MOZARTWOCHE / CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE / CAPUCON
26/01/26 Wie für den Großen Saal komponiert: Mit einem besonders „mozartischen“ Abend betörte das Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung des Geigers Renaud Capuçon – zusammen mit der Geigerin Clara-Jumi Kang und dem Bratschisten Paul Zientara.
Von Heidemarie Klabacher
Mit der Figaro-Ouvertüre in einer besonders angriffigen und pfiffigen Lesart wurden die Herzen des Publikums gleich einmal im Sturm erobert. Die Bläser ließen bereits hier aufhorchen und Vorfreude auf weiteren Wumm steigen.
Das Concertone C-Dur für 2 Violinen und Orchester KV 19 war dann in Wirklichkeit ein Trippelkonzert, in dem sich zu den beiden Soloviolinen von Renaud Capuçon und Clara-Jumi Kang der Oboist des Chamber Orchestra of Europa als dritter – und gleichgestellter – Solist gesellte. Überhaupt waren dem Oboisten Sébastien Giot an diesem Abend zahllose wunderbare Klangmomente zu danken.
Nicht weniger freilich, allen weiteren Holz- und Blechbläsern in den weiteren Werken. Auch dem Cello kommen im Concertone wichtige solistische und das musikalische Geschehen immer neu antreibende Augenblicke zu. Das besondere dieser Wiedergabe war das hervorragende Mit- und In-Einander von Solisten und Orchester. Die Soloinstrumte strahlten „naturgemäß“ immer wieder heraus, aber es war eben immer ein Heraus- und nicht ein Überstrahlen.
Ähnliches gilt für das immer wieder verzaubernde Rondo C-Dur für Violine und Orchester KV 373. Hier ließ Renaud Capuçon seinen so brillanten wie geschmeidigen Geigenton tatsächlich solo erstrahlen. Die raffiniert aufgebauten dramatischen Crescendi wurden besonders von den Hörnern mit Wumm vorangetrieben. Alle diese reizvollen Kontraste vereinigten sich mit dem delikaten Solo immer wieder im gemeinsamen Fluß. Einfach nur traumhaft schön die Solistenkadenz.
War dieses vergleichsweise „kleine“ Rondo der Höhepunkt des Abends am Sonntag (25.1.) oder doch die Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester KV 364. Der dunkel-samtige Ton von Paul Zientaras Landolfi-Bratsche aus dem Jahr 1757 war nun das reizvolle Gegenstück zum Strahleklang von Renaud Capuçons Guaneri-Violine aus dem Jahr 1737.
Auch hier wieder glichen sich die Register und Klangfarben auf staunenswerte Weise einander an und verschmolzen ebenfalls immer wieder fast amalgamhaft mit dem Orchesterklang. Schöner homogener, transparenter in der Phrasierung und lebendiger in der Gesamtwirkung kann man sich die legendäre Sinfonia concertante nicht wünschen.
Feierlich aufstrahlend und viel-versprechend die große Orchereinleitung, wendig die Dialoge und Trialoge im ersten Satz. Kostbare Minuten, in denen die Zeit zum Stillstand gekommen ist, das wundersam traurige und doch so trostvolle c-Moll Andante. Ein frecher munterer Kehraus das rasante PingPong zwischen Solisten und Orchester im finalen Presto. – Eine fein glitzernde Sternstunde.