KOMMENTAR
Von Reinhard Kriechbaum
16/01/26 Die Kunstmesse Art&Antique in den Prunkräumen der Residenz zählt Pi mal Daumen doppelt so viele Besucher wie die Osterfestspiele. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt zwischen 14.000 und 15.000 Gäste. Das wirkt sich auf die Umwegrentabilität aus, denn diese Besucher sind keine Billig-Klientel.
Art&Antique ist seit fünf Jahrzehnten ein fixer Bestandteil im Salzburger Kulturkalender. Die weitgehend gemeinsame Geschichte mit den Osterfestspielen resultiert aus der Zeit der Wirtschaftswunder-Goldgräberjahre. Karajan zu Ostern wurde als eine Art Statussymbol gehandelt, und die kaufwilligen und -kräftigen Gäste bildeten logischerweise auch die Stammklientel in den zu dem Anlass schillernden und funkelnden Räumen der Residenz.
Nach und nach hat sich die Art&Antique aber emanzipiert. Während die Osterfestspiele mit Karajans Ableben und dem Älterwerden der unmittelbaren Nachkriegsgeneration um ihr Publikum immer wieder haben bangen und sich um neue Interessentenkreise haben bemühen müssen, hat es auf dem Kunstmarkt – unabhängig von Wirtschaftskrisen – eigentlich keine Einbrüche gegeben. Kein Wankelmut an den Börsen, nicht mal die Corona-Zeit (2020 wurde die österliche Art&Antique in Salzburg abgesagt) haben den Kunstmarkt ernsthaft ins Wanken gebracht.
Die österliche Kunstmesse ist also keineswegs eine Trittbrettfahrerin der Osterfestspiele, sondern eine Kulturanbieterin mit eigenem Profil und deshalb auch wirtschaftlich ein Posten im Stadtbudget. Wie sich die Dinge weiter entwickeln, ob Ausweichmöglichkeiten angeboten und genutzt werden können, wird man also mit Interesse auch hinsichtlich der Stadtfinanzen beobachten müssen.
Zur Meldung Ostern ohne Kunstkauf-Verführung