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Aus der Musik herausgerissen

TODESFALL / ARMIN KIRCHER

13/10/15 Er hinterlässt mehr als nur eine Lücke in der Kirchenmusik Salzburgs und Österreichs: Am Montag (12.10.) ist Armin Kircher, Stiftskapellmeister von St. Peter und Leiter des Kirchenmusikreferates der Erzdiözese Salzburg, einem Herzversagen erlegen. Er war erst 48 Jahre alt.

Von Reinhard Kriechbaum

Noch am Sonntag, einen Tag vor seinem Tod, hat Armin Kircher zum Abschluss der von ihm vor zehn Jahren ins Leben gerufenen Konzertreihe „Kirchenmusikalischer Herbst“ Ausschnitte aus Bachs h-Moll-Messe geleitet. „Dona nobis pacem war sein Letztes, was er dirigiert hat“, so ein Mitglied der Stiftsmusik St. Peter. „Mit übergroßem Engagement und Können hat er die Stiftsmusik St. Peter aufgebaut und geleitet und ihr einen festen Platz im kirchenmusikalischen Leben der Stadt gegeben.“

Armin Kircher war wohl ein Tag- und Nachtarbeiter, nicht nur in den letzten Jahren, als es um das Neue Gotteslob ging: „Er war die wesentliche Triebkraft hinter dem Entstehen des Österreichteils“, so Franz Karl Praßl, der Vorsitzende der Österreichischen Kirchenmusikkommission. Zahlreiche Kehrverse im Gotteslob 2013 stammen aus seiner Feder. Als Herausgeber bzw. Mitherausgeber hat Armin Kircher Gotteslob-Begleitbücher vor allem für den Österreich-Teil ediert. Das Orgelbuch, das Kantorale, die Orgelvorspiele (alle für den Österreichteil) tragen seine Handschrift.

Von ihm herausgebracht wurde auch das „Orgelbuch light“ mit leichteren dreistimmigen Orgelsätzen fürs gesamte Neue Gotteslob. In seiner Funktion als Leiter des Kirchenmusikreferats der Erzdiözese Salzburg hat er so manche praktische Handleitung für das aktuelle Gesangsbuch der katholischen Kirche erstellt.

Ellenlang ist die Liste von vorwiegend geistlichen Werken aus der Salzburger Musikgeschichte, die er in praktischen Ausgaben für den tatsächlichen Gebrauch für Chöre erschlossen hat. Beinah hundert Titel listet der Carus-Verlag auf, für den Kircher diese Knochenarbeit gemacht hat: zahlreiche Messen von Michael Haydn, dessen Responsorien für die Karwoche, die Schöpfungsmesse von Gatti, Messen und Chorwerke von Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Ernst Eberlin. Dazu kommen Stücke von so manchem Kleinmeister, nicht nur aus Barock und Klassik, sondern auch einiges aus der Zeit des Caecilianismus.

In der von ihm über zwanzig Jahre lang geleiteten Stiftskantorei St. Peter hatte der 1966 in Kufstein geborene Musiker auch den Chor zur Verfügung, um all diese Musik praktisch zu erproben. Überhaupt machte Armin Kircher über die Jahre St. Peter zu einem Hort der musikalischen Feldversuche. Er hat dafür auch Musiker auf Originalinstrumenten herangezogen – auch und gerade für den kirchenmusikalischen „Alltag“, der in St. Peter eben oft nichts Alltägliches war. Schon in seinen letzten Studienjahren am Mozarteum hat Kircher mit Freude auf den damals ganz neuen Pfeileremporen unter der Kuppel des Salzburger Domes experimentiert.

Maßgeblich war Armin Kirchers pädagogisches Wirken. Seit 1992 war er Leiter der Österreichischen Werkwoche für Kirchenmusik, die jeden Sommer in Salzburg stattfindet. Auch dafür hat Kircher eine Unzahl von Chor-Editionen zu speziellen Themenkreisen veröffentlicht (mehrheitlich im Verlag Doblinger). Ein Anliegen war ihm qualitätvolle Musik für „einfache Verhältnisse“, sagt Franz Karl Praßl. Deshalb lag ihm auch die Basis-Ausbildung (C-Kurs) am Herzen. Als Organist spielte Armin Kircher übrigens an der ältesten erhaltenen Orgel der Stadt Salzburg in der Kajetanerkirche. Er war natürlich Mitglied der Orgelkommission der Erzdiözese Salzburg.

Armin Kircher war höchst engagiert, was Berufsbild und -bedingungen der Kirchenmusiker anlangt. Als Vizepräsident der Österreichischen Kirchenmusikkommission war er auch in diesem Bereich stets in der ersten Reihe zu finden. „Ich begleite die Menschen durch Freude und Trauer, betrachte mich ein wenig als musikalischer Seelsorger“, sagte er einmal in einem Interview.

Bild: dpk-krie

 

 

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