STICH-WORT

24/06/26 Genehmigungen der Altstadtkommission sind in diesem Fall wohl nicht notwendig, und wie auch: Sollte irgendein vernünftiger Mensch etwas gegen Grün und Schatten haben in Tagen, wenn die Quecksilbersäule auf die Vierzig zustrebt? Seit einer Woche gibt es auf dem Kapitelplatz eine „Stadtoase“.

Von Reinhard Kriechbaum

„Eine Oase (von altgriechisch ὄασις óasis 'bewohnter Ort; aus dem Ägyptischen, altägyptisch 'Kochkessel') ist ein Vegetationsfleck in einer Wüste, üblicherweise an einer Quelle, Wasserstelle, einem Wadi oder am Ende eines von Menschen ausgeschachteten Qanats gelegen.“ So weit Wikipedia.

Einen solchen Vegetationsfleck in der derzeit kochkesselheißen Barockwüstenei hat das Stadtgartenamt an einem prominenten Salzburger Wadi eingerichtet: an der Kapitelschwemme. Hier und an der Südwand des Domes hat man im Rahmen des Stadtoasen-Projekts, das der Stadt heuer 80.000 Euro wert ist, zwanzig runde Pflanztröge und eben so viele Sitzbänke aufgestellt. Drei Sonnensegel wurden ebenfalls gespannt.

Es wird ja immer von Salzburg als „Rom nördlich der Alpen“ schwadronniert, und jetzt fühlen wir uns also endlich so richtig südländisch: Der Blick durch Palmenblätter auf die Festung oder in die andere Richtung auf die Domtürme – das hat uns noch gefehlt! „Die erste Bilanz fällt äußerst positiv aus: Die neu geschaffenen Aufenthaltsbereiche werden von Salzburgerinnen und Salzburgern sowie von Gästen der Stadt intensiv genutzt“, vermeldet das InfoZ. Tatsächlich von Einheimischen auch? Die verirren sich ausgerechnet in diesen vorverlegten Hundstagen auf den Kapitelplatz? Es muss an der völlig neuen Palmen-Perspektive liegen. Ein anderer Grund fällt uns nicht ein.

Der Blick auf die Kapitelschwemme (1732) leidet schon etwas, aber das werden höchstens eingefleischte, unverbesserliche Liebhaber von Barockarchitektur bedauern. Immerhin eine von Franz Anton Danreiter erdachte Anlage, mit einem auf einem Meeresross mit Fischschwanz stehenden Neptun/Poseidon von Josef Anton Pfaffinger. Den Meeresgott werden die Palmen, auch wenn sie in Töpfen wurzeln, gewiss gefallen. Er geht ja in Mittelmeergefilden um, der Anblick ist ihm vertraut. Stil-Puristen könnten sich an der vegetabilen Stadtmöblierung schon stören.

Unterhalb der Hufe des Meeresrosses „tritt das Quellwasser hervor, das sich in einer breiten Kaskade ins Becken hinab ergießt“, lesen wir in einer Beschreibung auf Salzburg WIKI. Das passt wieder gut zum Wadi, „zeitweilig (periodisch) bis extrem selten (episodisch) wasserführend“. Unser Wadi wird im Winter trockengelegt, aber da werden wohl auch die Palmen-Tröge ins Glashaus wandern. Oder ist es eher ein Qanat, wohin das Wasser durch Kanäle geleitet wird? Es kommt aus dem Almkanal, vermuten wir.

Wir sind schon gespannt auf die nächsten Stadtoasen. Für das nächste Jahr sind dafür 60.000 Euro budgetiert. Es dürften also um ein Viertel kleinere Töpfe werden, für welches Wadi auch immer man sich entscheidet.

Bilder: Stadt Salzburg / Alexander Killer