MOZART-MATINEE / MOZARTEUMORCHESTER / MARCON
27/07/26 Was kann es Schöneres geben, als vormittags Musik von Mozart lauschen zu dürfen? Barock-Künstler Andrea Marcon als Dirigent und Geigerin Isabella Faust gestalteten im Großen Saal des Mozarteums eine Sternstunde.
Von Horst Reischenböck
Nach der Ouverture Spirituelle war es der eigentliche Festspielbeginn, ganz wie in den Anfängen, an die sich freilich kaum jemand mehr erinnern dürfte: Damals fand lediglich ein Kleeblatt an Konzerten von Mitgliedern des Orchesters der Wiener Staatsoper und des damaligen Mozarteum-Orchesters statt, ausnahmslos mit Werken Mozarts...
Der aus Treviso gebürtige Andrea Marcon, der bei Jordi Savall und Ton Koopman studiert hat, arbeitete schon verschiedentlich mit Salzburgs Orchestern zusammen. Für die erste Mozart-Matinnee wählte er zwei Sinfonien, mit denen Wolfgang Maßstäbliches geschaffen Von der Besetzung her nahezu identisch dimensioniert, fast kammermusikalisch besetzt – die Symphonie B-Dur KV 319 und die Symphonie A-Dur KV 201 „umrahmten“ das Konzert für Violine und Orchester A-Dur KV 219.
23 Streicher und je ein paar Oboen und Hörner in dem B-Dur-Werk zu Anfang (als Sinfonia di Wolfgango Amadeo Mozart Salisburgo li 9 di guglio 1779, in ihrer Erstausgabe als Op: VII bezeichnet). Er werde, wie er dem Vater schrieb, das Werk „dem fürst von fürstenberg (in Donaueschingen) dediciren“. Inklusive dem Tanzsatz an dritter Stelle wiegten sich die Ausführenden schon locker, spritzig in den aimierenden 3/4-Takt des eröffnenden Allegro assai. In dem erneut jenes das berühmte Viertonmotiv durchscheint, das Mozart seit seinem sinfonischen Erstling über die Credo Messe KV 192 bis ins Finale der Jupiter-Sinfonie hinein verfolgte und beschäftigte. Ein fröhlich aufgeräumter Beginn, wie im vorliegenden Fall dazu angetan, freudige Stimmung zu vermitteln.
Gefolgt vom letzten der schon 1775 fünf geschaffenen Violinkonzerte. Die aus Esslingen gebürtige Solistin Isabelle Faust setzte als gleichsam prima inter pares vom ersten Auftakt an zu Beginn auf ihrer Dornröschen-Stradivari zusammen mit dem Tutti ein, um sich nach der inne-haltenden Kantilene bar jeglichen Vibratos der von ihr geforderten Kantilene klar und tonschön zu ergeben.
Genauso sang sie das Adagio von KV 219 differenziert aus und widmete sich gleichermaßen vehement wie virtuos dem alla turca-Einschub inmitten des abschließenden Menuetts (im Programmheft als nicht von Kriegszeiten her retrospektiv osmanisch, sondern eher ungarisch beeinflusst eingestuft). Nicht strapaziert die col legno-Effekte in den Bässen!
Zu recht ging’s vom Programm her dann zeitlich ausklingend noch weiter zurück. Mozarts Gegenstück zu seiner frühen aufmupfend „kleinen“ g-Moll-Sinfonie, die Symphonie A-Dur KV 201 fächerten Marcon und das ihm willig im selben Geist folgende und blendend disponierte Mozarteumorchester beschwingt und enthusiastisch auf. Herz, was wolltest du mehr? Beglückend und entsprechend begeistert bejubelt! Ein Festspielauftakt, wie er nicht schöner, besser, positiver gewünscht werden hätte mögen.