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Passion und Feinfühligkeit

CAMERATA / PIOTR ANDERSZEWSKI

24/11/15 Pjotr Anderszewski mit Haydns wahrscheinlich bekanntestem Klavierkonzert, jenem in D-Dur Hob. XVIII:11. Da könnte man salopp sagen, er ist einer, der in diesem Stückl alle Stückln spielt, und das nicht nur im Finalsatz, dem prägnanten Rondo all'Ungarese...

Von Reinhard Kriechbaum

Wie der Pianist mit polnischen und ungarischen Wurzeln gleich zum Einstieg die arpeggierten Akkorde und kleinen Schnörksel des Themas hinaus schnellt, als Auftakt zu einer vom Orchester dankbar aufgegriffenen, regsamen, mutigen, im Einzelnen erstaunlich erfinderischen Kommunikation! Das war ein Divertissement sondergleichen und man durfte immer wieder staunen, was an listigen Formulierungen zutage trat. Es sind ja sonst nicht gerade die Klavierkonzerte, für die Josef Haydn als origineller Komponist geschätzt wird.

Piotr Anderszewski und die Camerata haben im jüngsten Abonnementkonzert dieses Werk in beinah Beethoven'sche Nähe gerückt. Was der Pianist in der Kadenz zum ersten Satz hören ließ, hat noch ein gutes Stück weiter gereicht. Erstaunlich, was so ein Haydn-Konzert verkraftet – das war eine schöne Abrundung eines Programms, das mit der Symphonie „La Passione“ (einer aus Haydns Sturm-und-Drang-Phase) begonnen hatte. Nach längerer Zeit war die langjährige Konzertmeisterin Natalie Chee wieder ans Erste Pult des in kleiner Besetzung musizierenden Orchesters zurückgekehrt. Große Vertrautheit und kammermusikalische Motivation prägte den Abend.

Zum großzügig und temperamentvoll kolorierten Haydn-Konzert war Mozarts A-Dur-Konzert KV 414 ein denkbar großer Kontrast. Das gerät ja nicht selten zur Schlafnummer, wurde aber von Anderszewski und der Camerata aufs Wundersamste gerade in seiner Lyrik ausgehorcht – so, dass man hellwach zu folgen bereit war. Ganz zurückhaltend, aber nachhaltig brachte sich der Pianist ein, etwa indem er im ersten Satz auf einen im besten Sinn voluminösen Anschlag setzte, was nicht zwangsläufig Lautstärke bedeutete. Was ihm im Finalsatz an ganz kleinen agogischen Varianten eingefallen ist, war so pikant wie uneitel.

Ein zeitgenössisches Werk gab es auch, „Fenster“ von Gerald Resch. Das ist ein fein-sinniges Stück Kammermusik für neun Violinen, drei Bratschen, zwei Violoncelli und Kontrabass. Eine jede Stimme ist eigens notiert, es fehlt nicht an Rhythmisch Kniffligem. Das Wesentliche ist dann doch die Poesie. „Fenster“ sei in dem Sinn zu verstehen, dass man durch sie hinausschauen, aber auch in ein Gebäude hinein sehen kann.

Bild: www.anderszewski.net
Zur Besprechung des Klavierabends bei der Stiftung Klavierkultur

 

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