MOZARTEUMORCHESTER / OSCAR JOCKEL / AVI AVITAL

10/10/25 Am 24. Dezember wird Oscar Jockel dreißig Lenze jung. Als Gastdirigent am Pult des Mozarteumorchesters im Großen Saal zündete er Kompositionen in G-Dur und c-Moll. Dazu lieferte der bejubelte israelische Virtuose Avi Avital Glanzlichter auf der Mandoline.

Von Horst Reischenböck

Auf dem Programm standen Joseph Haydns Symphonie Mit dem Paukenschlag, das Konzert für Mandoline und Orchester von Johann Nepomuk Hummel, Beethovens Coriolan-Ouvertüre und die Erste Mendelssohn.

Der gebürtige Regensburger Oscar Jockel ist mit Salzburg nicht nur von seiner Ausbildung her verbunden. Hier kam 2018 seine Oper Lob des Schattens, ein Auftragswerk der Internationalen Stiftung Mozarteum, zur Aufführung. Hier wurde er 2023 mit dem Herbert-von-Karajan-Preis ausgezeichnet. Nach seinem Studium in Salzburg, Graz und Paris gewann er 2021 gleich mehrere Dirigier- und Kompositionswettbewerbe und war erster Composer in Residence des Brucknerhauses Linz. In Folge arbeitete er als Assistent von Kirill Petrenko, Simon Rattle und Esa-Pekka Salonen, sowie beim Ensemble Intercontemporain

Gleich zu Beginn des ersten Donnerstagskonzerts der neuen Spielzeit (9.10.) zündete Oscar Jockel ein Feuerwerk tönender Pointen – genau so, wie’s Joseph Haydns Symphonie G-Dur Hob I:94  schon vom Titel her angibt. Nach der Uraufführung 1792 in England wurde diese übrigens – weit sinnvoller als Mit dem Paukenschlag – als Surprise bezeichnet. Birgt sie doch mannigfache Überraschungen, die diesmal auch weidlich zum Ergötzen ins Treffen geführt wurden. Da war also nicht bloß das überrumpelnde Fortissimo, mit dem – die angeblich selig eingenickten – aristokratischen Zuhörer im Andante aus ihrem Schlummer geweckt wurden. Da war etwa auch das vom Tempo weit über ein Menuett hinausschießende Allegro molto mit weidlich ausgekosteten instrumentalen Feinheiten. Vom quirligen Finale ganz zu schweigen.

Ebenso gut gelaunt erklang Johann Nepomuk Hummels Konzert für Mandoline und Orchester G-Dur – sieben Jahre später in London vermutlich den Italiener Bartolomeo Bortolazzi geschaffen. Die Literatur bietet Mandolinen-Virtuosen nicht gerade viel Auswahlmöglichkeiten. Das dreistätzige Concerto sol maggiore a Mandolino principale, due Violini, Viola, Violoncello, Basso e Flauti e Corno, mit paarweisen Bläsern bestückt, ist nach wie vor so reizvoll wie hörenswert. Wobei derart intim zu zupfende Saiteninstrumente (besonders in der Lombardei, in Neapel und Brescia beheimatet) angesichts moderner Streichintrumente nach Verstärkung verlangen.

Nach dem zwischen Tutti und Solo fein differenziert aufgebauten und überaus graziösen Kopfsatz bot das Andante con Variazioni als Höhepunkt des Werks dem Virtuosen Avi Avital ideale Gelegenheit zur Demonstration seines technischen Könnens und gestalterischen Ausdrucksvermögen. Beinah überdreht dann das brillant Rondo, denn Hummel hat wohl bewusst keine Kadenz gegeschrieben, während Avi Avital eine eigene einfügte, die ohne thematischen Bezug zur Vorlage eher störte. Die Zugabe, der bulgarische Tanz Bulcimis, hätte gereicht. Viel zu selten erklingt die Mandoline. Wolfgang Amadé Mozart schrieb sie zur Begleitung des Ständchens im Don Giovanni vor, und Ludwig van Beethoven komponierte der jungen Josephine Gräfin Clary-Aldringen ein erst im vorigen Jahrhundert entdecktes Kleeblatt an Miniaturen für Mandoline und Fortepiano.

Mit Beethovens absolut tragischer Ouvertüre zum Trauerspiel Coriolan op. 62 setzten nach der Pause Oscar Jockel und das ihm willig folgenden Mozarteumorchester markante Akzente. Diese wurden im Anschluss daran mit Felix Mendelsohn Bartholdy noch um Grade verschärft. Mit Biss und Engagement ging’s entsprechend durch die Symphonie Nr. 1 c-moll op. 11, drei forsche Allegri, zwischen denen das liedhafte Es-Dur-Andante an zweiter Stelle kaum Gelegenheit zu gedanklichem Innehalten liefert. Rechtens einhellig bedankt.       

Bild: MOS / Harald Hoffmann; Simon Pauly