FESTSPIELE / DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN

30/07/25 Die Marionette und ihr Spieler geigen, was das Zeug hält. Sie musizieren exakt im Rhythmus der Geigenstimme, die Isabelle Faust vor der Bühne virtuos in den Raum fegt. Strawinskys Geschichte vom Soldaten im Salzburger Marionettentheater in der Ausstattung von Georg Baselitz ist ein Wurf in der Szene und in der Musik.

Von Heidemarie Klabacher

Der Trommer trommelt. Der Geiger geigt. Der Trompeter trompetet. Aber die Musiker, die da auf der Bühne miteinander swingen, performen und sich ins Zeug legen wie im Jazzclub – diese Erzmusikanten sind Marionetten. Igor Strawinskys Musik spielt ein handverlesenes Solistenensemble um die Geigerin Isabelle Faust. Dominique Horwitz als rhythmisch quasi mit-musizierender Sprecher gibt jeder Figur in der archaischen Geschichte von Charles Ferdinand Ramuz in der deutschen Nachdichtung von Hans Reinhart Profil und Charakter.

Im Marionettentheater feierte am Dienstag (29.7.) Die Geschichte vom Soldaten von Igor Strawinsky bejubelte Premiere. Die Entwürfe zu den vielgliedrigen, vielfach beweglichen, geradezu lebendigen Puppen schuf niemand geringerer als Georg Baselitz. Von ihm sind auch die so delikaten wie sprechenden Hintergrundbilder – feinste Zeichnungen, Understatement auf Leintüchern.

Das Marionettentheater wird womöglich einen eigenen Safe-Room brauchen – wer hat schon Ausstattungsstücke von einem der größten Künstler der Gegenwartskunst im Fundus. Die Original-Entwürfe für die Marionetten von Georg Baselitz, der bei der Premiere persönlich anwesend war, sind dieser Tage im Foyer im Haus für Mozart ausgestellt. Die Aufführung ist eine Koproduktion der Festspiele mit dem Marionettentheater und der Galerie Thaddaeus Ropac.

Die auf der Bühne agierenden Puppen schuf Leonhard Winkler als ausführender Bildhauer und Figurenbauer. Sie schauen aus, wie von geschickten Kindergartenkindern aus Klopapier-Rollen gefertigt. Sie lassen im Einsatz jeden Tänzer steif ausschauen. Diese komplexen Puppen brauchen jeweils zwei Spieler. Edouard Funck und Ursula Winzer brillieren mit dem geigenspielenden Soldaten, der sich vom Teufel sein Instrument abluchsen lässt. Die Figur des Soldaten gibt es zweimal, einmal mit Geige in der Hand. Bei den rhythmisch meist raffinierten Geigensoli tritt die Puppe zusammen ihrem Spieler auf die Bühne: Gemeinsam geigen sie nicht nur, was das Zeug hält, sondern – hölzerne Bogenhand locker im Gelenk und Spiccato inklusive – musizieren sie exakt im Rhythmus der Geigenstimme, die Isabelle Faust vor der Bühne virtuos in den Raum fegt.

Gleiches gilt für die, von Regisseur Matthias Bundschuh dazu erfundenen, leitmotivischen Figuren des kleines Trompeters und des großen Trommlers, die mit Reinhold Friedrich (Kornett) und Raymond Curfs (Schlagwerk) an musikantischer Präzsion mithalten. Philippe Brunner und Eva Wiener führen die besonders aufwändige Figur des Teufels mit seinem feingliedrigen langen Schwanz. Diese puppenspielerischen Bravourstücke werden noch übertroffen von Vladimir Fediakov und Maximilian Kiener-Laubenbacher, die mit der zunächst gemütskranken und vom Soldaten geheilten Prinzessin einen ausgewachsenen Breakdance hinlegen. Man ist verzaubert. Betört. Trotz der dramatischen Geschichte, in der ja leider der Teufel gewinnt, wirkt alles so leicht...

Die Geschichte vom Soldaten – Aufführungen im Marionettentheater bis 3. August  – www.salzburgerfestspiele.at
Bilder: Salzburger Marionettentheater / Bernhard Müller