LITERATURHAUS SALZBURG / EUROPA ERZÄHLEN
05/05/26 Seit 1995 findet Europa der Muttersprachen statt, es ist also ein Traditions-Programmpunkt im Literaturhaus Salzburg. Das Motto heuer, von 6. bis 8. Mai: Europa erzählen.
Robert Menasse eröffnet morgen Mittwoch (6.5.) den Lesereigen. Er liest aus seiner heuer bei Suhrkamp erschienenen Novelle Die Lebensentscheidung, in der ein persönliches Schicksal mit großer Politik verknüpft wird. Erzählt wird vom Überlebenskampf eines frustrierten EU-Beamten zwischen Brüssel und Wien. Der an Krebs Erkrankte wirft seinen Job hin. Er will nicht vor seiner Mutter sterben.
Ebenfalls am Eröffnungsabend zu Gast ist der slowakische Autor Michal Hvorecký. Er verfolgt in seinem Sachbuch Dissident (Klett-Cotta Verlag, 2026) den Weg Europas vom Fall des Eisernen Vorhangs bis zur Rückkehr autoritärer Ideologien. Der engagierte Intellektuelle verwebt Erinnerungen und Erfahrungen mit einer scharfen Analyse der politischen Gegenwart und fordert unser aller Einsatz für die Demokratie.
Warum es wichtig ist, nicht nur ein Land, eine Sprache in den Blickpunkt zu nehmen, sondern Europa zu thematisieren? „Die europäische Literatur reflektiert mehr denn je Wirklichkeiten politischer Ratlosigkeit, Auswüchse ökonomischer Interessen und Erschütterungen des Ich. Und: Texte entwerfen sprachgewaltig und poetisch, mit Phantasie und Humor oftmals Gegenwelten.“ So Tomas Friedmann, der die Reihe Europa der Muttersprachen ins Leben gerufen hat. Seit 2018 stehen deshalb immer mehrere Länder und Sprachen zur Diskussion. „Europa braucht neben dem prägenden EU-Narrativ von Einheit und Frieden – gegenwärtig von Nationalismus und Rechtsradikalismus bedroht und konterkariert – mehr denn je Erzählungen und Erinnerungen, Widerstand und Utopien, Kritik und Kreativität. Der diverse Kulturraum Europa braucht Literaturen.“
Die engagierten Autorinnen und Autoren des dreitägigen Literaturhaus-Festivals Europa der Muttersprachen „schreiben mit ihren erfahrenen und erfundenen Geschichten selbst europäische Geschichte“. Die Bücher spannen einen Bogen von Brüssel bis Bratislava und von Bilbao bis Bukarest. In zum Teil zweisprachigen Veranstaltungen wird gelesen und diskutiert sowie beim italienischen Abend am Donnerstag (7.5.) auch gesungen und musiziert, eine Brücke von Triest nach Neapel gebaut: Die italienische Schriftstellerin Federica Manzon siedelt ihren Roman Alma zwischen Ost und West an. Es moderiert Giorgio Simonetto. Um 21 Uhr tritt erstmals in Salzburg die italienische Singersongwriterin FLO auf – begleitet von Ernesto Nobili auf der Gitarre. Die Neapolitanerin singt auch auf Neapolitanisch – Italienisch ist eben nicht gleich Italienisch.
Am Freitag (8.5.) schließlich sind die rumänisch-schweizerische Autorin Dana Grigorcea und die baskisch-französische Autorin Maria Larrea eingeladen. Maria Larrea geht in ihrem autobiografischen Debütroman Die Kinder von Bilbao der Frage nach, was es bedeutet, wenn plötzlich die Wurzeln gekappt werden. Als die zwanzigjährige Maria erfährt, dass sie adoptiert ist, begibt sie sich auf Spurensuche nach ihrer Identität zwischen Paris und Bilbao. Dana Grigorcea entwirft in ihrem Roman Tanzende Frau, blauer Hahn ein Kaleidoskop der Liebe. Sommer für Sommer treffen sich Camil und Roxana im kleinen Ort Buşteni in den rumänischen Bergen und ergründen so ihre individuellen Lebensgeschichten.
Europa der Muttersprachen / Europa erzählt. Von 6. bis 8. Mai 2026 im Literaturhaus Salzburg – www.literaturhaus-salzburg.at
Bilder: Literaturhaus Salzburg / Rafaela Pröll; Martina Lukic; Hans Johann; Borja Cuervo; Gabi Hirit