HINTERGRUND / CECILIA BARTOLI

12/08/26 Cecilia Bartoli wurde jüngst nicht nur für ihr Mitwirken in der Oper Il viaggio a Reims bejubelt. Sie hat auch die Festspielnadel mit Rubinen bekommen. Rolando Villazón, Plácido Domingo und Pretty Yende, Antonio Pappano, Lang Lang und Maxim Vengerov haben sie zu dem Anlass – dem 60. Geburtstag – auch musikalisch beschenkt.

Cecilia Bartoli trat 1993 erstmals bei den Salzburger Festspielen in einem viel beachteten Liederabend auf. Seit 2012 lenkt sie die Pfingstfestspiele. „In all dieser Zeit hat sie ihr Publikum immer wieder neu inspiriert. Ihre Vielseitigkeit ist sprichwörtlich. Sie begeistert nicht nur, sie nimmt die Menschen mit auf ihre musikalischen Reisen und alle folgen ihr mit größter Passion.“ So würdigt sie in einer Presseaussendung das Direktorium der Festspiele, Interimsintendantin Karin Bergmann, Festspielpräsidentin Kristina Hammer und der Kaufmännische Direktor Lukas Crepaz.

Barrie Kosky, Regisseur von Il viaggio a Reims und künstlerischer Weggefährte von Cecilia Bartoli, hielt die Laudatio auf der Bühne im Haus für Mozart: „Cecilia ist zu einem der inspirierendsten und freudvollsten Menschen meines Lebens geworden. Neben zahlreichen großartigen Opernsängerinnen gibt es jedoch nur eine Cecilia Bartoli. Zwischen ihrem Leben und ihrer Kunst gibt es keine Trennung: Es ist ein einziger, andauernder, fröhlicher Tanz. Sie sieht die Welt als eine Welt von morgen – das ist eine seltene Gabe.“ Darüber hinaus hob Kosky die herausragende Strahlkraft der Bartoli hervor: „Sie strahlt von innen heraus. Wenn Cecilia die Bühne betritt, bringt sie ihr eigenes Licht mit – und das ist ihre Seele.“

Cecilia Bartoli hat in zwanzig Festspielsommern (es gab tatsächlich einige wenige Jahre ohne sie) 83 Auftritte in Opernaufführungen und zehn Konzertauftritte gestaltet. Seit 2012 ist sie Leiterin der Pfingstkonzerte mit dort bislang 35 Opern- und 14 Konzertauftritten.

Bald vierzig jahre dauert die Bühnenkarriere der Kammersängerin. Eine Leidenschaft für wenig bekanntes Repertoire sowie ein profundes Interesse an Fragen der historischen Aufführungspraxis beflügeln ihre Arbeit als Sängerin. In Rom geboren und ausgebildet von ihrer Mutter, der Gesangslehrerin Silvana Bazzoni, wurde Cecilia Bartoli von Daniel Barenboim, Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt maßgeblich gefördert. Jeder der drei prägte auf besondere Weise ihre internationale Karriere. Zum Markenzeichen ihrer Tätigkeit sind innovative Projekte geworden, die in Vergessenheit geratener Musik gewidmet sind und aus denen ausgedehnte Konzerttourneen, Bestseller-Aufnahmen, Bühnenproduktionen, innovative Filmformate und Multimedia-Events hervorgegangen sind.
Meilensteine ihrer Karriere bildeten u. a. 1997 die allererste Inszenierung von Rossinis La Cenerentola an der New Yorker Metropolitan Opera, das seit 1999 millionenfach verkaufte Vivaldi-Album, 2008 der Pariser Konzertmarathon zu Maria Malibrans 200. Geburtstag sowie 2013 ihr radikal neuer Zugang zu Bellinis Norma, dessen Ergebnis auch eine wissenschaftliche Edition der rekonstruierten Originalpartitur war.
Die Cecilia Bartoli-Musikstiftung wurde im Rahmen von Cecilia Bartolis philanthropischer Arbeit gegründet. Ihre Ziele liegen in der Zusammenarbeit mit talentierten jungen Musiker·innen sowie im Wunsch, klassische Musik einem breiteren Publikum näherzubringen. Die Stiftung schuf u.a. gemeinsam mit Decca ein neues Label, mentored by Bartoli.

Ihr Vertrag als Künstlerische Leiterin der Salzburger Festspiele Pfingsten wurde im vergangenen Sommer bis 2031 verlängert. 2023 wurde sie zur Direktorin der Opéra de Monte-Carlo berufen.

Mit der Festspielnadel in Gold mit Rubinen wurden Festspielkünstler·innen wie Grigory Sokolov, Riccardo Muti, Christa Ludwig, Anne-Sophie Mutter, Zubin Mehta, Mariss Jansons, Daniel Barenboim, Franz Welser-Möst, Wolfgang Rihm oder András Schiff geehrt. (PSF)

Bilder: SF / Marco Borrelli