HINTERGRUND / PAPST / MOZART-GEIGE

02/09/26 Die Stiftung Mozarteum hat eine neue Berührungsreliquie! Erfolgsmeldung nämlich von der Italien-Tournee des Pre-College Ensemble Bella Musica und seinem Auftreten im Vatikan: Der Papst war da und hat die Costa-Geige, die einst Mozart gehörte, selbst in die Hände genommen.

Von Reinhard Kriechbaum

Das Wort Berührungsreliquie muss man vielleicht erklären. Es gibt ja viel mehr Reliquien als all die Heiligen jemals Knochen hatten. Die Echtheit ist kein Kriterium, oft reichte es, wenn ein Knochen mit dem anderen in Berührung gebracht wurde – dann also spricht man von Berührungsreliquie. Im Fall vom Mozarts Violine ist die Echtheit keine Frage, sie gehörte ihm, erhat sie also nicht nur berührt, sondern auf ihr gespielt. Und nun hat sie also auch Papst Leo XIV. angegriffen. Künftig am besten noch eine Schicht Panzerglas drüber in Mozarts Geburtshaus.

Linus Klumpner, Direktor der Mozart-Museen, sieht die Konzerte in Rom mit zwei authentischen Mozart-Instrumenen (der Costa-Geige und der Kindergeige) in einem besonderen Kontext: „Als Wolfgang Amadé Mozart im Jahr 1770 Rom besuchte, geschah dies im Lichte einer Reise, die für seine Karriere und Entwicklung maßgeblich waren. Aus dem Wunderkind wurde ein vielbeachteter Komponist, dem höchste Ehren zukamen. Dass wir 256 Jahre später mit einem Besuch im Vatikan auf den Spuren dieser bewegenden Geschichte wandeln, würdigen wir mit dem Spiel zweier Originalinstrumente des Komponisten, die nur in besonderen Ausnahmefällen Mozarts Geburtshaus verlassen.“

Als Leopold Mozart im Jahr 1769 mit seinem Sohn Wolfgang Amadé die erste große Reise nach Italien (Dezember 1769 bis März 1771) antrat, hatte der gefeierte Musikpädagoge ein klares Bild vor Augen: Aus dem Wunderkind sollte ein etablierter Komponist werden.

Für Wolfgang Amadé eröffnete sich in Italien ein neuer Horizont, Rom beeindruckte den gerade erst Vierzehnjährigen. Er schrieb am 14. April 1770 aus der Ewigen Stadt an seine Schwester Maria Anna: „ich hab die ehr gehabt den hl: petrus seinen fus zu sanctpietro zu küssen, und weil ich das unglück habe so klein zu seÿn, so hat man mich dan als den nehmlichen alten fechsen Wolfgang Mozart hinauf gehebt.“

Dass die Reise der Mozarts von den Gazetten begleitet wurde, löste einen regelrechten Hype um das junge Genie aus, das nicht nur in den Akademien von Verona und Bologna aufgenommen, sondern sogar als Ritter vom Orden des Goldenen Sporn von Papst Clemens XIV. gewürdigt wurde. So klingt das in einem Brief Leopolds nach Hause: „wir sollen morgen eine Neuigkeit erfahren, die, wenn sie wahr ist euch in Verwunderung setzen wird. Es soll nämlich der Cardinal Pallavicini ordre haben vom Pabst dem Wolfg: ein ordenskreutz und Diploma zu überreichen. sage noch nicht vieles davon: ist es wahr? – – so schreib ich dir es komenden Samstag. da wir letzlich beÿm Cardinal waren, sagte er etlich mahl zum Wolfg: Signore Cavaliere, wir glaubten es wärs spaß. nun höre, daß es wahr seÿ, und das er morgen uns desswegen eingeladen.“

Am Ende der ersten Italienreise Mozarts stand ein phänomenaler Erfolg: Drei Opernaufträge mit dem Mailänder Hoftheater (Teatro Regio Ducale) kamen zustande, Mitridate, re di Ponto (Uraufführung 1770), Ascanio in Alba (Uraufführung (1771) und Lucio Silla (Uraufführung 1772).

Bild: ISM (1); Vatican Media (1)
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