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Elegance und Charme

FESTSPIELE / CAPUCON, LEVIT

04/08/21 Eine Art Geburtstagsfest für die achtzigjährige Martha Argerich hätte es werden sollen. Sie im Duo mit dem 45jährigen Geiger Renaud Capucon, das war schon im Vorjahr eine spannende Generationen-Begegnung. Statt der Erkrankten war am Dienstag (3.8.) im Haus für Mozart Igor Levit zur Stelle. Der ist mit 34 im Vergleich zur Argerich ein rechter Jungspund.

Von Reinhard Kriechbaum

Anstatt Generationen-Dialog also eine andere Art von Begegnung: Renaud Capucon ist ja allgegenwärtig an Pulten internationaler Kammermusik-Gruppierungen der unterschiedlichsten Besetzungen. Igor Levit ist ein eher unbeschriebenes Blatt, was diesen Zweig der Musikausübung anlangt. Er ist im allgemeinen als Solo-Bergsteiger an der dünnen pianistischen Höhenluft unterwegs.

Beide einen aber sehr „joviale“ Züge. Levit ist alleweil in der Lage und war in dieser Duo-Konstellation auch stets gewillt, sich als Solist in all seinen Eigenwilligkeiten (die seine Interpretationen eigentlich ausmachen) zurück zu nehmen. Dann zieht er sich zurück in eine Art Blutgruppe-Null-Position und liefert seinen Part weniger spritzig als locker-perlend ab. Glasklar singend mit meist nur angetipptem Pedal. Da brauchte sich der Geiger also nicht zu verleugnen. Renaud Capucons Stärke ist der stabil-unbeirrbare, fast immer charmant-süßliche Geigenton in wirklich allen Lebens-, Tonhöhen- und Virtuosen-Lagen.

Was also Schuberts Sonate („Duo“) Nr. 4 A-Dur D 574, die A-Dur-Sonate op. 100 von Brahms und Beethovens Kreutzersonate an diesem Abend einte, war also ein Hang zum genussvoll konsumierbaren Glanz, zur Elegance. Das sicherte den beiden Musikern schließlich die (derzeit allabendlich obligaten) Standing ovations, der Musik freilich nicht jene Reibungswärme, die man sich auch hätte wünschen mögen. Freilich ging's in den Ecksätzen der Kreutzersonate forsch voran (da hat Levit seinen Kollegen recht vor sich hergetrieben). Die wuchernde Schlingpflanzen-Melodik bei Brahms schien irgendwie beiden suspekt. Die Gestaltung blieb glitschig.

Übertragung am 24. August um 19.30 Uhr in Ö1
Am 10. August schart Renaud Capucon eine Freundeschar um sich und spielt im Großen Saal des Mozarteums eine Kammer-Fassung von Bruckners Siebenter Symphonie – www.salzburgerfestspiele.at
Bild: Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

 

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