CD-KRITIK / CLARISSA BEVILACQUA

03/03/26 Als Vierzehnjährige durfte sie als bis dato Jüngste auf Instrumenten der Stradivari-Sammlung im Geigenmuseum in Cremona spielen. 2020, mit achtzehn, gewann Clarissa Bevilacqua den Internationalen Mozart-Wettbewerb in Salzburg. Dieser Tage erschien ihre erste CD.

Von Horst Reischenböck

Eigenen Worten nach habe sie mit Wolfgang Amadé die längste Zeit nichts am Hut gehabt. Und auch MOZARTIANA, Titel der Debüt-CD, sollte nicht irreleiten. Er erfüllt nämlich keine etwaigen Erwartungen. Und doch: Alle acht Kompositionen, die die US-Amerikanerin im Vorjahr in München aufgenommen hat, haben alle mit Mozart zu tun. Sie regen zum Nachdenken an und bieten andere Blickwinkel.

Vollmundig wird auf dem Booklet alles als „world premiere recordings“ angekündigt. Das stimmt so allerdings nicht ganz. Die B-Dur-Sonate op. 7 von Franz Xaver Mozart legte bereits 1994 Rainer Schmidt aus Reihen des Hagen Quartetts mit der Pianistin Saiko Sasaki auf dem Schweizer Label DIVOX vor.

Zum Vergleich bieten Clarissa Bevilacqua und Martina Consonni am Flügel die ungekürzte Version an (Rainer Schmidt befolgte nicht alle Wiederholungszeichen). Nach dieser zwanzigminütigen Einstimmung driftet die Geigerin in andere Richtung ab, zu Paul Hindemith. Er hat die eigentlich dankbare, trotzdem viel zu selten gespielten Solo-Sonate op. 31/2 mit fünf virtuosen Variationen über Wolfgangs bekanntes Lied Sehnsucht nach dem Frühling („Komm, lieber Mai“) KV 596 abgeschlossen.

Dann geht’s in neueste, dennoch klanglich absolut nicht verstörende Gefilde. Sophia Jani aus Landsberg inspirierten zwei Takte der e-moll-Sonate KV 304 zu einer fünfminütigen Cadenza über glitzernden Klavierkaskaden. Im Anschluss daran erinnert Belilacqua, wieder im Alleingang, ans damalige Pflichtstück des Mozart-Wettbewerbs, in dem der 1991 in Passau geborene Florian Willeitners Motive aus dem Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur KV 216 als To be or not to be! in Flageolett-Höhen und weitere Spitzfindigkeiten hinein bemühte. Interessant, ein solches Wettbewerbs-Stück nachzuhören. Es wird kaum noch einmal so perfekt geboten werden.

Nach Beethovens spitzfingrig huldigend am Flügel angestimmtem Variationenfolge über die Figaro-Arie Se vuol ballare WoO 40 folgt Alfred Schnittkes humorvoll als „lose Seiten aus einer fast verlorenen Partitur, von seiner eigenen Hand im Februar 1783“ untertitelte Moz-Art. Dafür hat der damals, 1976, im Westen noch so gut wie unbekannte Russe das Fragment der Faschings-Pantomime KV 416d mit Witz hübsch schräg aufgegipfelt. Larissa Clidlinsky assistiert da als geigende Partnerin.

Zuletzt noch zwei Auftrags-Werke komponierender Cellisten: In einer Rapsodia und einer karikierend fetzigen Fuga folgt Jorge Andres Bosso in Ascoltate, dei della vendetta der Rache-Arie der Königin der Nacht. Giovanni Sollima beschwört mit Trazom – wie Wolfgang seinen Namen ironisch verkehrt herum aufzuzäumen beliebte – nochmals den Genius. In Summe so animiert, belebend und erfrischend ein bereichernder Genuss!

MOZARTIANA. Werke von Jorge A. Basso, Ludwig van Beethoven, Paul Hindemith, Sophia Jani,Franz Xaver Mozart, Alfred Schnittke, Goivanni Solima & Florian Willeitner. Clarissa Bevilacqua & Larissa Cladlinsky (Violine), Martina Consonni (Klavier). EDEL CLASSICS CD 03043448C – www.clarissabevilacqua.com
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