FESTSPIELE / KURATORIUM
04/02/26 Die Aussage von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler nach der kurzfristig einberufenen Festspiel-Kuratoriumssitzung in Sachen Schauspielleitung war klar und eindeutig: Man zeige dem Intendanten die „Gelbe Karte“.
Von Reinhard Kriechbaum
Das Direktorium der Festspiele, also auch Markus Hinterhäuser selbst, hat an diesem Treffen der fünf Kuratoriumsmitglieder (Vertretern der Subventionsgeber) nicht teilgenommen. Man weilt gerade in Frankfurt und stellt dort der wichtigen deutschen Festspiel-Kundschaft das diesjährige Programm vor.
Markus Hinterhäuser wird sich, so hieß es nach der Sitzung, bei der nächsten regulären Zusammenkunft am 26. Februar vor dem Kuratorium – quasi dem Aufsichtsrat der Festspiele – erklären müssen: Warum favorisiert er als Intendant Karin Bergmann als künftige Leiterin des Schauspiels, obwohl sie sich nicht schriftlich beworben hat und sie daher auch nicht bei jenen fünf Kandidatinnen und Kandidaten war, die zu einem Hearing geladen waren?
Das Kuratorium hatte anderes vorgesehen: Nach den Querelen um den fristlosen Hinausschmiss der Schauspiel-Leiterin Marina Davydova vor genau einem Jahr hat man auf die Ausschreibung gedrängt, der Transparenz wegen. Eine Ausschreibung müsste für einen solchen Job nicht sein und hat es auch noch nie gegeben. Aber sowohl die Entscheidung für Marina Davydova als auch ihre Entlassung waren eben keine Meisterleistung des Intendanten. Das Kuratorium hatte gute Gründe, ihm ins Lenkrad zu greifen.
Dass es nun so aussieht, als habe Markus Hinterhäuser das Kuratorium austricksen und die Stelle der Schauspiel-Leiterin, so wie bisher üblich, im Alleingang besetzen wollen, macht kein gutes Bild. Es hat die Kuratoren ganz offensichtlich gegen ihn aufgebracht. Keine netten Worte für den Intendanten waren zu hören nach der immerhin dreistündigen Sitzung am Dienstag (3.2.) Abend. In drei Stunden können fünf Leute über vieles reden – dem Vernehmen auch darüber, ob man mit Hinterhäuser überhaupt noch zusammenarbeiten werde können und wollen.
Markus Hinterhäusers Vertrag wurde im April 2024 (noch mit Wilfried Haslauer im Kuratorium) bis 2031 verlängert. Hauptargument war die Kontinuität angesichts der großen Restaurier- und Bauvorhaben. Eine beidseitige Ausstiegsmöglichkeit 2029 ist festgeschrieben. Das wären dann dreizehn statt fünfzehn Festspielsommer unter Hinterhäusers Leitung. So nicht eine sofortige Vertragsauflösung dräut, müssen er und das Kuratorium es zumindest noch vier Festspielsaisonen miteinander aushalten.
„Die Transparenz und den vertrauensvollen Umgang hat es nicht gegeben“, so die Landeshauptfrau und turnusmäßige Kuratoriumschefin Karoline Edtstadler gegenüber der APA nach der gestrigen Sitzung. Hoher Erklärungs- und Moderationsbedarf von Hinterhäusers Seite also bei der Sitzung in drei Wochen. (dpk-krie)
Bilder: dpk-krie
Zur Glosse Viele Sympathien verspielt
Zum Kommentar Ein Hearing und ein Alleingang