FILMKRITIK / THE DRAMA

29/04/26 Ein glücklich verlobtes Paar steht kurz vor der Traumhochzeit – doch in den Tagen vor dem Ja-Wort bröckelt die Fassade. Eine unerwartete Enthüllung wirft nicht nur die Hochzeitsplanung aus der Bahn, sondern alles, was das Paar übereinander zu wissen glaubte.

Von Andreas Öttl

In Sick of Myself, dem bitterbösen Debütfilm von dem Norwegers Kristoffer Borgli, beginnt eine narzisstische junge Frau, ihren Körper mit illegalen Pillen zu zerstören, um Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu bekommen. In seinem neuen Film The Drama, produziert vom für seine abseitigen Indie-Filme bekannten New Yorker Studio A24, wird dieses Prinzip nun auf ein gesamtes Filmgenre angewandt: The Drama ist eine hippe romantische Komödie, zersetzt von Kristoffer Borglis Gift.

Die RomCom war im Kino viele Jahre lang ein verlässlicher Publikumsmagnet und ein Filmgenre, dass wie kaum ein anderes nach bewährten Mustern ablieft und Sehnsüchte erfüllte. Nun ist sie aus den Kinos beinahe verschwunden. Für die junge, medial übersättigte Generation, die in einer komplexer werdenden Welt aufwächst und vor einer unsicheren Zukunft steht, funktionieren simple Erzählungen, in denen der perfekte Traumprinz oder die Traumprinzessin für das Lebensglück sorgen, nicht mehr.

Schon die erste Szene – das scheinbar harmlose Kennenlernen von Charlie (Robert Pattinson) und Emma (Zendaya) in einem Coffee Shop – ist so inszeniert, dass sich ein gewisses Unbehagen breit macht. Vor allem der Schnitt, eine große Stärke des Films, sorgt immer wieder für Irritationen. In weiterer Folge werden die Grenzen des guten Geschmacks derart überschritten, dass nicht nur die Protagonisten und ihre Beziehung, sondern auch das Publikum auf eine Probe gestellt wird. Zentral ist hier ein Geständnis von Emma über ihre Vergangenheit, dass tief in eine Wunde der amerikanischen Gesellschaft sticht. Dies wird im Film jedoch vor allem als Plot Point verwendet, was ihm vor allem in den USA Kritik eingebracht hat.

Es hängt von der Disposition des Publikums ab, wie weit man bereit ist, das perfide Spiel des Regisseurs, die mitunter konstruiert wirkenden Situationen und die satirische Überhöhung mitzugehen. Die Darsteller beherrschen jedenfalls die gesamte Bandbreite von Komik bis Tragik und geben dem Film Vitalität. Ohne die prickelnde Besetzung mit den beiden angesagten Stars Zendaya und Robert Pattinson und deren zweifellos vorhandener gemeinsamer Chemie hätte The Drama wohl nicht den gleichen Reiz. Auch die Nebenfiguren haben teils köstliche Momente.

Der Film mag nicht so smart und subversiv sein, wie er gerne wäre, doch dem Regisseur gelingt es, das Publikum sowohl zu unterhalten als auch zu verstören und dabei unbequeme Wahrheiten über menschliche Beziehungen freizulegen. Ebenso ist The Drama als Kritik am gesellschaftlichen Druck lesbar, der dazu führt, dass jeder Mensch Rollen spielen muss, um in der Gesellschaft funktionieren zu können.

The Drama ist ein willkommen anderes Date Movie, welches das Potential hat, reale Beziehungen sowohl ins Wackeln zu bringen als auch zu reparieren. Der Film erforscht tiefste Abgründe, das versöhnliche Ende lässt aber dann doch etwas Hoffnung für die gemeinsame Zukunft der beiden Protagonisten.

„The Drama“ läuft aktuell im Cineplexx und ab 1. Mai auch im Das Kino
Bilder: Constantin Film