MOZARTWOCHE / WIENER PHILHARMONIKER / FISCHER / LEVIT
01/02/26 Die Wiener Philharmoniker, diesmal unter der Leitung von Adam Fischer, gaben am Samstag (31.1.) ihr drittes gefeiertes Konzert bei der Mozartwoche. Als Klaviersolist bejubelt wurde Igor Levit.
Von Gottfried Franz Kasparek
Das Orchester versteht es mittlerweile, mit historischen Wissen, aber nicht ihre eigenen Meriten verleugnend zu musizieren. So entsteht ein ebenso fein differenzierter wie gefühlvoller, mitunter durchaus geschärfter Wiener Klassik-Klang, traditionell geerdet, aber neu fokussiert. Zumal wenn ein Maestro wie Adam Fischer am Pult steht, nein, springt und tanzt. Unglaublich, mit wie viel innerem Feuer und Agilität der 77jährige aktiv ist.
Schon in der ersten Mozart-Symphonie – KV 16 – gibt Fischer dem Londoner Stück des achtjährigen Mozart impulsive Energie. Man weiß mittlerweile, dass dahinter nicht nur Johann Christian Bach, sondern auch der zu Unrecht vernachlässigte Carl Friedrich Abel steht: Wolfgang Amadé hat eben in dieser Zeit eine Symphonie des aus Köthen stammenden Gambisten und Londoner „Geschäftspartners“ Bachs komplett zu Lehrzwecken abgeschrieben, sodass sie als KV 18 lange als Werk Mozarts galt. Nicht nur, weil sie perfekt kopiert ist, sondern schon auch, weil sie so gut komponiert ist. Allerdings verfügte der Knabe über eine melodische Phantasie, welche die Vorbilder so nicht hatten.
Igor Levit spielte dann bester Laune und in bestem Einverständnis mit dem Dirigenten und dem aufmerksamen Orchester das Klavierkonzert C-Dur KV 467. Zwischen den recht schnell absolvierten, aber mit glasklarer Brillanz gestalteten Ecksätzen war das berühmte Andante ein unprätentiöser, traumhaft schöner Beweis für die frühe Romantik in Mozarts Wiener Schaffen. Man dachte ein wenig an Friedrich Gulda, doch auch an den allzu früh verstorbenen Dinu Lipatti, dessen exquisite Kadenzen und Eingänge Igor Levit sich zu eigen gemacht hat. Für den nicht enden wollenden Applaus bedankte sich der Pianist mit einer kurzen, atmosphärischen Zugabe aus Robert Schumanns Kinderszenen.
Danach gab es noch eine „erste Londoner Symphonie“, nämlich die von Joseph Haydn in D-Dur The Miracle. Im deutschen Programmhefttext ist zwar von der Freundschaft Haydns mit Mozart und von der „strengen thematisch-motivischen Arbeit“ des älteren Kollegen und Vorbilds die Rede, aber kein Wort über dessen geist- und humorvolle Überraschungskunst zu lesen – im englischen Beitrag eher. Das Mirakel dieser Symphonie ist nicht der angeblich bei der Uraufführung herabgestürzte, aber kein Unheil anrichtende Kronleuchter, sondern eben Haydns singuläre Fähigkeit, Ernst und Heiterkeit grandios zu verbinden. Das Hauptmotiv des Allegro nach der langsamen Einleitung zum Kopfsatz ist zum Beispiel ein direkt anspringendes Motiv von Hitparaden-verdächtiger Qualität. Die listige Dramaturgie der Generalpausen ist erfrischend.
„Vater Haydn“ war anders als Mozart, aber ebenso ein musikalischer Visionär – und landete als Symphoniker absolut auf dem selben Gipfel. Adam Fischer kennt seinen Haydn wie seine Westentasche und sorgte mit dem prächtig mitgehenden Orchester für eine mitreißende Wiedergabe.Natürlich ist Mozarts symphonisches Vermächtnis, insbesondere die „Jupitersymphonie“, ebenfalls auf dem Olymp der Musikgeschichte anzusiedeln. Adam Fischer zeigte auch hier seine Kompetenz und gestalterische Kraft. Das Fugen-Rondo-Wunder des Finales riss einen fast vom Stuhl. Die herrlich warmen philharmonischen Hörner und sonstigen Bläser glänzten. Und vorher, im Andante, hatten die Streicher und Streicherinnen so leuchtend weich und dennoch ohne zu viel Romantisierung gespielt, dass einem einfach das Herz aufging.
Übrigens haben „die Wiener“, generell stark verjüngt, immerhin schon 21 weibliche Mitglieder, von denen etliche am Werk waren. Mann und Frau traten der Raumgröße entsprechend besetzt, aber nicht überbesetzt auf.
Bilder : ISM / Wolfgang Lienbacher