeit des Kulturlandes Salzburg erfordert einen Strategieprozess zur Schärfung und Weiterentwicklung des kulturellen Profils, und zur Schaffung einer gemeinsamen Basis für Kulturpolitik und Kulturtreibende. Die Grundlagen für künftige kulturpolitische Weichenstellungen sollen von einem Projektteam aus Politik, Verwaltung, Landeskulturbeirat und beigezogenen Fachleuten erarbeitet werden.

3. Anpassung des Kulturbudgets

Eine neue Salzburger Landesregierung soll ab dem Budgetjahr 2014 eine verbindliche, jährliche Indexanpassung der Kulturförderung vornehmen. Diese Anpassung muss auch und gerade für den Bereich der freien Ermessensausgaben im Kulturbereich gelten und in der Höhe der Inflationsrate liegen, mindestens aber bei 1,5 % pro Jahr.

4. Reform der Rundfunkabgabe

Das Land Salzburg betreibt keine substantielle freie Medienförderung wie sie vom EU-Parlament bereits im Jahre 2008 gefordert wurde. Daher soll gemäß der Empfehlung der UNESCO und der OSZE von 2010 eine eigenständige Förderung von freien Medienprojekten im Land Salzburg eingerichtet werden. Diese Förderung soll mit mindestens 2,5 % der jährlichen Einnahmen aus der Landesmedienabgabe finanziert werden. Derzeit fließt etwa ein Drittel der Rundfunkgebühren über die Landesmedienabgabe ungewidmet ins Landesbudget. Mit dieser Förderung würde die Zweckwidmung der Landesmedienabgabe erfüllt und zugleich das Landeskulturbudget entlastet.

5. Aufwertung des Landeskulturbeirates

Eine zukünftige Landesregierung soll die Einrichtung des Landeskulturbeirates aufwerten. Dazu schlägt der Landeskulturbeirat vor, die Geschäftsordnung zu überarbeiten und Rechte und Pflichten verbindlicher zu regeln. Ziel ist u.a. die Stärkung von Begutachtungs- und Kontrollrechten, insbesondere bezüglich der Gestaltung und Umsetzung des Kulturbudgets. Dieser Prozess soll mit Vertreterinnen und Vertretern der Kulturpolitik, der Kulturverwaltung und des Landeskulturbeirates geführt werden. Die Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP haben dieser Forderung prinzipiell bereits zugestimmt. Wir erwarten eine Umsetzung dieser Forderung ab dem 5. Mai.

Und hier die kulturpolitische To-do-List des Fachbeirats Darstellende Kunst. Sie ist mit 19. April datiert, aber ebenfalls erst am Donnerstag (25.4.) nachmittags an die Medien gegangen.

19/04/13 - 25/04/13 Nach gut einjähriger Bestandsaufnahme des Kulturschaffens im Bereich Darstellende Kunst, sehen wir einige dringliche Probleme, deren Lösung eine neue Landesregierung dringend in Angriff nehmen sollte. Diese Aufzählung umfasst nur einige wenige ausgewählte Punkte, die wir als besonders wichtig und auch als realisierbar erachten.

1. Die Budgetmittel für den Bereich Darstellende Kunst müssen dringend den Notwendigkeiten angepasst werden.
Im Besonderen gilt dies für die freien Tanz- und Theaterinitiativen, deren Förderungen bei weitem nicht den gegenwärtigen Anforderungen entsprechen. So beträgt das aktuelle Budget 2013 für alle freien Theaterprojekte nur 119.000 Euro, alle freien Tanzinitiativen 70.000 Euro, und für das gesamte Amateurtheater ebenso nur 70.000 Euro vom Land Salzburg. Diese Förderungen sind nicht nur im Vergleich zu anderen Bundesländern wesentlich niedriger dotiert, auch innerhalb des Kulturbudgets des Landes wird dieser Bereich zu wenig berücksichtigt. Alle drei genannten Bereiche erhalten zusammen 259.000 Euro, also lediglich knapp 0,5 % der Kulturförderungen des Landes.
Diese Fördersummen lassen den Schluss nahe, dass freies Theaterschaffen keinen Stellenwert bei der Kulturförderung des Landes hat. Allerdings hat diese Arbeit einen hohen Stellenwert für kulturell und sozial engagierte Menschen, deren Arbeit eine angemessene Wertschätzung bekommen sollte.

2. Förderfristen: Wir sehen es als besonders wichtig an, zukünftig die Förderzyklen und Fristen an die der kommunalen Förderstellen (z.B. Stadt Salzburg) anzupassen. Eine solche Vorverlegung würde besonders den freien Projekten Planungssicherheit geben und auch hier professionelles Arbeiten ermöglichen. Wir sehen auch die Möglichkeit einen Stichtag für Förderansuchen einzuführen, wenn dieser auch eine rechtzeitige Entscheidung über die Förderansuchen bedingen würde.

3. Es gibt zu wenige Proberäume für Darstellende Kunst in Salzburg, es mangelt an leistbaren und qualitativ ausreichend ausgestatteten Räumlichkeiten in Stadt und Land Salzburg.

4. Tour- und Gastspielförderung: Das Land sollte sich an Förderungskonzepten beteiligen, die es Theater- und Tanzprojekten ermöglicht, ihre Produktionen überregional und im Bedarfsfall auch international zu zeigen. Damit würde diesen Produktionen eine breitere Sichtbarkeit und Wirksamkeit ermöglicht werden. Die Förderkriterien sollten nicht nur auf die Fertigstellung, sondern auch auf die Weiterentwicklung von Tanz- und Theaterproduktionen ausgeweitet werden.

5. Das Land Salzburg sollte sich an der Weiterentwicklung des Theaters für Jugendliche beteiligen und Förderschwerpunkte mit ausreichenden Budgetmittel setzen. Tanz- und Theater hat nicht zuletzt einen Bildungsauftrag, der besonders Kindern und Jugendlichen zu gute kommen sollte. Mittelfristig wünschen wir uns auch die Ausrichtung des österreichischen Jugendtheaterpreises „Stella“, der bislang noch nie in Salzburg veranstaltet wurde.

Der Landeskulturbeirat, Fachbeirat Darstellende Kunst, erhofft sich von der zukünftigen Landesregierung in diesen Punkten Interesse und Engagement und wird sich an Konzepten zur Lösung dieser Aufgaben beteiligen.

Der Fachbeirat Darstellende Kunst unter dem Vorsitz von Markus Grüner-Musil gehören folgende Mitglieder an: Christa Hassfurther, Robert Pienz, Angela Glechner, Julia Lepka-Fleischer, Veronika Pernthaner, Caroline Richards, Sergej Pumper und Gerard Es.

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