OSTERFESTSPIELE / BE PHIL ORCHESTRA
03/04/26 Das Be Phil Orchestra ist ein Projekt der Berliner Philharmoniker, gegründet 2018 noch in der Ägide von Simon Rattle, 2023 fortgeführt von Kirill Petrenko und nun, als eigentlich drittes Amateurorchester, für die Osterfestspiele in Salzburg wieder belebt.
Von Gottfried Franz Kasparek
Also versammelten sich 75 Musiker und Musikerinnen im Alter von 18 bis 72 aus Österreich und allen Nachbarländern inklusive Liechtenstein am Donnerstag (2.4.) im Großen Festspielhaus und ernteten Begeisterung. Am Pult stand diesmal nicht der Chef, sondern Tugan Sokhiev, der die Wolfgang Amadé Mozart zugeschriebene Sinfonia concertante für vier Solobläser und Orchester Es-Dur KV 297b aufmerksam und liebevoll begleitete. Da die Wissenschaft sich mittlerweile ziemlich einig darüber ist, dass dieses hübsche Stück gar nicht oder fast nicht von Mozart ist, hat es im neuesten Köchelverzeichnis die sperrige Nummer KV Anh. C 14.01 erhalten, die sich eher nicht durchsetzen wird.
Man weiß ohnehin schon lange, dass es außer einem Brief Mozarts an seinen Vater aus Paris 1778, in dem er en passant die Komposition eines solchen Stücks ankündigte, keinerlei originales Material gibt, sondern nur die 1869 aufgetauchte Abschrift irgendeiner verschollenen Partitur. In der Motivik wirkt die Sache recht „mozartisch“, was allerdings zum Beispiel auch auf Werke von Zeitgenossen wie Antonio Rosetti zutrifft. Die Harmonik ist gut gemacht, aber nicht so kreativ wie sonst bei Wolfgang Amadé üblich. Es ist denkbar, dass ein anonym gebliebener Kollege das Stück nach damals noch vorhandenen Skizzen Mozarts erarbeitet hat.
Jedenfalls ist das duftig-luftige Musik, ein schönes Beispiel für die Gattung der konzertanten Symphonie und dankbar für die vier Solisten. Die waren diesmal die Vertreter des jeweiligen Solostellen der Berliner Philharmoniker. Der Oboist Jonathan Kelly, der Klarinettist Wenzel Fuchs, der Hornist Yun Zeng und der Fagottist Stefan Schweigert ergaben, auf modernen Instrumenten, eine feine Gruppe in bester Spiellaune und lockerer Virtuosität. Das ganze ist ja Unterhaltungsmusik auf höchsten Niveau. Das Orchester, nicht ganz so groß wie nach der Pause, musizierte beherzt und tonschön. Übrigens bestanden die Pariser Orchester um 1780 auch schon aus mindestens sechzig Musikern, zur großen Freude von Mozart, Haydn und Co.
Antonín Dvořáks Achte Symphonie ist nicht gerade eine Rarität im Salzburger Konzertleben. Seit 2019 war sie etwa alle zwei Jahre in den Konzertzyklen zu erleben. Aber dieses Meisterwerk erfreut immer wieder mit seiner melodischen Kraft, seiner unwiderstehlichen böhmischen Musizierlaune, mit rhapsodischen Überraschungen und Stimmungswechseln in den Mittelsätzen und der farbigen Naturmalerei zwischen Walzer- und Polkarhythmen. Tugan Sokhiev ist ein oft behutsam modellierender, aber auch mit slawischen Temperament auftrumpfender Gestalter am Pult und hat intensiv mit dem Orchester gearbeitet, welches erstaunlich professionell agierte, mit sonorem Streicherklang und glänzenden Soli zum Beispiel des Konzertmeisters, der Soloflötistin und des Solotrompeters. Man merkt all den Spielenden die große Freude am gemeinsamen Musizieren an. Im Publikum mischten sich typische Festspielgäste mit dem Fanpublikum der Mitwirkenden, was sehr erfrischend war.
Bilder: OFS / Monika Rittershaus