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Zum Stich-Wort Mozart und der Aufruhr in der jungen Seele (7.6.)

08/06/18 Mit Interesse habe ich Ihren Artikel zum Ehrendoktor für Mikis Theodorakis gelesen und stimme Ihnen voll zu. Was aber mehr verwundert und was offenbar die Medienlandschaft völlig ignoriert sind gewisse Aussagen des „Geehrten“ zu „den Juden“. M.E. war die Verleihung, bei der ich anwesend war, ein Skandal. Näheres z.B. hier: http://www.taz.de/!680452/
Tobias Neubacher

Zur Reportage Einiges auf dem Buckel (6.4.)

06/04/18 Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Zwerge im Garten von Schloss Mirabell nicht im Sinne der Aufklärung in Verruf geraten. Salzburg gehörte von 1810 bis 1816 zu Bayern, und der bayerische Kronprinz Ludwig bezog im Juni 1811 das Schloss Mirabell gemeinsam mit seiner jungen Gemahlin Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen als Sommersitz. Ludwig ließ alsbald die Zwerge entfernen, weil er sich angeblich sorgte, der Anblick  der mißgestalteten kleinen Menschen aus Untersberger Marmor könnte seiner schwangeren Gattin bzw. deren noch ungeborenem Kind schaden. Aberglaube, nicht aufgeklärtes Denken oder vielleicht doch nur ein finanzieller Aspekt? Denn der Kronprinz ließ die Zwerge als potenzielle Unheilsbringer nicht zerstören, sondern verkaufen. Zum Glück, denn dadurch konnte die Stadt gut hundert Jahre später einen Teil der Zwerge wieder erwerben und auf der Bastei aufstellen. Das damals noch ungeborene Kind war übrigens der am 28. November 1811 in München geborene, spätere bayerische König Maximilian II.
Erich Marx

 

Zum Konzertbericht Voll Schwung und Elan (21.3.)

23/03/18 Ich erlaube mir, zur Rezension von Horst Reischenböck vom 21.3.18 über das Konzert der Academia Filarmónica Iberoamericana Stellung zu nehmen. Diese Besprechung steht diesem außergewöhnlichen Konzert zwar insgesamt positiv gegenüber, das Besondere des Projekts wird meiner Meinung nach aber zu wenig gewürdigt. Da ist nämlich einerseits der soziale Aspekt zu nennen: Bei dem Klangkörper handelt es sich ja um ein Orchester aus einem musikalischen Entwicklungsland, das überwiegend aus Jugendlichen unterer sozialer Schichten besteht. Zu welch herausragenden Ergebnis die Ausbildung durch die kolubinanische AMFED führt, beweist eine erzieherische Kraft klassischer Musik, die in unseren übersättigten Breiten allzuoft vergessen wird.
Zum anderen muss aber auch der künstlerischen Rang dieses Konzert genauer angesprochen werden: Was gemeinsames Fühlen und Gestalten betrifft, übertraf die Leistung der jungen Musiker sämtliche Erwartungen, die an ein Jugendorchester eigentlich gestellt werden dürften. Ein reicher Klang auch im Forte, der nie nur einfach laut, sondern immer auch erfüllt war, ließ aufhorchen. Der hohe Präzisionsgrad im Zusammenspiel ohne taktierenden Dirigenten zeigte, wie intensiv geprobt worden war und wie die Musiker mit den Innenschichten der Werke vertraut waren – ein Musterbeispiel für kammermusikalisch bestimmte Orchesterarbeit. Die unprätentiöse Art und Weise, wie die Musiker sich auf der Bühne zeigten, wirkte bei bei aller Ernsthaftigkeit des musikalischen Tuns zusätzlich zugleich sympathisch, berührend und „am Boden“. Ich war nach dem Konzert so wie viele andere Zuhörer zugleich ergriffen und euphorisiert.
Die Solistin passte in Können und Erscheinung meiner Meinung nach ideal in diesen Rahmen. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, in welcher Beziehung sie nach Ansicht des Rezensenten „in der Atemtechnik nicht ganz sattelfest" gewirkt haben soll. So etwas schreibt sich leicht hin, aber was physiologisch und gesangspraktisch damit gemeint ist, wird mir aus dieser Formulierung nicht deutlich. Ich glaube, dass eine solche Bewertung weder der Sängerin selbst nützt, noch einem Zuhörer bzw. einem im Konzert nicht anwesenden Interessierten einen objektiven Eindruck von der sängerischen Gesamleistung gibt – und das wäre von einem öffentlichen Text doch eigentlich zu fordern.
Dr. Stephan Höllwerth (Musikpädagoge, Chor- und Orchesterleiter, Autor)

 

Zum Diagonale-Bericht „ A Vagnieg'n mit'm Töten“ (13.3.)

16/03/18 Im letzten Absatz Ihres Kommentars fragen Sie, wie ein solcher Prozess heute liefe, "da eine Regierung gleich nach ihrem Einsatz für Nikotin und gegen Tempolimits auf Autobahnen die Besetzung des Verfassungsgerichtshofes und des ORF-Rates mit Burschenschaftern betreibt?"
Was hat dieser Kriegsverbrecher-Prozess in den 1960-er Jahren mit der Änderung des Gesetzes über den Nichtraucher-Schutz in der Gastronomie sowie mit Tempolimits auf Autobahnen zu tun? Ich bin auch für Nichtraucher-Schutz und gegen die Anhebung von Tempolimits, aber es ist einfach unverständlich und irritierend, einen derartigen Zusammenhang herzustellen. Mit dem Hinweis auf Burschenschafter deuten Sie Zweifel an der Unabhängigkeit der gegenwärtigen Gerichtsbarkeit in Österreich an. Ich halte solche Aussagen gegenüber der verfassungsgemäß unabhängigen Richterschaft, aber auch gegenüber der seit 3 Monaten im Amt befindlichen Bundesregierung für tendenziös und unfair.
Georg Weigl

Zur Besprechung Oh weh! Mein Mann hat sich dertränkt!

28/02/18 Letzten Montag war ich mit einer Freundin in der “Oper in der Residenz” und es hat uns sehr gut gefallen! Und ich muss sagen, trotz Ihres Berichts von vor einigen Tagen im Newsletter von Drehpunktkultur, der wirklich nicht sehr nett war. Es stimmt schon, beim Singspiel hat man nicht alles verstanden, aber ich denke, diese Aufführung hat vor allem vom Ambiente der Residenz und der Prunkräume gelebt und nicht von perfekter Musik. Ich bin kein Musikexperte, daher kann ich das nicht so genau beurteilen, da sind aber auch nicht lauter Musikexperten dabei gewesen! Muss man denn so einen „Veriss“ vorab dann veröffentlichen? Es war einfach ein schöner Abend!
Susanna Ihninger-Lehnfeld

Zur Meldung Gute Zensuren aus der freien Szene (20.12.)

30/12/17 Wenn die neue Regierung von Förderungen spricht, die als „Sprungbrett in die wirtschaftliche Unabhängigkeit“ gedacht sind, zeigt sie leider ziemlich deutlich auf, welch Geistes Kind sie ist. Unsinn ist ein noch harmloser Begriff für Meldungen dieser Art. Wirtschaftlich unabhängig mögen die einen und anderen Megaevents a la André Rieu, die Rolling Stones oder Helene Fischer sein, welche die Massen anzulocken vermögen. Ansonsten ist Kunst und Kultur nie wirtschaftlich unabhängig, kann es gar nicht sein. Und dies gilt nicht nur für die „freie Szene“, sondern sogar für alle Arten von Festspielen, Symphonieorchester oder Landestheater bis hin zu Museen.
Wolfgang Danzmayr
ehem. Musik- und Kulturleiter des ORF-S
Mitglied des Aufsichtsrats der Osterfestspiele Salzburg
Obmann des Vereins Orchesterprojekt

Das Mozarteumorchester bezieht Stellung zu einer Steuersache

12/11/17 Zur Lohnsteuerprüfung des Mozarteumorchesters Salzburg nehmen wir wie folgt Stellung:
Im Zuge der GPLA Prüfung über die Jahre 2011 bis 2015 hat der zuständige Prüfer signalisiert, die steuerfreie Behandlung der Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit sowie Nachtarbeit nicht anzuerkennen. Der zwischen dem Land Salzburg einerseits und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund, Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, Freie Berufe, Sektion Musiker abgeschlossene Kollektivvertrag sieht einen Zuschlag von 15% für die Verpflichtung zur Teilnahme an Sonn- und Feiertagsdiensten sowie für regelmäßige Nachtarbeit vor.
Wie eine Internetrecherche zu Kollektivverträgen anderer österreichischer Orchester ergab, entspricht diese Regelung den in Österreich üblichen Gepflogenheiten. Nach Meinung des Mozarteumorchesters handelt es sich dabei um Zulagen, die neben dem Grundlohn in pauschalisierter Form bezahlt werden. Eine solche Pauschalisierung ist gemäß Lohnsteuerrichtlinien zulässig.
Seitens des Finanzamts wird die im Kollektivvertrag getroffene Formulierung als „All in“-Vereinbarung gesehen, so dass mangels einer Zahlung neben dem Grundlohn keine Steuerfreiheit der Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit gegeben sei.
Da bei Orchestermusikern, insbesondere bei solchen, die in einem Orchester beschäftigt sind, das auch bei Musikproduktionen wie Opern, Operetten und Musicals an einem Theater mitwirkt, was auf das Mozarteumorchester zutrifft, ein wesentlicher Teil ihrer Arbeitszeit am Abend erbracht werden muss, wurde vom Finanzamt für Körperschaften Wien bereits Ende der 1980er-Jahre eine Vereinfachung der Nachweispflichten insofern genehmigt, als der Nachweis durch entsprechende Aufzeichnungen in den ersten Kalendermonaten die Grundlage für die steuerfreie Behandlung der Zuschläge im Kalenderjahr bildet.
Die entsprechenden Abrechnungen sind seither nach dieser Richtlinie erfolgt. Dieser Abrechnungsmodus wurde bis dato mehrfach geprüft, ist aber niemals in irgendeiner Form beanstandet worden. Für die Lohnverrechnung des Mozarteumorchesters bestand daher keine Veranlassung, von dieser Vorgehensweise, die mit dem Finanzamt akkordiert war, abzuweichen.

Sollte vom Finanzamt tatsächlich eine Nachforderung kommen, werden wir Berufung an die nächsthöhere Instanz erheben und unseren Rechtsstandpunkt darlegen.
Thomas Wolfram, Geschäftsführender Orchesterdirektor

 

Zur Theaterbesprechung Wie das Volk kurz denkt (10.11.)

12/11/17 Gleich vorweg: Die Schreiberin ist weit jenseits der 40, fühlt sich als Zielpublikum, wundert sich und hätte eine Frage an Herrn Kriechbaum. Also: Mich würde interessieren, wie die in Ihrem Alter erwarteten Mindestanforderungen an das „wirkliche“ Theater konkret ausschauen. Zugegeben: Mir hat „Abreißen“ von den Rabtaldirndln sehr gut gefallen, ich habe es keineswegs als pseudo-intellektuelle Nabelschau empfunden und war in den letzten Wochen leider oft genug auch in der Stadt Salzburg mit dem Gedankengut des imaginären Volkes konfrontiert.
Alexandra Kriechhammer

Ein verärgerter Salzburger Buchautor

06/11/17 Jeder durchschnittlich intelligente Mensch geht davon aus, dass ein Kulturportal namens „Drehpunktkultur Salzburg“ sich mit kulturellen Angelegenheiten aus Stadt und Land Salzburg befasst. Tatsächlich entspricht das genannte Portal dieser Erwartungshaltung in vielen Teilen. Und es ist ja auch logisch und konsequent, dass z.B. die „Drehpunktkultur“-Theaterkritik sich nicht mit Premieren im Wiener Burgtheater oder in den Münchner Kammerspielen befasst, sondern mit den neuesten Produktionen im Salzburger Landestheater oder im Schauspielhaus Salzburg. Ebenso werden natürlich nicht Kunstausstellungen im New Yorker Museum of Modern Art oder im Tiroler Landesmuseum besprochen, sondern Ausstellungen im Salzburger Rupertinum oder im Salzburg-Museum.
Allerdings gibt es eine bemerkenswerte künstlerische Sparte, bei der die "Drehpunktkultur"-Redaktion regelmäßig so tut, als interessiere sie sich nicht für lokale oder regionale Vorgänge. Es handelt sich hierbei um den Bereich der Literatur. Denn seit langer Zeit schütteln heimische Autoren und Literaturfreunde den Kopf darüber, dass zwar seitenlange Rezensionen zu Büchern erscheinen, die ohnehin von jeder nationalen Tageszeitung zwischen Hamburg und Bozen besprochen werden, dass aber Neuerscheinungen von Salzburger Autoren völlig ignoriert werden. Ist es z.B. wirklich notwendig, Oswald Eggers „Val di Non“ zu rezensieren, das im Suhrkamp-Verlag (!) erschien und die (für politisch hyperkorrekte Nonsensdichtung üblichen) Lobeshymnen in den großen Tagesblättern einkassierte – von der „Frankfurter Allgemeinen“ über die „Neue Zürcher“ bis zum Wiener „Standard“? Welche Leser eines Salzburger Kulturportals interessieren Bücher, zu denen man auf Knopfdruck im Internet ohnehin hunderte Einträge und Rezensionen finden kann?
Ich schickte Ihnen (als Salzburger Autor) vor vielen Monaten meinen neuen Lyrikband „Taxham Blues“. Weshalb wurde er nicht besprochen? Hätte mein Verlag (Innsalz) vielleicht besser daran getan, einen kleinen „Sponsorbeitrag“ an Ihr Portal zu überweisen? Wäre dann eine Besprechung erfolgt?
Es wäre löblich, wenn sich die „Drehpunktkultur“-Redaktion auf Ihre eigentlichen Aufgaben besinnen würde – Aufgaben, die im Bereich des Lokalen und des Regionalen liegen. Auf die Gschaftlhuberei betreffend internationale Großprojekte würden die Salzburger Leser gerne verzichten.
Dr. Dietmar Horst

Oswald Eggers „Val di Non“ haben wir nicht besprochen, weil uns von Suhrkamp „ein kleiner 'Sponsorbeitrag“' überwiesen worden wäre, sondern weil der Autor vor wenigen Tagen – in Salzburg! – den Georg-Trakl-Preis für Lyrik bekommen hat. Es ist uns freilich nur zu bewusst, dass wir bei der vielfältigen Salzburger Kultur-Produktion manches nicht so breit und umfänglich abbilden können, wie wir uns das selbst wünschten.
Im übrigen überlassen wir die Einschätzung dieses Statements und unseres Mediums den angesprochenen „durchschnittlich intelligenten“ Menschen und den vielen, vielen Leserinnen und Lesern, deren einschlägigen Pegel wir deutlich höher einschätzen. Sie bestätigen uns mit ihren Zugriffen Tag für Tag, dass DrehPunktKultur auch ohne „Taxham Blues“ ganz so falsch nicht liegt.
Heidemarie Klabacher, Reinhard Kriechbaum, Chefredaktion

Zum Kommentar Es steht viel auf dem Spiel (27.10.)

27/10/17 Mit Bedauern stellen wir fest, dass unsere künstlerische Geschäftsführerin Elisabeth Fuchs ihren Vertrag mit 31.12.2018 beendet. Ein für Anfang November terminiertes Gespräch über ihre Vorstellungen einer modifizierten Vertragsverlängerung ist damit redundant geworden.
Die bei anstehenden Vertragsverlängerungen üblicherweise geführten Gespräche über Änderungen vertraglicher Vorstellungen wird von Frau Fuchs somit nicht mehr wahrgenommen. Die Salzburger Kulturvereinigung wird die nunmehr offene Position der künstlerischen Geschäftsführung öffentlich ausschreiben.
Die Begründung für die Rücktrittsankündigung von Elisabeth Fuchs, wonach unterschiedliche Vorstellungen bezüglich Programmplanung und Schwerpunkte der Salzburger Kulturvereinigung zu dieser Entscheidung geführt haben, weisen wir zurück, da es diesbezüglich unserseits keinerlei Einflussnahme gegeben hat.
Wir bedauern das angekündigte Ausscheiden der künstlerischen Leiterin, werden uns aber mit vereinten Kräften bemühen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und unserem Publikum ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm bieten.
Präsidium der Salzburger Kulturvereinigung

Google-Werbung im DrehPunktKultur

03/10/17 Könnt ihr das eigentlich beeinflussen, welche Werbung auf eurer Seite gezeigt wird? Ich finde es sehr unangenehm, auf Strache-Werbung zu stoßen, wenn man eure Artikel lesen möchte.
Veronika Weis, Kija Salzburg

So etwas ärgert uns natürlich auch! Die Sache ist wohl so: Google AdWords arbeitet mit Algorithmen und liefert den Lesern unterschiedliche Dinge. Darauf haben wir also leider keinen Einfluss. Dass Strache nicht unser Wunschkandidat ist, erklärt sich hoffentlich aus unseren Texten … trotzdem bitten wir um Entschuldigung dafür, wenn so etwas aufscheint.
Heidemarie Klabacher, Reinhard Kriechbaum
Chefredakteure DrehPunktKultur

Zur Glosse Volksnahe (20.8.)

21/08/17 Christoph Janacs hat einen launigen Text geschrieben. Für das Lesevergnügen danke ich ihm. Inhaltlich aber liegt seinem Text eine Fehlvorstellung zugrunde: Herr Janacs scheint zu glauben, dass die Tätigkeit des Nationalratsabgeordneten einer dem wirklichen Leben möglichst weit entrückten Ausbildung bedarf, die man am besten in Parteisekretariaten, Vorfeldorganisationen und Kammern erwirbt. Diese Vorstellung passt zum traurigen Zustand des österreichischen Parlamentarismus, aber sie verkennt das Wesen der repräsentativen Demokratie.
Albrecht Haller

Zum Todesfall Peter Oswald (4.8.)

04/08/17 Es bedarf zu allen Zeiten jener Menschen, die sich im besten Sinn als Kulturmanager verstehen und sich auch derart einbringen. Peter Oswald, ein unermüdlicher Begeisterer, ein sich selbst Begeisternder für jene Neue Musik, welche nur wenige Publikumsschichten erreicht, war solch ein Entflammter, der es verstand andere dafür zu entflammen. Für mich war er nicht nur ein ORF-Kollege, sondern jemand, der sein erstes 'musikprotokoll des steirischen herbstes in der Grazer Straßenbahnremise mit einem von Peter Eötvös fulminant geleiteten Konzert beginnen ließ. Nicht von ungefähr schweifen meine Gedanken – mein Gedenken – an ihn hinüber in die Hofstallgasse, wo ein ganz ähnlicher, tatendurstiger, die Kunst welcher Epoche auch immer als Lebenselixier begreifender Geist dem Festspielgeschehen (endlich bzw. endlich wieder) seinen ureigenen Stempel zu verabreichen versteht, auch wenn Markus Hinterhäusers Ambitionen viel breiter aufgefächert sind als jene von Peter Oswald, der sich beinahe manisch ausschließlich für die ungeliebte, unerhörte Musik des 20. und 21. Jahrhunderts einsetzte.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass er mich - nachdem ich Aufnahmen eines großen Werks von Beat Furrer in einer Luzerner Kirche und eine Produktion von einigen Werken des 20. Jahrhunderts mit Peter Rundel als Dirigenten geleitet hatte – noch ein letztes Mal zu einer Produktionsleitung überredete (und das konnte er, mit Charme und der Dringlichkeit, dass nur der oder das unbedingt so sein müsste!): Das war dann im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses, die inzwischen legendäre Kairos-Produktion von Hans Zenders „Winterreise“ mit dem bestens disponierten Klangforum Wien unter der Leitung von Sylvain Cambreling und dem alle nur möglichen Stimmungsfarben mit seinem Tenor erzeugenden Christoph Prégardien – die am besten verkäufliche Aufnahme aus dem Kairos-Katalog, den Peter Oswald mit dem ihm eigenen Enthusiasmus gegründet und insgesamt 146(!) CDs mit zum Großteil „unerhörter“ Neuer Musik, zum Teil auch als DVDs, ediert hat. Das muss sich mal einer trauen auf diesem für die meisten so sperrigen Gebiet. Solche Ermöglicher und auch solchen Mut brauchen alle Kunst- und Kulturszenarien. Peter Oswald war trotz seiner leitenden Funktionen kein Beamter.
Wolfgang Danzmayr

 

Zum Nachruf Paul Angerer Aus einem langen Leben für die Musik (1.8.)

01/08/17 Auch ich trauere um meinen lieben alten Freund Paul Angerer. Ich war noch (!) Student, da durfte ich unter seiner Leitung in einem Ensemble spielen, das sein Kontrabaßkonzert (Solistin: Brigitte Hampel – nachmalig Solobaß im ORF-Symphonieorchester) im Wiener Saal aufführte. Er war immer ein sehr freundlicher (älterer) Kollege, seit einigen Jahrzehnten waren wir kollegiale Vereinsmitglieder bei der Internationalen Violagesellschaft, irgendwann in den letzten Jahren hat er mir das Du angeboten. Über diesen Ritterschlag war ich sehr erfreut. Vor einigen Jahren haben wir unsere Biographien ausgetauscht. Vor zwei Jahren habe ich ihn mit meiner Frau in Unteralb besucht wo ich in einer illustren Runde in seinem Kellergewölbe u.a. neben Achim Benning auf einer Holzbank saß und seinen köstlichen Weißwein und Schmalzbrote essen durfte. Er beklagte, dass seine Barbara nicht mehr neben ihm sein kann, aber, und das war ihm ein Trost, aber sie ruht nur wenige Schritte unter der prächtigen Linde in seinem Hof. Ich nehme an, auch er wird dort bald ruhen. Mit Christoph, seinem Sohn, hat sich eine schöne Freundschaft ergeben.
Lieber Herr Kriechbaum, es ist schön was Sie über meinen alten Freund geschrieben haben. Danke.
Hartmut Schmidt

Zur Schulreform: Die Schule neu erfinden

30/06/17 Seit Jahren beschäftigt sich die kija Salzburg mit dem Thema Schule. Seit Jahren sind vielfältige und gravierende Probleme bekannt. Wir haben in Österreich eines der teuersten Schulsysteme und eines der ineffizientesten. Laut der letzten PISA-Studie gehört in Österreich fast jede/r dritte SchülerIn zumindest in einem Testgebiet (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) zur Gruppe der RisikoschülerInnen, 13 Prozent weisen in allen drei untersuchten Bereichen schwere Mängel auf. Ein Blick auf die Bildungschancen zeigt, dass diese in Österreich noch stärker vererbt werden als im OECD-Schnitt. Eine gute Schulbildung ist hierzulande primär vom finanziellen und sozialen Status der Eltern abhängig. Obendrein produziert das Schulsystem einen gigantischen Nachhilfemarkt. Fast ein Viertel aller SchülerInnen braucht Nachhilfe.
Dem gegenüber stehen 53.000 Jugendliche, die jedes Jahr die Schule abbrechen – ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind verschwindend. Einer der vielen Gründe für Schulabbrüche heißt Mobbing und hier ist Österreich trauriger „Spitzenreiter“. Mit 21,3 Prozent ist der Anteil an Mobbingopfern im Schulumfeld fünfmal höheren als in Schweden. Obwohl ExpertInnen seit Jahren mehr Schulsozialarbeit fordern, ist diese immer noch absolute Ausnahme.
Spätestens seit den Erkenntnissen der Neurobiologie ist bekannt, dass für die Lernfreude und damit den Lernerfolg der Beziehungsfaktor ausschlaggebend ist. Damit Kinder ihre ihnen angeborene Neugierde und Gestaltungslust ausleben können, brauchen sie also Menschen, die sie für etwas begeistern und ihnen gleichzeitig das Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit geben können.
Neben dem Fachwissen müssen PädagogInnen also primär Beziehungskompetenz mitbringen. Und es braucht lernfördernde Rahmenbedingungen. Das bedeutet in erster Linie ein Plus an Zeit und Raum, also Ressourcen!
Ob mit der jüngst beschlossenen Reform – die noch dazu kostenneutral erfolgen soll – die beschriebenen Probleme gelöst werden, darf daher mehr als bezweifelt werden. Jetzt wünscht die kija Salzburg jedenfalls allen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern erstmal erholsame Ferien!
Dr. Andrea Holz-Dahrenstaedt, Kinder- und Jugendanwältin

Zum Bericht Abheben und losspielen (19.6.)

19/06/17 In Salzburg hat sich seit geraumer Zeit ein kulturell-künstlerischer Wirbelwind namens Elisabeth (Lisi) Fuchs etabliert. Die von ihr gegründete und geleitete Jugendphilharmonie Salzburg ist inzwischen als Philharmonie Salzburg nicht mehr wegzudenken wie ein auch die an sich ehrenswerte Salzburger Kulturvereinigung durchwehender frischer Wind, für den die „Powerfrau“ die Türen weit geöffnet hat. Nicht nur durch neu eingeführten Kinderkonzerte, sondern auch Schüler-Lehrlingskonzerte sowie neue Programmideen für die beliebten Konzertzyklen und die herbstlichen Kulturtage mit weltberühmten Solistinnen und Solisten hat sie der alteingesessenen Institution neues, dem 21. Jahrhundert entsprechendes Leben eingehaucht, wobei Altes nicht aufgegeben, sondern ebenso ansprechender dargeboten wird. All dies trägt die Handschrift einer sowohl künstlerisch potenten wie auch marketingmäßig höchst versierten Persönlichkeit. Und so jemanden hat Salzburgs in die Jahre gekommene Institution wahrlich gebraucht!

Das BMUK hat Lisi Fuchs vor 10 Jahren das Bundes-Ehrenzeichen zuerkannt. Hierzulande bekam sie den Irma von Troll-Borostyáni-Preis. Schön, aber nicht ausreichend!
Insbesondere die Stadt, aber auch die Kulturgremien des Landes Salzburg sollten allmählich daran denken, dieser herausragenden, künstlerisch wie organisatorisch schon vielfach verdienten Persönlichkeit einen veritablen, hoch dotierten Kunstpreis zuzuerkennen! 2018 sind es 20 Jahre seit Gründung ihrer (Jugend-)Philharmonie; 2019 ist es 10 Jahre her, dass Lisi Fuchs die Künstlerische Leitung der Salzburger Kulturvereinigung übernommen hat...
Wolfgang Danzmayr

Zur Meldung Die Leiterin listet die Plus-Seite auf (16.6.)

18/06/17 Den Medien ist zu entnehmen, dass der Abgang der Fotosammlung fotografis aus dem Museum der Moderne nach Wien bereits beschlossene Sache ist. Das ist mehr als bedauerlich.
Die Ergänzung der hauseigenen, von Otto Breicha aufgebauten Fotosammlung durch die hochkarätige Sammlung der Bank Austria im Jahr 2008 war ein Meilenstein für den Fotostandort Salzburg.
In dieser Sammlung, welche damals dem MdM als Dauerleihgabe übergeben wurde, befinden sich einzigartige Arbeiten beginnend mit den wichtigen Fotopionieren, wie etwa Henry-Fox Talbot oder Anna Atkins und Arbeiten der Fotoavantgarde, z.B. von Man Ray oder Lázló Moholy-Nagy. Leider wurden sie offenbar (leichtfertig, ohne jede Gegenwehr?) aufgegeben.
Nach meinem Kenntnisstand wird gerade, auch für die Fotosammlung des MdM, mit nicht unerheblichen Geldmitteln ein neues Sammlungsdepot gebaut. Wenn nun, wie weiter zu lesen ist, auch die umfangreiche Fotosammlung des Bundes, derzeit ebenfalls im Salzburger Museum der Moderne beheimatet, nach Wien an die Albertina gehen soll: was bleibt im Bereich der Fotografie? Die Bedeutung Salzburgs als Standort für Fotografie und deren Geschichte würde erheblich geschwächt. Umgekehrt sind beide Sammlungen ein enormer Gewinn für den zentralistischen Standort Wien. Salzburg sollte, nein muss, sich hier wehren!
Dr. Ulrike Reinert

Zur Besprechung Gutmensch und Armmensch (12.6.)

12/06/17 Über Ihre Besprechung von Kurt Weills „Silbersee“ habe ich mich sehr gefreut. Sie haben völlig recht, wenn Sie in diesem Werk eine kontinuierliche Weiterführung innerhalb des Schaffens dieses Komponisten sehen, ausgehend von den frühen Einaktern. Schön, dass das eine Musikhochschule überzeugend auf die Bühne bringt – aber warum eigentlich nicht die Berufsbühen, Landestheater etc. ? Kurt Weill ist doch kein Wagnis, oder?
Jürg Stenzl

Über die Bannerwerbung im DrehPunktKultur

29/05/17 Liebe Redaktion, bitte keine blickenden Inserate mehr, stören total beim Lesen Eurer Seiten.
Ferdinand Altnöder

Es ist uns nur zu bewusst, dass blinkende Banner für das ruhige, unaufgeregte Erscheinungsbild unseres textorientierten Mediums nicht optimal sind. Es ist freilich so: Bei dem Umfang an Besprechungen und eigenrecherchierten Texten ist die Finanzierung eines Non-profit-Unternehmens wie des DrehPunktKultur nicht möglich. Die 18 Euro, um die wir die Leser ein Mal jährlich für den Newsletter bringen, reichen da ebenso wenig aus wie die im Kulturbereich logischerweise ganz geringen Kosten für die Insertionsseiten im Kulturpanorama. Kulturinstitutionen schwimmen leider ebensowenig in Geld wie wir. Wir bitten also um Verständnis, dass Werbebanner unverzichtbar sind.
Die Redaktion

Zur Meldung vom Tod von Ferdinand Dreyer (26.5.)

27/05/17 3. Klasse Gymnasium, ein neuer Deutschlehrer und ich schreibe einen „Fleck“ nach dem anderen. Aber anstatt mir ein schlechtes Gewissen zu machen, motiviert er mich unablässig mit liebevollen Sprüchen. Meiner Mutter erklärt er, dass Schularbeiten nur eine Momentaufnahme sind und Noten nicht wirklich einem Menschen gerecht werden.
Bei der vierten Schularbeit fand ich an der Stelle, wo bereits drei Mal „Nichtgenügend“ stand, einen Smiley, die Note „Befriedigend“ und die Worte „Thomas, das hast du gut gemacht!“ Danach liebte ich das Fach Deutsch, später studierte ich sogar Germanistik.
Der zweite Berührungspunkt mit Prof. 3er ergab sich durch die Teilnahme am Freifach „Bühnenkunde“. Wir lernten mit dem berühmten Satz „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ deutlich zu artikulieren, spielten kleine Szenen und in mir wurde das Bühnen-Feuer angefacht, das bis heute nicht verloschen ist.
Prof. 3er war ein Pädagoge, ein Kulturvermittler, ein Humanist und vor allem ein sehr liebevoller Mensch. Auch nach über 40 Jahren erinnere ich mich dankbar an das, was er mir geschenkt hat, die Liebe zur Sprache, zur Bühne und zu den Menschen. Danke!
Thomas M. Schallaböck, einer von 3ers Schülern in den 1970er Jahren

 

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