TODESFALL

Arnulf Rainer (1929–2025)

22/12/25 Arnulf Rainer „ zählt zu den inspirierendsten Künstlern, mit denen ich zusammenarbeiten durfte“, so der Galerist Thaddaeus Ropac über den im Alter von 96 Jahren verstorbenen Doyen österreichischer Nachkriegs-Kunst.

„Es war eine große Ehre, ihn über vierzig Jahre lang gekannt und in zahlreichen Ausstellungen viele seiner bedeutendsten Werke gezeigt zu haben“, so der Salzburger Galerist in einem Nachruf. „Arnulf Rainer war ein wahrer Visionär. Er warf nicht nur Licht auf die Mentalität Nachkriegseuropas, sondern erweiterte auch unermüdlich die Grenzen der Kunst und ihrer Schaffensmöglichkeiten. Seine künstlerischen Errungenschaften werden für immer Teil des Kanons bleiben.“

Im Unterschied zu den meisten Künstlerkollegen der „Stunde null“ nach dem Zweiten Weltkrieg, die an zeitgenössische Kunstströmungen anknüpften, habe Arnulf Rainer gänzlich neue Wege beschritten, so Albrecht Klaus Schröder im Ö1-Morgenjournal. Folglich hat es Arnulf Rainer sowohl an der Hochschule für angewandte Kunst als auch der Akademie für bildende Kunst in Wien jeweils nur wenige Wochen gehalten. Mit Maria Lassnig, seiner damaligen Partnerin, reiste er nach Paris, um Andre Breton, die Zentralfigur der Surrealisten, zu treffen. Surrealist wurde keiner aus ihm, aber die Pariser Eindrücke des Informel prägten ihn. 1952 wurde Rainer zu seiner ersten Einzelausstellung in die Zimmergalerie Franck in Frankfurt am Main eingeladen, die heute als eine der ersten Manifestationen des Informel in Mitteleuropa gilt. Im dazu veröffentlichten Katalog wurden unter anderem Rainers Manifest „Malerei um die Malerei zu verlassen“ abgedruckt.

Wesentlich war Rainers Zusammentreffen 1953 mit Otto Mauer, dem Gründer der Galerie nächst St. Stephan. Dort hatte Rainer seine erste Einzelausstellung in Österreich. Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky, Josef Mikl und Arnulf Rainer gründeten 1956 die Malergruppe „Galerie St. Stephan“.

Zum Markenzeichen wurden die Übermalungen eigener und fremder Bilder. Damit begann Arnulf Rainer in den frühen 1950er Jahren. Ikonische Bedeutung gewannen dabei Fotoübermalungen von Selbstporträts, die als Face Farces bezeichnet werden. Bald stellten ihm auch prominente Künstler – Sam Francis, Georges Mathieu, Emilio Vedova, Victor Vasarely – Arbeiten zum Übermalen zur Verfügung.

Ein Thema, das ihn stark beschäftigte, waren Kreuze, die er ebenfalls übermalte. Gegen eine Ausstellung heuer im Stephansdom hat Rainer sich allerdings verwahrt. Ungeachtet der gemeinsamen Wegstrecke mit dem Geistlichen Otto Mauer behielt Rainer auch zur Religion kritische Distanz.

Arnulf Rainer ist am Donnerstag (18.12.) in Wien verstorben. (dpk-krie)

Bild: Wikimedia:/ Franz Johann Morgenbesser