FRAUENSTIMMEN / SILVESTERKONZERT

29/12/25 Diesmal zwei Komponistinnen – Florence Price und Josephine Weinlich – im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker unter Yannick Nézet-Séguin. Auch in Salzburg kann man Walzerseligkeit von Frauenhand zu hören, nicht nur in der Silvestergala des Landestheaters. Die Maria-Anna-Mozart Gesellschaft beendet ihren Jubiläumszyklus Frauenstimmen heuer mit einem Silvesterkonzert der Komponistinnen.

Von Reinhard Kriechbaum

In diesem Konzert am 31. Dezember um 17 Uhr im Kapitelsaal stecken die Recherche der Wiener Cellistin, Komponistin und Arrangeurin Ursula Erhart-Schwertmann sowie die Dramaturgie von Irene Suchy dahinter, die moderieren wird.

Es gab ja nicht nur Lanner und die vielen Sträusse. Im unterhaltungssüchtigen Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren auch Frauen erfolgreiche Unternehmerinnen, Kapellmeisterinnen, Komponistinnen, Leiterinnen von großen und kleinen Ensembles, die durch ganz Europa tourten. Josephine Weinlich-Amann (1848–1887), Pianistin, Dirigentin und Komponistin, gründete Ende der 1860er Jahre in Wien das „Erste Europäische Damenorchester“, mit dem sie große Tourneen durch ganz Europa und die USA unternahm.

„Das Publikum wollte neue Tanzmusik: Polkas, Quadrillen und Walzer. Alle möglichen 'Gastspielstätten' – Bierhallen, Tanzcafés, Freilichtbühnen – sicherten den Orchestern Engagements und Auftritte zu. Verlage stritten sich um die Noten. Dies ermöglichte es dem 40-köpfigen Europäischen Damenorchester von Josephine Weinlich-Amann, neben dem Strauss-Orchester zu existieren“, erklären die Programmgestalterinnen.

Ein paar weitere Namen: Hedwig Malfatti (1826–1889) war die Tochter des Beethoven-Arztes Malfatti. Auch Leopoldine Blahetka (1809–1885) war ein Klavierwunderkind und wurde von Beethoven gefördert, einem Freund ihres Vaters. Gisela Frankl, 1860 geboren, war eine der ersten Schülerinnen, die von der vierklassigen „Höheren Bildungsschule für Mädchen“ profitierte, die 1871 vom Wiener Frauenarbeitsverein gegründet wurde. Sie selbst gründete eine Musikschule. Ihre erste bedeutende Veröffentlichung war die 1881 Kronprinz Rudolf gewidmete „Hochzeits-Hymne“.

Henriette Fahrbach (1851–1923), Mitglied einer prominenten Wiener Musikerfamilie, war Komponistin, Dirigentin und Besitzerin eines Kaffeehauses. Ihre Widmungen einiger Kompositionen lassen ein Netzwerk von Komponistinnen erkennen. Mathilde Kralik von Meyerswalden (1857–1944) studierte in derselben Klasse wie Gustav Mahler und Hans Rott am Wiener Konservatorium, außerdem nahm sie Privatunterricht bei Anton Bruckner.

Camilla Frydan (1897–1949) war Sopranistin, Texterin und Komponistin. Sie komponierte Operetten und Lieder für das Wiener Kabarett. Sie überlebte die NS-Verfolgung, indem sie nach New York ins Exil ging und dort ihre Arbeit als Verlegerin fortsetzte. Teresa Carreño (1853–1917), Wunderkind mit strategisch geplanter Promi-Karriere, konnte von Venezuela aus eine Weltkarriere als Pianistin und Komponistin starten.

Aber nicht nur Dreivierteltakt hört man in diesem Konzert: „Es gibt eine wunderbare Sammlung von Ragtime-Kompositionen für Klavier, die von Frauen komponiert wurden“, wissen die Programmgestalterinnen. „Diese Werke finden jedoch tendenziell weniger Beachtung als die bekannteren Ragtime-Kompositionen des männlichen Komponisten Scott Joplin.“ Fast neunhundert Ragtime-Stücke seien bekannt, die „überwiegend von weißen Frauen komponiert“ wurden. Gypsy Countess Verona (1887–1937) war ein Ausnahmetalent, geboren in Ungarn und aufgewachsen in Cleveland, Ohio. Sie stammte aus der Gruppe der ungarisch-slowakischen Roma-Gemeinschaft in Amerika und trat vor Königshäusern und Würdenträgern auf der ganzen Welt auf.

Ursula Erhart-Schwertmann hat die meisten Stücke für diese Konzertfolge bearbeitet. Ihre Arrangements machen dieses Konzert, das in teilweise gleicher Besetzung im Jänner 2025 auch in Wien als Neujahrskonzert der Komponistinnen zu hören war, erst möglich. Die Recherche brachte ja überwiegend nur Klaviernoten ans Licht.

Silvesterkonzert der Komponistinnen am 31. Dezember 2025, 17 Uhr, Salzburg, Kapitelsaal (Kapitelplatz 6) – www.maria-anna-mozart.at
Bilder: Wikimedia (3); scholarsarchive.byu.edu (1)