FESTSPIELE / MITRIDATE, RE DI PONTO

05/08/25 Der Vater kehrt aus dem Krieg gegen die Römer heim – misstraurisch gegenüber den beiden Söhnen und seiner Verlobten. Tatsächlich sind Farnace wie Sifare in die schöne Aspasia verliebt. Farnace ist – vermutlich – nicht nur ein Nebenbuhler des Königs Mitridate, sondern auch ein Verräter. Sifare und Aspasia üben sich in Entsagung, werden trotzdem verpetzt.

Von Von Heidemarie Klabacher

In einer einzigen Vorstellung ging Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto mit dem Mozarteumorchester unter der Leitung von Adam Fischerin einer semi-szenischen Aufführung im Haus für Mozart als halb-szenische Aufführung über die Bühne. Ein Mozart-Highlight!

Der einzige Römer schaut aus, wie ein mordbereiter Abgesandter Nordkoreas. Dabei stammt Seungwoo Simon Yang, der Sänger der kleinen Partie des Marzio, aus Südkorea. Seine Übertitel erscheinen in Römischer Kapitalschrift, jene der Pontiner in einer wie handgeschrieben wirkenden Antiqua. Je nach Emotion ändert sich die Schriftgröße oder pulsieren einzelne Worte. Diese dosiert eingesetzten schriftkundlichen „Spielereien“ sind unterhaltsam und informativ. Birgit Kajtna-Wönig, die für die szenische Einrichtung zeichnet, hat für Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto eine neue Textfassung erstellt, die Dialoge und kurze Inhaltsangaben umfasst. Die Buchbinderin und Videokünstlerin Mara Wild zeichnet für die grafische Gestaltung der Übertitel und einige animierte Zeichnungen: Um die anrückende römische Flotte etwa schlagen herrlich schnörkelige Wellen. Dazu im Saal ein goldener Thron. Kostümbildnerin Bernadette Salzmann gewandet die königliche Familie am Hof von Pontos (Kleinasien) in zeitloses Gewand. 

Traditionell fünf Mozart-Matineen mit jeweils zwei Terminen an den Wochenenden spielt das Mozarteumorchester Salzburg mit wechselnden Dirigenten jeden Festspielsommer im Großen Saal des Mozarteums. Heuer stand für den zweiten Termin die Mozart-Soiree mit der semi-szenischen Aufführung des Mitridate am Montag (4.8.) im Haus für Mozart. Für den Kartenverkauf bleibt es sich gleich, das Haus für Mozart umfasst etwa doppelt so viele Plätze wie der Große Saal. Dennoch wären weitere Aufführungen ein Gewinn.

Die halbszenische Umsetzung lässt keine Wünsche nach mehr „Regie“ offen, die musikalische ist ein Highlight klangrednerischer Mozartinterpretation. Adam Fischer und das Mozarteumorchester Salzburg, international für seine Mozartkompetenz anerkannt, legen dem Ensemble einen pulsierenden vorwärtsdrängenden Klanggrund, in dem die vielfarbigen Orchesterstimmen die „Seelenlage der Figuren“ interpretieren, so Adam Fischer – und so der Live-Befund. Nicht nur das Solohorn von Rob van de Laar in Arie des Sifare Lungi da te, mio bene oder die Streichquartett-Begleitung zur Arie der Ismene Tu sai per chi m'accese oder das Hammerklavier von Rupert Burleigh sind Glanzlichter. In den dramatischen Arien das Orchester immer neue Zündfunken.

Der Tenor Pene Pati ist ein Mitridate von pontifikaler Raumverdrängung und facettenreichem Stimmklang. Betörnd leise und geschmeidig in der Ruhe, aber auch grell aufschreiend kann seine Höhe sein. Dass es gefährlich für die Söhne ist, sich in die Verlobte eines solchen Vaters zu verlieben, ist kein Wunder. Der Countertenor Paul-Antoine Bénos-Djian singt die Partie des Farnace, des bösen Buben, der auch des Verrats bezichtigt wird. Elsa Dreisig singt die Hosenrolle des Sifare, des guten Sohnes, der ebenfalls in Aspasia, Sara Blanch, verliebt ist und von dieser wieder geliebt wird. Hoher Verzicht und Ehre und Entsagung auf beiden Seiten in wundersamen Arien, von den beiden Sängerinnen zum Niederknien schön gesungen. Julie Roset singt die Partie der Ismene, jener vom Vater ausgesuchten Prinzessin, die Farnace so rüde zurückweist. Julie Roset beschert dem Auditorium weiteren Sopran-Glanz und kostbare Momente der Ruhe und des Friedens – den nur leider keiner will. Weder in Pontos noch sonstwo. 

Bilder: SF / Marco Borrelli