FESTSPIELE / GABETTA, BEZUIDENHOUT
27/08/26 Die Cellistin Sol Gabetta und der Pianist Kristian Bezuidenhout gaben einen umjubelten Duo-Abend mit einem durch und durch romantischen Programm – Schumann, Mendelssohn, Brahms. Das Haus für Mozart ist für diffizile Kammermusik freilich nur bedingt geeignet. In der 13. Reihe war alles gut abgemischt vernehmbar, aber aus weiterer Ferne dem Vernehmen nach nicht.
Von Gottfried Franz Kasparek
Der Hammerflügel-Virtuose Bezuidenhout ist immer wieder für Überraschungen gut. Auf Mozart am Steinway jüngst bei der Mozart-Matinee folgte nun Musik aus der Zeit des Übergangs vom alten zum neuen Hammerflügel (das moderne Pianoforte ist ja ebenfalls ein technisch weiter entwickeltes Fortepiano) auf einem großen, wunderschönen Blüthner-Klavier, das exakt in die Zeit um 1860 passt und nicht zu leise für den Raum ist. Das edle Instrument musste in der Pause nachgestimmt werden.
Davor gab es den ersten Höhepunkt des Konzerte, die zwischen 1862 und 1865 entstandene Klaviersonate Nr. 1 e-Moll op. 38 des noch jungen Johannes Brahms, die dennoch bereits alle harmonischen Meriten der Reifezeit enthält, aber auch das Studium der Kunst der Fuge verrät. Sol Gabetta verströmte am Cello die eigenartige, herbe Schönheit und Schwermut dieser Klänge mit Hingabe und herrlich warm timbriertem Klang, ehe sie sich im Finalsatz der klassisch geschulten, meisterhaften Verbindung von Sonatensatz und Fuge hingab. Der Pianist war ihr dabei ein aufmerksamer, sensibel reagierender und klar akzentuierender Partner. Die Balance zwischen beiden stimmte, zumindest in der 13. Reihe.
Begonnen hatte das Konzert gehaltvoll mit den drei poetischen Miniaturen der Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann. Die Brücke zu Brahms bildete Felix Mendelssohn. Wird es jetzt Mode, dessen zweiten, durchaus bewusst geführten Zunamen Bartholdy zu verschweigen? Es fehlten auch Angaben zur Bearbeitung der Klavier-Lieder ohne Worte op. 19/1 und 6. Sie dürfte von Alfredo Piatti stammen. Jedenfalls wurde das sinnlich perlende Venezianische Gondellied zum Ereignis – wie auch das emphatische, für die wohl erste Starcellistin der Geschichte, Lise Cristiani (1825 - 1853) komponierte, originale Cello-Lied ohne Worte op. 109. Sol Gabetta hat der allzu früh verstorbenen Vorgängerin ein ganzes Album gewidmet.
Nach der Pause gab es zunächst zwei Lieder im Volkston von Brahms, Feldeinsamkeit und Wie Melodien zieht es mir durch den Sinn, arrangiert von wem auch immer. In diesem Fall kann das Cello mehr oder weniger die Gesangstimme übernehmen und Sol Gabetta sang betörend. Sie ruhte übrigens selten in sich, sondern erlebte die Musik auch sichtbar körperlich. Und alle Achtung – nach dem performativen Auftritt mit Patricia Kopatchinskaja und „Band“ am Vortag wirkte sie bestens ausgeruht. Im A-Dur-Intermezzo aus op. 118 übernimmt die Cellostimme den elegischen Diskant des Klaviers, wodurch sie zur Melodiestimme wird und das Alterswerk einen komplett anderen, liedhaften Charakter bekommt.
Am Ende des offiziellen Programms stand Mendelssohn Bartholdys Cellosonate Nr, 2 D-Dur op. 58, ein Werk voll vitalen Energien, brillanter Rasanz und eingängiger Melodik, unterbrochen allerdings durch ein choralartiges, bewegendes Adagio, in dem das Cello am Ende gleichsam auf einem Ton nachsinnend stehenbleibt. Auch hier war das Zusammenspiel von Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout beglückend natürlich. Der „Hammerflügler“ kann auch, mmer mit einer gewissen Diskretion garniert, die überschäumende Romantik sehr gut, nicht nur die verinnerlichte. Die angesagten Zugaben waren Alexander Glasunows glänzende Bearbeitung von Chopins e-Moll-Etüde und ein verzaubernd Lied, welches klar machte, das dass ohne Franz Schubert seine Nachfolger nicht denkbar wären.