FILMKRITIK / ONE TO ONE – JOHN & YOKO

04/04/25 Portraits von Musikern und Musikerinnen – als biographische Spielfilme wie Dokumentarfilmen – waren in letzter Zeit groß in Mode. Das Kino veranstaltet im Juli und August einen Schwerpunkt mit Musiklegenden von Bowie bis Baez und Zeppelin bis Zucchero. Ein absolutes Highlight ist mit One to One – John & Yoko gerade angelaufen.

Von Andreas Öttl

Als John Lennon und Yoko Ono 1971 in die USA übersiedelten, war das Land unter Präsident Richard Nixon noch in den Vietnam-Krieg verstrickt. Das Paar wohnte in einer winzigen Wohnung im New Yorker Greenwich Village und verfolgte aufmerksam den gesellschaftspolitischen Wandel im Land. Ihre Einstellung zu politischem Protest änderte sich dadurch grundlegend und führte schließlich zum legendären „One-to-One Konzert“ welches einer Anstalt für Kinder mit Behinderungen zu Gute kam. Am 30. August 1972 spielte John Lennon gemeinsam mit Yoko Ono dieses erste (und einzige) Konzert in voller Länge nach seinem Ausstieg bei den Beatles. Diese schillernde Performance wurde für den Dokumentarfilm von Oscar-Preisträger Kevin MacDonald und Sam Rice-Edwards nun neu gemischt und produziert. Neben dem Konzertmitschnitt enthält One to One – John & Yoko eine Fülle von bisher unveröffentlichtem Material. Darunter Homevideos und zahlreiche Aufnahmen von Telefonaten zwischen John und Yoko, die einen einzigartigen Blick auf eine prägende Zeit im Leben eines der berühmtesten Paare der Musikgeschichte ermöglichen.

Die primäre Qualität des dynamischen, brillant geschnittenen Films ist, wie gut er es schafft, ein Gefühl für die Zeit zu vermitteln. Jenem Moment Anfang der 1970er Jahre, als sich die Utopien des turbulenten vorangegangen Jahrzehnts zu verabschieden drohten und – vor dem Hintergrund der Eskalation in Vietnam – das Establishment und die Gegenkultur mehr denn je auf Konfrontationskurs waren.

Dass im Film auch die politische Situation der USA und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft im Fokus sind, verwundert nicht – zu groß sind die Parallelen zur mehr denn je gespaltenen amerikanischen Gesellschaft von heute. Es ist dabei aus heutiger Sicht bitter zu erkennen, dass seitdem nur in manchen Bereichen Fortschritte gemacht wurden und dass der Ruf nach Frieden gerade wieder sehr aktuell ist. Diese gesellschaftspolitische Dimension verknüpft der Film sehr gut mit dem intimen Blick auf die beiden Figuren. Die Homevideos und Archivaufnahmen haben eine große Kraft und auch die Konzertaufnahmen sind – auch dank des großartigen neuen Soundmix – mitreißend. Yoko Ono, die damals von vielen Seiten angegiftet wurde, erhält im (vom gemeinsamen Sohn Sean Ono Lennon mitproduzierten) Film genauso viel Gewicht als John Lennon und wird damit vielen Zusehern ein vielschichtigeres Bild eröffnen, als jenes, das die Massenmedien oft zeichneten.

One to One – John & Yoko ist nicht nur ein Muss für alle an der Geschichte der Popmusik Interessierten und ein berührendes differenziertes Portrait des ikonischen Paares, sondern auch ein ein wertvolles Zeitdokument. Ein beinahe immersives Filmerlebnis, dass mehr einer Collage gleicht als einer konventionellen Dokumentarfilmstruktur folgt. Ein Meisterwerk, dass sich diesen beiden bedeutenden Persönlichkeiten würdig erweist und weit über die üblichen Ambitionen eines Konzertfilms hinaus geht. 

One to One - John & Yoko –  www.daskino.at 
Zur Filmreihe Summer of Music im Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino  www.daskino.at
Bild: www.polyfilm.at