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Wechselbad der Gefühle

 

REST DER WELT / GREIN / DIE VERSTELLTE GÄRTNERIN

12/08/15 Ob wohl Mozart jemals auf der Fahrt donauabwärts Schloss Greinburg wahrnahm? Dort widmet sich derzeit Intendantin Michi Gaigg erfolgreich der durch Mozart selbst autorisierten deutschen Version von „La finta giardiniera“ KV 196.

Von Horst Reischenböck

Das Glückskleeblatt ist voll: nach 1998 „Apollo et Hyacinthus“, 2005 „Zaide“ und 2012 „Betulia liberata“ nun also „Die verstellte Gärtnerin“. Deren Musik hat Mozart, nachdem sie als Auftragsoper im nicht mehr bestehenden Salvatortheater in München auf Italienisch nur dreimal gespielt worden war, zusammen mit seinem Vater Leopold durch Worte von Franz Joseph Stierle (aus der damals in Salzburg gastierenden Theatergruppe von Johann Heinrich Böhm) unterlegt. In dieser Gestalt, in der das Werk lange Zeit bekannt war, spielte man die Oper dann in Augsburg und in Frankfurt am Main. Das Original ist erst seit 1978 wieder greifbar und wurde damals bei der Mozartwoche erstmals konzertant aufgeführt.

Dank Michi Gaigg haben nun, im 21. Jahr ihres Bestehens die von ihr verantworteten Donaufestwochen nun dankenswerterweise die deutsche Fassung wieder in Erinnerung gerufen. Die durchaus ihre Meriten besitzt, etwa in Nardos Werbearie um Serpetta „Nach der welschen Art und Weise“, die mit ihrem Gemisch aus vier Fremdsprachen wesentlich amüsanter wirkt.

Absolut erlebenswert ist „Die verstellte Gärtnerin“gerade bei solch hochsommerlichen Temperaturen im prachtvollen Ambiente des Innenhofs vom Renaissanceschloss Greinburg. Klug, witzig, einfühlsam inszeniert durch Seollyeon Konwitschny (die Gattin von Peter Konwitschny), die zusammen mit Bettina Bartz die Dialoge zusammengestrichen hat und die Handlung so auf weniger als drei Stunden Dauer reduzierte.

Man spielt in der praktikablen Ausstattung von Dimana Lateva, die die wenigen Versatzstücke und Kostüme der Produktion von Silke Fischer für das Theater an der Rott (im ostbayerischen Eggenfelden) dazu adaptierte. Eine Kooperation, die diesmal auch anderweitig positiv zu Buche schlug, sind doch auch kleinere Festspiele mitunter vor Unwägbarkeiten nicht gefeit. So konnte Bonko Karadjov, der schon in Rott den Grafen Belfiore verkörperte, kurzfristig auch hier stimmlich viril wie komödiantisch im Spiel dessen Partie übernehmen. Auch Stefan Zenkl litt zur Premiere am Samstag (8.7.) unter Indisposition: er agierte zwar als Nardo auf der Bühne, seine Arien sangen aber hinter dem Orchester die Tenöre Mahdi Niakan und Virgil Hartinger. Sofern letzterer nicht als Amtshauptmann auf dem Podium vonnöten war, als der er, einmal abgesehen von seinen vokalem Meriten, auch sein selten so zu erleben humorvoll schauspielerisches Talent ausleben durfte.

Das Sopran-Quartett an Damen unterschied sich dazu entsprechend facettenreich. Allen voran Gabriele Hierdeis, die die „Tauben“-Kavatine der Sandrina berührend intim gestaltete. Dieses Stück des 19jährigen Mozart ist ein Wunder an Empfindsamkeit, das wie eine Vorläuferin der Barbarina im „Figaro“ anmutet. Spitz-“bübisch“ kokett intrigiert Angelika Niakans Serpetta, Hanna Herfurtner münzte Armindas Groll um die entgangene Gelegenheit Braut des Grafen zu werden, in wohldosierte Unnahbarkeit um. Diese Sängerin war auch schon bei den Salzburger Festspielen, 2011 sang sie eine der Dienerinnen in Richard Strauss „Die Frau ohne Schatten“ bei den Salzburger Festspielen. Maria Weiss wiederum verzweifelte ausdrucksstark in der Hosenrolle des verschmähten Ritter Ramiro.

Dies alles war wieder musikalisch sehr straff gebündelt durch Michi Gaiggs beschwörende Hände als Dirigentin des ihr willig folgenden L'Orfeo Barockorchesters, in das nicht zuletzt die Inventionshörner nachhaltige Klänge mischten. Das Hinfahren lohnt sich!

Weitere Aufführungen am 14., 15. und 16. August – www.donau-festwochen.at
Bilder: Donaufestwochen / Reinhard Winkler

 

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