HINTERGRUND / 120 JAHRE MOZARTKINO
21/11/25 Es ist eines der ältesten Lichtspieltheater der Welt – und sicher das einzige, das auf römischen Mauern und ein Klosterhospiz gebaut ist. Mit 12 Filmen aus 12 Jahrzehnten feiert das Mozartkino von 25. November bis 6. Dezember 12 Tage lang sein 120jähriges Bestehen.
Von Heidemarie Klabacher
Die erste belegte Vorstellung fand am 6. Dezember 1905 statt, berichtet Geschäftsführer Alexander Krammer. Es war ein Gastspiel: Georg Barth zeigte mit einen Kinematographen „Bewegte Bilder“. Daraus entwickelte sich das Mozartkino, das bald weit über die Stadt hinaus Bekanntheit erlangte. „Seit der ersten Filmvorführung im Jahr 1905 ist es nicht nur das älteste Kino Salzburgs, sondern auch eines der traditionsreichsten Kinos der Welt“, so Krammer: Seit 1910 befindet sich das Gebäude, das heutige Altstadthotel Kasererbraeu, im Besitz der Familie Giebisch. Gründungs-Geschäftsführerin war Maria Stubhan, die Großmutter des heutigen Besitzers, Kurt Giebisch. Zum Jubiläum 120 Jahre Mozartkino komme also auch das Jubiläum 115 Jahre Familie Giebisch am Ort.
1918 wurde das Mozartkino offiziell in den Betrieb des Altstadthotel Kasererbraeu eingegliedert, internationale Filmfestwochen hätten Salzburg zum Treffpunkt von Filmschaffenden und Cineasten gemacht.Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs 1944 feierte das Mozartkino am 23. Dezember 1950 mit dem Zarah-Leander-Film Gabriele seine Wiedereröffnung. „Das neue Haus bot Platz für 540 Besucher und lockte zahlreiche Stars wie Romy Schneider, Toni Sailer und Luis Trenker zu Premieren nach Salzburg“, so der heutige Geschäftsführer Alexander Krammer. Auch die HighSociety hat sich immer wieder mal eingestellt: „Das größte Highlight war natürlich der Besuch der Griechischen Königin Friederike mit Tochter Sophie und Juan Carlos, dem zukünftigen spanischen Königspaar beim Film Traumland der Sehnsucht im Jahr 1961.“ Die historischen Fotos hängen bis heute in der Lobby des Mozartkinos.
1980 erfolgte eine Erweiterung um zwei neue Säle. Der Umbau von 1987 unter Kurt Giebisch brachte die Grundmauern eines römischen Asklepios-Tempels aus dem 2. Jahrhundert nach Christius ans Tageslicht. 1342 wurde in einem bereits bestehenden Gebäude eine Klosterherberge eingerichtet, 1526 das „Weinhaus zum weißen Löwen“. Seit 1775 ist „Kasererbräu“ belegt: Die Website des Mozartkinos verrät spannende Details bis herauf in die Gegenwart. So feierte laut Chronik im Oktober 2019 der FC Red Bull Salzburg die Premiere der Doku Des is Soizburg.
Die römischen Tempelmauern jedenfalls wurden beim Umbau 1987 in den sogenannten „Römersaal“ integriert: „Seither verfügt das Mozartkino über drei Säle. Die Technik wurde modernisiert. Zusammen mit der Hollywood-Bar war das Mozartkino eins der modernsten Kino der Stadt.“ Gebaut auf den wohl ältesten Kinogrundmauern weltweit...
Im Jahr 2012 übernahm Alexander Krammer die Geschäftsführung von Hotel und Kino. Er führt die Betriebe bis heute. Die Digitalisierung machte auch vor diesem traditionsreichen Ort nicht halt. 2013 war das Haus geschlossen, das Ende der 35mm Projektion wurde eingeläutet. „Nach der Umstellung auf digitale Projektion wurde das Mozartkino am 7. November 2014 mit digitaler Technik und zwei neuen Projektoren neu eröffnet.“ Diese Modernisierung habe den Fortbestand in der digitalen Ära gesichert.
Im Februar 2015 wurde im Mozartkino die Österreich-Premiere des Films Familie Trapp von Regisseur Ben Verbong in Anwesenheit der Hauptdarstellern gefeiert. „Damit begann eine neue Ära der Premieren im Mozartkino“, erinnert Krammer. Seither waren immer wieder namhafte Persönlichkeiten bei Premieren zu Gast. Darunter Josef Hader, Otto Schenk, Karl Merkatz, Hubert von Goisern, „ehemalige Bundeskanzler und Minister*innen“, Andreas Gabalier, Thomas Stipsits, Nina Proll, Caroline Peters, Erling Haaland „und Mannschaften wie EC Red Bull Salzburg und der FC Red Bull Salzburg“.
Nun also der 120. Geburtstag. Auf dem Festivalprogramm stehen 12 Filme aus 12 verschiedenen Jahrzehnten in 12 Tagen. „Damit lädt das Mozartkino zu einer cineastischen Zeitreise zurück in die Vergangenheit und durch die Geschichte des Films, von modernen Meisterwerken bis zu den frühen Klassikern.“ Begleitet wird das Filmprogramm von einer Tombola, bei der es etwa ein Jahr kostenfreien Eintritt ins Mozartkino, Übernachtungen im Romy Schneider Zimmer des Altstadthotel Kasererbraeu oder VIP-Tickets für ein Eishockeyspiel des EC Red Bulls zu gewinnen gibt, erzählt der Geschäftsführer. Aufgelegt wurde eine All-Inklusive-Jubiläumskarte zu allen Filmen des Festivals um 120 Euro.
Schwer gemacht wurde es dem Kino – dem Kino als Institution, nicht nur dem Mozartkino – ja immer wieder. Sei es durch Fernsehen, Videokassette oder DVD, durch Umstellung von 35MM auf Digital oder Covid und Streaminganbieter. „Wir sind das letzte privat geführte Kino in der Stadt Salzburg“, sagt Geschäftsführer Alexander Krammer. „Das Mozartkino ist weit mehr als ein Kino. Es ist ein Stück Salzburger Kulturgeschichte, das seit 120 Jahren Menschen zusammenführt und Emotionen auf die Leinwand bringt.“ Mit dem Festival wolle man „dieses Erbe feiern und zugleich einen Blick in die Zukunft werfen“.
120 Jahre Mozartkino – 25. November bis 6. Dezember – Jubiläumsprogramm unter www.mozartkino.at
Bilder: Mozartkino Archivbild / Fotograf unbekannt; www.mozartkino.at