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Gefühlsvulkan

HINTERGRUND / FESTSPIELE / KÁT'A KABANOVÁ

05/08/22 Nach Offenbachs Orphée aux enfers 2019 war für Regisseur Barrie Kosky klar, dass seine nächste Arbeit bei den Festspielen einen Kontrast dazu darstellen sollte. Geworden ist es Káťa Kabanová von Leoš Janáček.

„Dieses Stück stand schon immer auf meiner Wunschliste, ich kann mich erinnern, dass ich damals sehr von der Klangwelt, der Figur der Káťa und der Geschichte berührt war“, erzählt Kosky, der die Káťa als erste Janáček-Oper überhaupt im Alter von 15 Jahren erstmals gesehen hat. Besonders fasziniere ihn die auf neunzig Minuten komprimierte Konzentration: „In wenigen Takten kann Janáček einen atemberaubenden Kosmos erschaffen, schon einige wenige Noten sagen alles“. Außerdem faszinieren ihn der Charakter der Káťa, die Titelfigur nennt er einen „Gefühlsvulkan“, und „Janáčeks besonderes Gespür dafür, auch die anderen Figuren zu charakterisieren“.
Schnell sei in den Gesprächen mit Markus Hinterhäuser klargeworden, dass die Felsenreitschule die als ideale Spielstätte für dieser Oper ist. Für das klaustrophobische, bedrohliche Element, das dem Stück innewohne, sei die Felswand geradezu prädestiniert. „Es entsteht eine Metapher für das Dorf und die Provinz, in der die Handlung spielt. Der Inhalt kommt hier besonders gut zum Ausdruck“, erklärt Kosky. Er habe den Ort der Handlung bewusst nicht in Osteuropa angesiedelt, „es soll ein Stück über uns alle sein“.

Jakub Hrůša ist der musikalische Leiter von Káťa Kabanová. Über seinen Gburtsort Brno, an dem die meisten von Janáčeks Opern uraufgeführt wurden, sagt der Dirigent: „Ja, es gibt so etwas wie eine besondere Brünner Tradition, das Verständnis für Janáčeks Musik ist dort hoch und ständig präsent. Das heißt aber nicht, dass man das Stück an anderen Orten weniger versteht“. Für ihn sei Janáček in allen Werken ein „Dramatiker“ gewesen, „die Oper war für ihn die beste Form, sich auszudrücken“. In seinen Werken seien Emotionen vorherrschend, die den Fluss abbilden. „Seine Musik wirkt manchmal skizzenhaft, ist aber unglaublich gut antizipiert und mit schnellem Gestus komponiert – das macht sie so frisch“.

Als Beispiel für musikalische Illustration nennt Jakub Hrůša den Chor. Dieser repräsentiert in Káťa Kabanová die „Kraft der Natur als Urelement, die auf ambivalente Art gleichzeitig beruhigen und beunruhigen kann, in diesem Fall das Wasser der Wolga“. Ein besonderer Effekt werde dadurch erzielt, dass der Chor aus einem anderen Raum heraus singe. Für das Orchester sei es wichtig, in Janáčeks Musik besonders transparent zu sein, eine routinierte Spielweise funktioniere hier nicht. Das findet auch Barrie Kosky, wenn er sagt: „Die Musik ist wie mit einem feinen Pinselstrich gemalt.“ Ihm als Regisseur komme außerdem Janáčeks dramaturgische Denkweise zugute: „Er hatte die Fähigkeit, das gesamte Stück vor seinem inneren Auge zu sehen, bevor er die Komposition aufgeschrieben hat. Er war ein echter Theatermann – ein Geschenk für Regisseure“. (SFS)

Premiere von Káťa Kabanová.ist am 7. August um 20 Uhr in der Felsenreitschule - www.salzburgerfestspiele.at
Bild: SF / Birgit Probst

 

 

 

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