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Die Corona-Krise und der DrehPunktKultur

27/03/20 Jetzt wäre doch auch mal die Möglichkeit, Salzburger Künstler, welche nicht immer im Rampenlicht stehen, in einem Interview vorzustellen.
Siegwulf Turek

Ja, das wäre schön, wenn man das machen könnte.
Ein Blick in unseren Newsletter zeigt Ihnen aber auch, dass uns im Moment mangels Kulturveranstaltungen die Bannerwerbung wegbricht und wir derzeit absolut nicht wissen, wie wir (über)leben können.
In so einer Lage freut man sich über solche Tipps doppelt – gerade wenn sie von einem Leser kommen, dem der tägliche DrehPunktKultur-Newsletter in den vergangenen fünf Jahren genau zwei Mal – 2015 und 2017 – je 18 Euro wert war. Bei rund 1500 Newslettern sind das genau 0,024 Euro oder 2,4 Cent pro Ausgabe.
Die Redaktion

Zur Buchbesprechung 415 Stolpersteine und ein Spuckpodest (6.3.)

12/03/20 Franz Stelzhamer war Antisemit, ebenso wie z.B. Achim von Arnim und andere prominente Mitglieder der Christlich-deutschen Tischgesellschaft (1811, Berlin), aber er war kein Nazi und man kann ihm auch keine „Nazi-Nähe“ unterstellen, denn das ist historisch gesehen gar nicht möglich, lebte er doch von 1802 bis 1874. Es wäre wünschenswert, dass sorgfältiger mit solchen pauschalierenden Zuordnungen umgegangen wird, vor allem in seriösen Medien, zu denen ja Ihr Onlinemagazin gehört.
Silvia Bengesser-Scharinger

Zur Meldung Mit Cremoneser Meistergeigen ganz intim (6.2.)

06/02/20 Mozartwettbewerb für Violine: Was für eine gute Gelegenheit junge Musikerinnen und Musiker mit den selben oder ähnlichen Werken kennen zu lernen und vergleichen zu können. Ich habe mir die erste Runde komplett, die zweite am Vormittag live und den Nachmittag im Live-Stream und natürlich das Finale im Großen Saal des Mozarteums angehört. Aber wo waren die Studenten? Keine zehn habe ich gesichtet und die wenigen wohl nur bei ihren Freunden und nicht bei deren Konkurrenz. Man könnte so viel lernen!
Die großartigen, geradezu vorbildlichen Interpretationen der Violinsonaten Mozarts von Benjamin Schmid und Ariane Haering 2006 sind mir unvergesslich. Die CD dokumentiert deren wunderbare Dialoge und lebendiges, empfindsames Musizieren. Und jetzt wählt diese Jury unter Vorsitz von Benjamin Schmid die Italienerin Clarissa Bevilacqua zur besten Mozart-Interpretin dieses Wettbewerbs. Wie ist das möglich?
Ich empfand schon in der ersten Runde Yun Tang als eine herausragende Musikerin, die Mozart, Bach, Paganini sehr lebendig und tonschön spielte, besser als alle anderen. In der zweiten Runde konnte man dann den direkten Vergleich mit Mozarts Duo für Violine und Viola KV423 verfolgen: Yun Tang mit wunderbar variablem Ton, keine Phrase beiläufig, singend, atmend, die Musik geradezu als Dialog zweier Menschen erlebt. Man höre sich den Vergleich insbesondere des Adagios an Clarissa Bevilacqua eher konventionell, ohne vergleichbares Atmen, manches eher beiläuftig. Die Unterschiede vielleicht noch deutlicher im Rondo. Bevilacqua bei weitem nicht so lebendig und differenziert wie Yun Tang. Dann konnte man von Yun Tang noch zwei sehr empfindsam interpretierte Sätze aus Dvoraks Violinkonzert hören. Ein wahrer, berührender Genuss! Im Vergleich dazu die Symphonie Espagnole von Bevilacqua vor allem mit viel Kraft und großem Ton auf dem schönen Instrument. Leider viel etudenhaftes, wenig Musik.
Und dann das große Finale! Yun Tang wieder sehr einfühlsam, gesanglich, herrliche Kadenzen und vor allem Übergänge. Der Vergleich der ersten Töne bis zum schnellen Teil, und auch dort beeindruckend. Dann die ungemein vielen unsauberen Töne bei Bevilacqua. Im Saal noch viel störender als im Live-Stream. Die Tongebung stellenweise eher für Tschaikowsky als Mozart. Der Beginn des langsamen Satzes sehr eigenwillig, für mich unpassend. Warum also bekommt Bevilacqua den Ersten, Preis, gar den Preis für die beste Mozart-Interpretation und den Publikumspreis? Es scheint mehr Mainstream, mehr optische Wirkung zu zählen als echte Musikalität. Bevilacqua mit großer Geste, das Publikum mit freundlichen Blicken einnehmend und, ja auch mit ihrer Schönheit. Yun Tang mit geschlossenen Augen, ganz auf die Musik konzentriert, wenig Kontakt mit dem Publikum suchend. Leider hat sie für das Finale das unvorteilhafteste ihrer drei Kleider gewählt. Aber wir sind doch hier bei keinem Schönheitswettbewerb sondern beim Mozartwettbewerb!
Beide Damen werden übrigens vom Jury-Mitglied Pierre Amoyal am Mozarteum unterrichtet, der Träger des dritten Preises (Lorenz Karls, noch sehr jung und m. E. von den geforderten Werken musikalisch überfordert) vom Jury-Vorsitzenden Benjamin Schmid. Der Träger des Preises für die beste Interpretation des Auftragswerkes, der Däne Adam Koch Christensen hat einen wunderbaren langsamen Satz von Beethovens Violinkonzert gespielt und wäre für mich ein Kandidat fürs Finale gewesen, ebenso wie die feinfühlige Mozart-Interpretin Kaori Furusawa aus Japan.
Ich wünsche Yun Tang, dass es ihr so ergeht wie 1999 Diana Damrau: Auch sie erhielt nur den zweiten Preis und zählt für mich zu den lebendigsten, musikalischsten Sängerinnen der Gegenwart mit einer entsprechenden Karriere.
Viktor Gartner

 

Zum Porträt Etwas wachsen lassen (4.2.)

06/02/20 Mehr als verwundert habe ich schon bei der im Beitrag beschriebenen, großartigen Doppelausstellung-Vernissage am vergangenen Freitag, wie die anderen zahlreichen Besucher/innen auch, von Dietgard Grimmer erfahren müssen, dass sie als Leiterin der Trakl-Galerie nicht nur zwei Jahre vorzeitig mit Ende Februar in Pension geschickt wird, sondern eine Ausschreibung für ihre Nachfolge erst im April erfolgen soll.
Was denn nun? Warum zum einen die vorzeitige Pensionierung einer Person, die dreieinhalb Jahrzehnte hervorragende Arbeit im Dienste der Kunst geleistet hat, und warum zum anderen dann auch noch eine verzögerte Neuausschreibung? Wird da vielleicht gar zugewartet, ob ein/e bestimmte/r Wunschkandidat/in seine/ihre Verpflichtung anderswo endlich geklärt haben mag (Es gilt die Unschuldsvermutung)? Und wo bleiben denn hier bittesehr die Medien, die doch sonst so rasch und dringlich wissen wollen, was da hinter den Kulissen eigentlich abläuft? Hat sich Frau Grimmer etwa unbotmäßig verhalten, indem sie nach drei Jahren Subventionsstillstand eine Erhöhung des Budgets wie auch nach neun Jahren jene für Ankäufe dringlich einmahnte? Ach ja, es geht ja nur um eine Landesgalerie, also um kulturell doch nicht so Bedeutendes wie ein Grabenkampf bei den Osterfestspielen. Wäre ein Herr Thielemann oder sonst jemand der ’Seitenblicke’-Promis, was Medien umgehend wahrzunehmen bereit sind, von einem solchen Rausschmiss betroffen, ja dann…
Wolfgang Danzmayr, ehem. ORF S-Kulturleiter

Zur Theaterbesprechung Tanz auf einem Fleckerlteppich (28.1.)

29/01/20 Ich war auch in dem Machwerk „Mozart Moves“ und ich habe mir zum ersten Mal überlegt, ob ich nicht auch heimgehen sollte. Ich bin glücklich geblieben zu sein, sonst hätte ich nicht das hervorragende Mozarteum-Orchester gehört.
Bei der Einführung im Pausensaal habe ich die Dame gefragt, warum man nicht einen einzigen Salzburger Schriftsteller eingeladen habe. Antwort: Sie glaubt, man habe. Auf meine Frage wen, antwortete sie: Ich glaube Elfriede Jelinek. Daraufhin ich: Frau Jelinek ist nicht Salzburgerin und einen Nobelpreisträger zu so einem Projekt ist wohl unnötig. Die Dame: Sie wird sich erkundigen! Einen Pfeifendeckel wird sie, dachte ich mir. In der Pause lief mir der Herr Intendant über den Weg, ich habe ihm die gleiche Frage gestellt. Das hätte er sich heute in der Früh beim Frühstück auch gedacht. (Einen Salzburger dazu einladen) Aaaaber die Schriftsteller hat alle Villazon ausgesucht und eingeladen. Ich nannte ihn einen Diplomaten und habe ihn daraufhin gefragt, ob Herr Villazon gedenkt, Salzburger Schriftsteller mit ins Ausland zu nehmen. Die Antwort war mühsam.
Hartmut Schmidt

Offener Brief zum Kommentar Eine Greta Thunberg der Kultur (2.1.)

14/01/20 In den Ausführungen des Kommentars „Eine Greta Thunberg der Kultur“ stellen Sie eine Analogie zwischen Alma Deutscher und Greta Thunberg her, die in mehrerer Hinsicht überrascht. Es mag sein, dass sowohl Alma Deutscher durch ihre Fähigkeit, die Menschen durch ihre Musik zu bewegen, ebenso wie Greta Thunberg, die den Mut aufbringt, Zustände zu formulieren, überdurchschnittlich medial präsent ist. Es mag auch sein, dass Alma Deutscher und Greta Thunberg Menschen aller Generationen mitreißen können und dass sie dadurch bei einigen Menschen wiederum anecken und für überschätzt gehalten werden. Sie selbst schreiben, dass Alma Deutscher zweifelsohne hochbegabt sei.
Umso unverständlicher empfinde ich es deswegen, dass Sie die Analogie so in Gedanken fortschreiben, dass Sie die meines Erachtens unangemessene Kritik, die Greta Thunberg von einigen Medien entgegenschlägt, nun selbst auch gegen Alma Deutscher richten. Warum zweifeln Sie die Möglichkeit an, dass diese junge Künstlerin eigene musikalische Ideale hat und eine selbstbestimmte Karriere machen kann? Es ist typisch, dass Greta Thunberg immer kritisiert wird, sie sei allein ein Produkt ihres Umfeldes und quasi ferngesteuert. Das werfen Sie nun auch Alma Deutscher vor. Ich habe das Gegenteil erlebt. Ja, es mag schwer vorzustellen sein, aber der Familie Deutscher gelingt es, dass Alma ein ganz normales Leben als Kind führen kann und gleichzeitig verblüffende Schritte als Künstlerin macht. So ist im Übrigen auch unser Engagement zur verstehen. Wir möchten ihr die Gelegenheit geben, sich zu entwickeln.
Sie hat sich nun mit ihrem Debüt in Salzburg beim Silvesterkonzert vorgestellt. Wir halten die Oper „Cinderella“ für interessant genug, sie hier zu spielen und wir möchten diese junge Künstlerin gerne bei ihrer nächsten Komposition begleiten: ohne den Druck, dass morgen oder übermorgen schon eine fertige Partitur daliegen muss. Darüber hinaus möchten wir Sie gerne einladen, diesen Prozess, den wir sowohl menschlich als auch künstlerisch verantwortungsbewußt führen möchten, ebenso journalistisch zu begleiten.
Carl Philip von Maldeghem, Intendant des Salzburger Landestheaters

Zur Hintergrund-Geschichte Keine Religion, wenigstens Ethik (9.1.)

09/01/20 Die Meinung der österreichischen Bischöfe zur Situation, dass sich immer mehr SchülerInnen vom konfessionellen Unterricht abmelden und diese deshalb als Alternative einen Ethikunterricht besuchen sollen, trifft nur einen Teil des Problems. Richtig ist, dass besagte SchülerInnen sich nicht zwei Freistunden "erschwindeln" können sollen, indem sie sich alternativlos vom Konfessionsunterricht abmelden. Das größere und eigentliche Problem ist, dass nicht definitiv sichergestellt werden kann, was im konfessionellen Unterricht vermittelt wird: bei fortschrittlichen LehrerInnen ist das kein Problem, diese integrieren schon seit jeher Wissen und Wissenswertes aus Psychologie, Philosophie, Biologie usw. und stellen dies zur Diskussion; das Problem entsteht bei konservativen oder gar orthodoxen Lehrkräften – egal welcher Konfession oder Religion -, welche die Religion über die Wissenschaft stellen oder selbige sogar ablehnen und die Jugendlichen entsprechend einseitig in religiösen, philosophischen und ethischen Fragen unterrichten. Um das zu verhindern, gibt es eigentlich nur eine Lösung: die Installierung eines Pflichtfaches "Ethik", und zwar für alle. Damit wäre sichergestellt, dass alle SchülerInnen mit bestimmten philosophischen und moralischen Fragestellungen und Lösungsansätzen konfrontiert würden. Der Religionsunterricht – zu dem man sich dann anmelden müsste – wäre dann das, was er durch seine spezielle Bezeichnung schon immer war: ein konfessioneller.
Christoph Janacs

Zum Kommentar Eine Greta Thunberg der Kultur (2.1.)

02/01/20 Danke für die klärenden Worte zum fundamentalistischen Vermarktungstreiben rund um Alma Deutscher. Ich lese diese als dringlich notwendigen Aufruf, ihr einfach in Ruhe die Würde eines Menschen zu lassen und sie nicht als wunderkindliche Kühlerfigur eines musikalischen Weltverschönerungsvereins zu missbrauchen. Verschönerungstendenzen sollte man meiner Meinung nach überhaupt nur den Vereinen überlassen, die Parkbänke aufstellen.
Norbert Trawöger

02/01/20 Ein BRAVO zu Ihrem Artikel über Alma Deutscher! Mit allem Respekt, das junge Mädchen kann etwas, sogar vieles... aber was das „music business“ daraus macht?! Sie sind wahrscheinlich einer der wenigen, oder überhaupt der einzige, der den Mut hat, das zu Papier zu bringen. Bravo! Und das betrifft bereits unseren gesamten Musikbetrieb...
Dieser „Musikbetrieb“ trägt auch dazu bei, dass z.B. in Österreich kein junger Pianist mehr „Karriere“ macht. Vor dreißig, vierzig Jahren war Österreich weltweit das Land der großen Pianisten. Ihnen brauche ich sie nicht aufzuzählen. Und heute? Unsere großen Pianisten wuchsen in innerer und äußerer Ruhe auf. Wie Sie schreiben, diese Ruhe sollte man Alma gewähren.
Luz Leskowitz

Zur Ausstellungsbesprechung Von betenden und sprechenden Händen (23.12.)

24/12/19 Mir ist der pastellige Jesusknabe von Dürer deswegen aufgefallen, da es eigentlich ein jugendliches Porträt von Bischof Kurt Krenn darstellt. Erstaunlich, nicht wahr?
Vielen Dank für Ihren anregenden Newsletter, frohe Festtage
Peter Briem

Zur Besprechung My Fair Lady Wannst a Masel hast... (9.12.)

09/12/19 Unsere Begegnung im Landestheater während der Pause zu May Fair Lady war ganz kurz, aber sofort habe ich mich erinnert, daß Sie vor ca. 30 Jahren (auf jeden Fall im letzten Jahrtausend) ganz am Schluß Ihrer damaligen Kritik geschrieben haben, daß es wohl nicht ganz einleuchtend ist warum Eliza zu einem solchen Grobian wie dem Mr. Higgins zurückkehren sollte. Das hatte mir damals schon sehr gefallen. Und was tut der gute Gergen? (Regisseur). Er läßt das Ganze offen. Hat mir gefallen. Und mir hat’s gefallen, daß ich in meinen grauen Zellen das wieder hervorgekramt habe. (30 Jahre! Immerhin!)
Hartmut Schmidt

Zur Adventsingen-Besprechung Die Quintessenz des Lebens (29.11.)

02/12/19 Danke für den Beitrag über die Quintessenz des Lebens. Ist einmal eine ganz andere Perspektive, wenn jemand, dem das Adventsingen so fremd ist wie nur irgendetwas, darüber rezensiert. Das muss schon harte Kost sein, ausgerechnet beim Adventsingen das Reich Gottes als ewigen Karneval zu erleben. Es tut mir leid für Sie, dass Sie sich beim Adventsingen verirrt in einem Bayrischen Weißwurschgasthof in Bangkok wiedergefunden haben. Es entbehrt jeglichen Kommentars und ich kann nur schmunzeln, wenn Sie mutmaßen, dass wir erwarten würden, dass sich unsere Gäste dem Adventsingen bedingungslos ergeben müssten. Schade, dass Sie so überhaupt gar nicht erfasst haben, was es mit dem Adventsingen auf sich hat. Wenn der Bericht als Satire gedacht war, entspricht er meines Erachtens jedenfalls auch nicht die Qualität, die einer an sich guten Kulturtageszeitung wie DrehPunktKultur würdig ist. Ich würde an Ihre Stelle das Adventsingen künftig meiden wir der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser, um eventuelle traumatische Folgen hintan zu halten.
Herzliche Grüße mit einem Augenzwinkern – Hans Köhl

Hans Köhl ist der Leiter des Salzburger Adventsingens
Die Redaktion

Offener Brief des Dachverbands Salzburger Kulturstätten an den Salzburger Bürgermeister

27/11/19 Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Die Stadt-ÖVP hat bei den Budgetverhandlungen Kürzungen im Kulturbereich vorgeschlagen und im Fall des Dachverbands Salzburger Kulturstätten in der Höhe von 9.500 Euro durchgesetzt. Da keine Begründung für diese Entscheidung vorliegt, wird dies als willkürlicher Akt empfunden. Damit sehen wir nach Jahren eines guten Klimas den konstruktiven Dialog in Frage gestellt. Aus unserer Sicht gibt es keine Notwendigkeit für Kürzungen im Bereich Kunst und Kultur. Wir weisen jeden Versuch in diese Richtung als einer Kulturstadt – als die Sie Salzburg gewiss sehen – unwürdig zurück.
Als Mitglied der größten Interessensvertretung in der Salzburger Kulturszene fordern wir Sie als verantwortliches Stadt-Oberhaupt auf, die Arbeit des engagierten Dachverbands sowie aller Kulturinitiativen und künstlerischen Aktivitäten bedarfsgerecht zu fördern und von jeglichen Kürzungen im Bereich Kunst und Kultur Abstand zu nehmen. Das ist ein falsches Signal!
Wir ersuchen Sie höflich um eine Antwort und einen offenen Dialog mit Ihrem klaren Bekenntnis zur Kulturstadt Salzburg.
71 Unterschriften von A (Alf Altendorf) bis Z (Arthur Zgubic)

 

Zur Konzertbesprechung Casanova und andere Leidenschaftler (25.11.)

27/11/19 Gerade habe ich mit Vergnügen die „Kritik“ zum Dialoge-Konzert mit Dorothee Oberlinger gelesen. Sprachlich wieder ein Genuss! Es liest sich, wie ein gutes Musikstück. Mir ist aufgefallen, dass (ganz ungewohnt) keine „spöttisch-stichligen“ Bemerkungen dabei sind... Es klang aufrichtige Bewunderung für Oberlingers Kunst durch. Der Absatz über die wenigen Noten und Diminution ist sehr informativ, den könnte man so 1 zu 1 im Musikunterricht übernehmen. Vielen Dank für diese interessante Besprechung des Konzertes. Leider bin ich nicht im Konzert gewesen, da habe ich wohl etwas verpasst.
Verena Brunner

Zur Konzertkritik Emotion gesucht! (14.11.)

15/11/19 Ich schätze Ihre Kritiken sehr – aber ich bin gestern abend im Konzert des Iceland SO gewesen und muss wohl ein anderes Orchester gehört haben als Sie am Mittwoch – das einzig langatmige war der Mozart! Im Sommer war Ihre Besprechnung der 1. Symphonie von Sibelius ebenfalls im Schatten Adornos – es hätte gestern aufgrund der grandiosen Streicherbehandlung von Sibelius und der Ausführung des Orchesters nicht lang genug sein können...
Christof Subklew

Zur Theaterbesprechung ... und die Tante ihre Zähne wetzt (8.11.)

12/11/19 Dass Peter Engel ein geradezu begnadeter Bühnenbildner ist, hat er nun bereits zum wiederholten Mal im Salzburger Landestheater bewiesen. Wie in Jim Knopf, der Kleinen Hexe und dem Pumuckl, versteht er es auch diesmal, beim Kleinen Vampir, die Charaktere in eine Szenerie scheinbarer Schlichtheit und doch so effektvoller Ausstattung einzubetten, wie es Heidemarie Klabacher überzeugend beschreibt. Wenn man geradezu sieht, wie eine Gruft stinkt, dann kann man von einem absolut stimmigen und sinnesfreudigen Bühnenbild ausgehen. Ja, das ist wahrhaftig „Peter Engels phantastische Weltsicht“!
Und weitere wunderbare Ergebnisse dieser Weltsicht kann man auch in Büchern bestaunen. Etwa in Peter Engels farbenfrohem Wimmelbuch „Das große Theater“, das die Welt vor und hinter dem Vorhang ins Bild setzt, wo die Rädchen des Theateruniversums ineinander greifen und Dramolette von epischer Größe entstehen. Oder das illustre „Salzburg Wimmelbuch“, in dem Peter Engel die Festspielstadt zur schillernden Bühne mit dem „Wolferl“ in der Hauptrolle werden lässt.
Einfach phantastisch!
Herbert Wittl

Zum Bericht Kilometer statt Zentimeter und
zur Glosse Supergau (28.10.)

28/10/19 Wortspielereien sind längst gang und gäbe und oft auch gelungen. Aber haben den hierfür verantwortlichen (!), grünen (!) LH-Stellvertreter Schellhorn alle guten Geister verlassen, für eine kulturelle Idee den Titel Supergau auch noch breit grinsend zuzulassen?! Das ist ein Schlag ins nicht mehr vorhandene Gesicht aller Supergau-Opfer à la Tschernobyl und Fukushima! Und was ist dieser Titel noch wert, wenn es in den nächsten zwei Jahren – hoffentlich nicht – zu einem nächsten Supergau irgendwo kommt? Wer für diesen unüberlegten Schwachsinn auch noch Projekte einreicht, muss sich zumindest den Vorwurf mangelnden Empathieempfindens gefallen lassen.
Wolfgang Danzmayr, ehem. ORF S-Redakteur

28/10/19 (…) Ich bin empört über das fehlende Feingefühl und die offensichtliche Unsensibilität, mit der die Organisatoren und Ideenspender die Titelwahl getroffen haben. Ein Kunst-Festival mit dem Titel Supergau ist ein Affront gegen alle Opfer und deren Verwandte von Tschernobyl, Fukushima u.a.! Diese fehlende Sensibilität spricht auch aus dem Text, der auf der Homepage des Festivals zu finden ist: „Supergau ist eine imaginäre Landschaft, eine kulturelle Ur-Landschaft. Supergau braucht keine Gebäude, keine Nostalgie und keine Tradition. Supergau ist eine Landschaft, in der Kunst neu ist und erst einen Platz finden muss, eine Landschaft, in der jeder Betrachter sein kann und niemand Experte.“
Ich protestiere – abgesehen von der Phrasenhaftigkeit des Textes und der enormen Summe von 480.000 Euro, die für das Festival geplant sind – in aller Deutlichkeit gegen den Titel Supergau und fordere Sie auf, selbigen durch einen anderen, unverfänglichen und unzweideutigen zu ersetzen!
Christoph Janacs

Zur Besprechung Abschied und Apotheose (8.10.)

09/10/19 Seit es die Sonntagsmatinee des Mozarteumorchester Salzburg gibt sind wir Stammgäste. Aus gutem Grund reisen wir aus Grünau im Almtal mindestens eine Stunde vor Konzertbeginn an. So waren wir am vergangenen Sonntag bereits um 09.45 Uhr bei der Autobahnabfahrt Liefering. Wir wussten auch von den SN über den Marathonlauf und hatten die Information, dass die Zufahrt zur Mönchsberggarage möglich ist. Dabei war, wie sich herausstellen sollte, der Faktor Zeit nicht erwähnt. Die Wirklichkeit war, dass die Anreise in gewohnter Zeit nicht möglich war. Salzburger Wirklichkeits- und Möglichkeitssinn?
Denn wir benötigten von Liefering bis zur Mönchsberggarage über eine Stunde und versäumten dadurch die Ouvertüre zu Ruslan und Ljudmila. Dank Ihrer guten Kritik haben wir jetzt einen Eindruck über diese Aufführung. Sie schreiben zu Recht:
„Zwei kürzere Werke am Anfang – das war auch insofern klug programmiert, als sich das Parkett erst danach füllte. Verhinderte der Jedermann-Lauf nicht nur zeitgerechte Einfahrt in die Parkgaragen, sondern erschwerte auch den Taxis die Zufahrt zum Großen Saal. Was wieder die Frage provoziert, ob Sportveranstaltungen immer und unbedingt im Altstadtbereich starten und enden müssen.“
Es ist uns unverständlich, dass der Magistrat Salzburg für den Marathonlauf ausgerechnet zu jener Zeit, da hunderte Konzertbesucher zur Mönchsberggarage anreisen, den Streckenverlauf auf der Neutorstraße zum Neutor bewilligen. Der unmusikalische, abgasintensive, luftverschmutzende Rückstau bis zur R.Biebl-Aiglhofstraße war und ist dadurch vorprogrammiert.
Lernfähigkeit sieht anders aus, denn nach unserer Erinnerung ist dies bereits der dritte Fall einer vermeidbare Terminkollision. Kann es sein, dass es da magistratsinterne Koordinations- und Kommunikationsdefizite gibt? Dazu kommt, dass es für die Verkehrsteilnehmer/Konzertbesucher erst kurz vor dem Neutor eine Information durch eine verständlicherweise bereits genervte Polizistin gab; da sahen wir aber schon die erschöpften Läufer in Konzertrichtung, pardon zum Neutor humpeln.
Beinahe hätten wir bei der Doppler-Klinik Abschied genommen und uns den „Apotheosestau“ nicht angetan. Denn Konzertvorbereitung sieht anders aus. Erst das wunderbare Violakonzert mit dem tröstenden Lento konnte unsere Musikergehirne von der Stauouvertüre erlösen.
Dr. Wolfgang Trautwein

Zum Kommentar Nestlé, Audi … und Gazprom (7.10.)

08/10/19 Es irrt Autor Kriechbaum, wenn er in seinem Beitrag „Nestlé, Audi … und Gazprom” die Firma Rolex mit „Weiter so!” lobt. Dass die Schweizer Handelszeitung Rolex in den Unternehmerhimmel hebt, ist verständlich. Doch ein Blick ins Netz zeigt das genaue Gegenteil. In seinem Rating der Schweizer Uhren- und Schmuckbranche vom Dezember 2018 reiht WWF das Unternehmen Rolex auf den 3.letzten Platz. Nix Umwelt, nix nachhaltig.
Die Festspiele können sich damit endgültig rühmen, nur mehr mit rundherum verwerflichen Unternehmen zusammen zu arbeiten. Mit ihren Sponsoren fördern sie das Image der Klimakiller.
Da könnte doch die öffentliche Hand ernsthaft das Festspielgesetz und die Förderung der Festspiele prüfen. Das gäbe frisches Geld für eine neue, nachhaltigere Kultur. Die Grünen dürfen über ihren Kulturenwicklungsplan, der Landeskulturbeirat über eine Stellungnahme und LH Haslauer über seine Forderung von neuen Millionen für die Festspiele nachdenken. Auch dem Kuratorium der Festspiele täte Besinnung dringend gut.
Ferdinand Altnöder

Zur Kritik Ekstase pur auf allen Tasten (22.8.)

23/08/19  Vielen Dank für ihre Worte Frau Klabacher - so treffend - dass es mich gerade wunderte gestern nur partikulär ihr Stimmungsbild zu vernehmen .. meines haben Sie zu 100% getroffen. Ich weiß nicht was besser ist. - das was ich gehört habe oder das was Sie mit Worten so treffend ausdrücken.
Danke!
Peter Illing

Zur Kritik Zarte Locken, grober Kamm (21.8.)

23/08/19 Ich glaube, Sie waren nicht im Konzert, sonst könnten Sie so nicht urteilen Auch Frau Schönherr, mit ihrem Leserbrief, sprach mir aus der Seele. Ich finde es eine Frechheit, dem Publikum jedes Musikverständnis abzusprechen. Eine Beleidigung, auch, für Helmut (nicht Ernst) Deutsch, einem der besten. Liedbegleiter. Ich würde Ihnen die Kritik in den Salzburger Nachrichten empfehlen. Eine begeisterte Konzert-Besucherin (die leider kein Musikverständnis hat)
Gudrun Timpe

"Ernst" Deutsch stand und steht nirgendwo in besagtem Text.
Die Redaktion

21/08/19 Ich bin fassungslos, wie man einen jungen, engagierten, sehr erfolgreichen, weil ausgezeichneten Sänger und seinen ebenso ausgezeichneten Begleiter, seit Jahrzehnten mit berühmten Sängern auftretend, derartig niedermachen kann. „Charmoffensive. Ganz lieb.“ Ihre Beschreibung des Sängers lässt bei mir den Eindruck entstehen, dass er lächerlich gemacht werden soll, wozu auch die Überschrift ihrer Kritik beiträgt. Ja selbst dem Publikum trauen sie keinerlei Fach Kenntnis zu (Abschluss Satz ihrer Kritik), weil es seiner Begeisterung lautstark Ausdruck gegeben hat. Dazu gehört auch, dass es mit Freuden noch den Zugaben gelauscht und mit Standing Ovation den Abend beendet hat.
Ich verfolge Mauro Peters Entwicklung seit seinem Auftreten im Rahmen des Young Singers Projekt 2012 in Salzburg, zuletzt erlebte ich seinen Liederabend mit Mozart Liedern im Mozarteum und kann nur aus voller Überzeugung sagen, er steigert sich jedes Mal. Was er gestern Abend vorgetragen hat war großartig und zeigt bereits sein großes fachliches Können und seine Ausdruckskraft. Die Wortverständlichkeit ist ebenso ausgezeichnet wie seine Atemtechnik, der Stimmklang ist in allen Lagen sowie in allen dynamischen Varianten sehr schön – gerade die Piani waren ein besonderer Genuss und emotional bewegend – und die Variabilität seiner Gestaltung ist hervorragend und mitreißend. Dass Ernst Deutsch ein kongenialer Begleiter ist steht sowieso außer Zweifel.
Ich werde diese Mail an sie auch an Mauro Peter weiterleiten und hoffe, dass er sich durch eine Kritik, wie sie von ihnen geschrieben wurde nicht weiter beeindrucken lässt. Ich denke Ernst Deutsch als renommierter Begleiter mit jahrzehntelanger Erfahrung steht sowieso darüber. Zum Glück gibt es andere Kritiker – siehe die Kritik in der SN bezgl. des gestrigen Abends – die diesem großartigen musikalischen Ereignis in fachkundig-detaillierter Weise die entsprechende Wertschätzung zukommen lassen.
Christine Schönherr, Lehrende am Carl Orff-Institut, Universität Mozarteum

 

 

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