KOMMENTAR
Von Reinhard Kriechbaum
03/02/26 Statt der Verkündigung des Namens für die Leitung des Schauspiels bei den Festspielen also wieder mal Querelen. Das Kuratorium hat eine Ausschreibung des Jobs angeordnet, Intendant Markus Hinterhäuser hat das zur Kenntnis genommen, aber sich offenbar doch ganz selbständig umgeschaut nach einer potentiellen Kandidatin.
Eigenartige Situation jetzt: Gerüchteweise hat Hinterhäusers Wunschkandidatin, die Ex-Burgtheater-Chefin Karin Bergmann, die beste Aussicht, Schauspielchefin zu werden. Jene 23 Kandidaten, die sich auf die Ausschreibung hin beworben haben und von denen auch einige zu einem Hearing geladen wurden, wären dann die Angeschmierten. Das wirft kein gutes Bild auf die Festspiele – und die für heute Dienstag (3.2.) einberaumte Sondersitzung des Kuratoriums kann lustig werden...
Das bekannte Problem: Die Leiterin bzw. der Leiter des Schauspiels bei den Festspielen ist eben nicht Mitglied des Direktoriums. „Leiter der Kostümwerkstatt“, „Leiter der Statisterie“, „Leiter des Schauspiels“ – all diese Jobs darf der Intendant besetzen, ohne groß herumzufragen. Insofern tut Hinterhäuser nichts Unrechtes.
Seine Entscheidungen für die Schauspielleitung waren freilich seit je her problematisch. Schon die 2017 ins Team geholte Bettina Hering war letztlich eine No-name-Wahl (sie hat ihre Sache dann bis 2023 ordentlich gemacht). Hinterhäusers Votum für Marina Davydova (2024) war schlicht eine Fehlentscheidung. Man kann also durchaus den Entschluss des Kuratoriums – immerhin Aufsichtsgremium der Festspiele – verstehen, Vorgaben zu machen und eine Ausschreibung anzuordnen.
Aber was jetzt? Nun hat Hinterhäuser offenbar mit Karin Bergmann eine ernsthafte Kandidatin bei der Hand. Man muss über zwei Jahrzehnte zurückgehen, dass solche Theater-Kaliber zu den Festspielen fanden: Jürgen Flimm war von 2002 bis 2004 Schauspiel-Leiter, nach ihm für zwei Jahre Martin Kušej. Anfang der 1990er Jahre war Peter Stein da, nach ihm Ivan Nagel und danach Frank Baumbauer.
Wenn das Kuratorium klug ist, nimmt es diesmal Hinterhäuser den Alleingang nicht krumm. Wir kennen die Namen jener nicht, die sich beworben haben. Aber es ist fraglich, ob jemand mit annähernd so großer Erfahrung darunter war, wie sie Karin Bergmann ins Treffen führen kann. Von 2014 bis 2019 hat sie das Burgtheater nach der Ära von Matthias Hartmann in ruhige Gewässer geführt (und schon in der zeit von Nikolaus Bachler war sie am Burgtheater stellvertretende Direktorin). Ein ordentliches Schauspielkonzept für die nächsten Festspielsommer ist dieser „Theaterfachfrau“ (© Wikipedia) jederzeit zuzutrauen.
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