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Das Ich und die innere Stimme

CD-KRITIK / ULRIKE HOFBAUER / MONODIEN

03/03/15 Keck schleudert die Sopranistin Ulrike Hofbauer Ton-Kaskaden nach oben, zu einem Passacaglia-Thema, das federnd hüpft, vor Leben pulsiert. Wie passt das zu einem Text, in dem die zurückgewiesene Geliebte erklärt, sie sei im Begriff, aus dem Leben zu gehen?

Von Reinhard Kriechbaum

Ulrike Hofbauer ist seit Herbst vergangenen Jahres Professorin für Gesang am Institut für Alte Musik der Universität Mozarteum. „Dialoghi a voce sola“ betitelt sie ihre CD mit einer beispielhaft vielfarbigen Folge von monodischen Kompositionen. In jedem dieser Stücke schwingt ein Subtext mit. Es artikulieren sich innere Stimmen, mahnend oder herausfordernd, oder es taucht gar ein Alter ego auf, das mit der singenden Protagonistin in eine heftige Diskussion eintritt.

Um den Dialog im Inneren geht es also. Salopp gesagt: ums Bauchgefühl, das gar nicht selten den noch so wohl artikulierten Poesien der jeweiligen Protagonistin Fußangeln stellt. Das Motto der CD ist einem Stück von Barbara Strozzi entliehen, die in „Timore che sarà“ die Hoffnung und die Furcht einer frisch Verliebten (oder einer Braut gar?) miteinander diskutieren lässt und dies als „Dialogo à voce sola“ bezeichnet.

Hier beschreibt Girolamo Frescobaldi die Gedanken eines Lovers, die er einem Liebesbrief mitgibt, dort hadert die (oder der?) sitzen Gelassene mit seinen Augen, die angesichts des Liebesfrusts wohl bis auf weiteres nichts Erfreuliches zu Schauen finden werden. Dass die Seele immer wieder unmittelbarer Ansprechpartner ist bei Tort in der Liebe, verwundert keineswegs.

Dankbare imaginäre Theaterszenen hat Ulrike Hofbauer da nebeneinander gestellt, und sie erklärt dazu auch die spezielle Herausforderung bei der Gestaltung: Jeder dieser Gesänge sei natürlich an ein hörendes Gegenüber gerichtet – und doch solle herauskommen, dass es um innerste Regungen geht. Eine Ausnahme: Giacomo Carissimis „Ferma, lascia, ch’io parli“, die wahrhaft theatralische Brandrede der zum Tod verurteilten schottischen Königin an ihre wenigen Vertrauten, bevor sie sich an den Henker direkt wendet und ihm entgegen schleudert, dass er sie niemals so quälen werde, wie sie aus sich heraus leide.

Kleine Lehrstücke musikdramatischen Gestaltens. Ulrike Hofbauer geht mit dieser Musik stilistisch souverän um. Bewundernswert die ausgefeilte Technik, mit der sie feinste Verzierungen wundersam geschmeidig und artikulationsgenau in den Dienst des Ausdrucks zwingt. Das Ensemble &cetera – Marie Bournisien (Harfe), Julian Behr (Chitarrone) und Brigitte Gasser (Lirone oder Sopran-Gambe) – ist stets im Wortsinn sprungbereit, um die Emotionen auszureizen oder im Bedarf auch zu bändigen. Diese Instrumentalgruppe spielt zwischen den Monodien außerdem Instrumentalstücke vorwiegend von weniger bekannten Komponisten, natürlich ebenfalls aus den ersten Jahrzehnten des Settecento. Damals suchte man auch den Instrumentalstücken so viel rhetorischen Ausdruck wie nur möglich zu geben.

Dialoghi a voce sola. Italienische Musik des 17. Jahrhunderts. Ulrike Hofbauer (Sopran), Ensemble &cetera. edition raumklang, RK 3306 – www.raumklang.de; www.ulrikehofbauer.com

 

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