Im Fadenkreuz der Nazi-Kunst-“Ästheten“
FEUILLETON / JAKOB ADLHART
03/04/26 Fast auf den Tag hundert Jahre ist es her, dass der Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart den Kollegchristus schuf. In der Zeit der Nazi-Herrschaft musste diese expressive Skulptur ebenso weichen wie der Festspielkopf und die Genien am Bühnenportal im Toskaninihof.
Erfrischende Musizierlaune
OSTERFESTSPIELE / BE PHIL ORCHESTRA
03/04/26 Das Be Phil Orchestra ist ein Projekt der Berliner Philharmoniker, gegründet 2018 noch in der Ägide von Simon Rattle, 2023 fortgeführt von Kirill Petrenko und nun, als eigentlich drittes Amateurorchester, für die Osterfestspiele in Salzburg wieder belebt.
Große Kunst in Wohnzimmer-Atmosphäre
HINTERGRUND / KUNSTMESSE SIFAF
02/04/26 Den Knüller-Raum haben sich Sylvia Kovacek und die Galerie Wienerreuther und Kohlhammer ausgesucht. Das oberste Stockwerk des Koller&Koller-Hauses am Salzburger Waagplatz hat eine Dachschrägen-Verglasung, und da blickt man über ein Bild von Arnulf Rainer – natürlich ein Kreuz – auf die Domkuppel und die Türme der Innenstadtkirchen. Was für eine effekvolle Inszenierung!
Der Volkszorn brodelt
PHILHARMONIE SALZBURG / JOHANNESPASSION
02/04/26 Als „Turbae“ bezeichnet man jene Chöre in der Passionserzählung, in denen sich das Volk lautstark einmengt in die Gespräche der „Soliloquenten“, wörtlich übersetzt: der Alleine-Sprecher. Das lateinische Wort „Turba“ meint Menge, ja Meute.
Der heilige Geist und das ewig Weibliche
OSTERFESTSPIELE / MAHLERS ACHTE
01/04/26 Es macht schon wirklich was her, wenn die Mater gloriosa ihr „Komm! Hebe dich zu höhern Sphären“ vom Rang herunter singt und wenn schließlich das blecherne Fernorchester – vier Trompeten, drei Posaunen – ganz von hinten oben losschmettert. Mahlers Achte – wer leistet sich den Luxus schon?
Eine Lanze für den „Widersacher“
OSTERFESTSPIELE / KAMMERKONZERT III
01/04/26 Im Mai des Vorjahrs wäre seines 200. Todestags zu erinnern gewesen: Wenigstens die Hofmusikkapelle Wien schaffte 2025 ein Mini-Festival für Kapellmeister Antonio Salieri. Mit Verspätung „kontrapunktierten“ ihn die Berliner Philharmoniker nun in Salzburg mit Mozart.
Rund um den Leib Gottes
CD-KRITIK / MISTERIS DEL CORPUS
01/04/26 Das Fest der in den Leib Christi verwandelten Hostie, müsste ja streng genommen der Gründonnerstag sein, da feierte Jesus mit den Jüngern das Letzte Abendmahl. Aufgrund mysteriösen Erscheinung setzte die Kirche dann im Mittelalter ein eigenes Fest dafür an, Fronleichnam.
Menschen wie Schilfrohr im Wind
OSTERFESTSPIELE / PLANET [WANDERER]
31/03/26 „Der Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde“ heißt es im Psalm 103. Das wird meist als Bild für Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit menschlichen Lebens gedeutet. Gras- und Schilfhalme haben freilich auch viel Widerstandskraft, wenn der Wind drüber pfeift.
Buchstaben zum Freuen
RAURISER LITERATURTAGE / RESÜMEE
31/03/26 Am Sonntag(29.3.) sind die 55. Rauriser Literaturtage zu Ende gegangen. 3.600 Literaturinteressierte besuchten die fünf Tage dauernde Veranstaltung, die das Intendantenduo Manfred Mittermayer und Ines Schütz heuer unter das Motto Lieben gestellt hatte.
Zu Besuch auf Golgotha
HINTERGRUND / BACH-ORATORIUM
31/03/26 Bach und eine österreichische Erstaufführung? Es geht am Gründonnerstag (2.4.) nicht um den Thomaskantor, sondern um einen der Söhne von Johann Sebastian, Johann Christoph Friedrich Bach und sein Passionsoratorium Die Pilgrime auf Golgotha.
Ein prägender Theatermann für Salzburg
TODESFALL / LUTZ HOCHSTRAATE
30/03/26 23 Jahre lang war er am Salzburger Landestheater tätig, zunächst als Oberspielleiter, dann 18 Jahre lang, von 1986 bis 2004, als Intendant. Insgesamt hat der leidenschaftliche Theatermann, Regisseur und Schauspieler in über hundert Produktionen Regie geführt. Am Palmsonntag (29.3.) ist Lutz Hochstraate im Alter von 84 Jahren verstorben.
Die sich wandelnde Idee von der Geliebten
OSTERFESTSPIELE / ORCHESTERKONZERT / TUGAN SOKHIEV
30/03/26 Die „idée fixe“ – das musikalische Leitmotiv für die Geliebte – ist so festgefügt ja gar nicht, wie der Begriff sagen will. Die mit dem Motiv beschriebene Dame verwandelt sich in den fünf Sätzen von Hector Berlioz' Symphonie phantastique vom idealisierten Traumbild zur gar bösen Hexe.
Hüben wie drüben
OSTERFESTSPIELE / KAMMERKONZERT II
30/03/26 An ihre frühere Wirkungsstatt zurückgekehrt, haben die Berliner Philharmoniker zu Ostern Salzburgs Musikleben wieder fest im Griff. Zwischen Fördererprobe und abendlichem Konzert mit Berlioz’ Symphonie fantastique und Brahms' Doppelkonzert fanden einige Mitglieder noch Zeit, sich Glasunow und – nochmals – Brahms intim zu widmen.
Die Welt noch schwer in Ordnung
OSTERFESTSPIELE / DIE SCHÖPFUNG
29/03/26 Der Hirsch mit „zackig Haupt“, das Rind „in Herden abgeteilt“, das „wollenreiche sanfte Schaf“ auf den Triften, in „Schwarm und Wirbel“ das Heer der Insekten, und schließlich kriecht noch „am Boden das Gewürm“: Gut geschöpft, lieber Gott!
Vom Komponisten-Werkstatttisch
OSTERFESTSPIELE / KAMMERKONZERT
29/03/26 Mit seinem Souvenir de Florence hat Tschaikowski sich eingeschrieben ins Standardrepertoire von Streichsextetten. Neuland dürfte für die meisten Hörer im ersten Kammerkonzert der Osterfestspiele am Samstag (28.3.) Nachmittag aber das Streichsextett A-Dur von Nikolai Rimski-Korsakow gewesen sein.
Im Salzburger Schurken-Welt-Theater
OSTERFESTSPIELE / RHEINGOLD
28/03/26 Rheingold zu Beginn der Osterfestspiele in der Felsenreitschule. Obwohl es von der Szene unendlich viel zu erzählen gäbe – Hauptsache ist ja doch, dass die Berliner Philharmoniker wieder da sind, und dass Kirill Petrenko dirigiert. Als der Dirigent sich nach der Premiere verneigte, steigerte sich der freundliche Beifall verdientermaßen zum Orkan.
Heftiges Theater zum selber Denken
SCHAUSPIELHAUS / [BLANK]
26/03/26 Aus hundert frei wählbaren Szenen besteht das Stück [BLANK] der Dramatikerin Alice Birch. 19 davon hat die Regisseurin Sophia Aurich in einen Reigen verstörender Momente im Umfeld von Beziehung und Familie, Vernachlässigung und Gewalt geflochten. Bei allen Problemen eine anregende Produktion.
Kein Bösewicht
KOMMENTAR
27/03/26 Von Reinhard Kriechbaum – Wenn man die Pressemeldungen des heutigen Tages nachliest, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass da ein randalierender Tunichtgut über Jahre Terror im Festspielbezirk verbreitet habe. Einer, dem man keine Träne nachweinen sollte?
Von wegen „GAU now“
HINTERGRUND / FESTSPIELE
27/03/26 So titelt heute, Freitag (27.3.), am Tag nach Markus Hinterhäusers „Beurlaubung“ als Intendant durch das Kuratorium der Festspiele, das Profil online. Das ist schon extrem überspitzt. Ein GAU war es nicht, als man sich mit Jürgen Flimm zerstritten hat und Hinterhäuser als Interims-Intendant den Laden übernahm. Und auch jetzt werden die Festspiele nicht den Bach runter gehen.
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