MOZARTEUMORCHESTER / BORRANI

17/04/26 Ein Quartett unterschiedlicher Raritäten, jede auf ihre Art „alte“ Musik: von Alfred Schnittke, von Anton Webern, ja selbst von Mozart und Haydn, Das gestaltete die Geigerin Lorenza Borrani als Gast in Personalunion von Solistin, Konzertmeisterin und auch Dirigentin am Donnerstag (16.4.) im Großen Saal des Mozarteums.

Von Horst Reischenböck

„In modo classico“ hätte Alfred Schnittke vor gut fünfzig Jahren seine Suite im alten Stil betiteln können, mit der er dem damals in der UdSSR erneut aufgekeimten Zwang seitens der Nomenklatur, allgemein verständlich zu komponieren, eins auswischte. Fünf Sätze, deren letzter, die Pantomime, dann doch in dissonante Gefilde abschweift, während Pastorale, Ballett, Menuett und Fuga beweisen, wie man auch damals noch durchaus tonal und melodiös Einfällen nachsinnen konnte.

Das lässt die Kammerorchesterversion von dem Geiger Wladimir Spiwakow und Wladimir Milman noch eindeutiger und sinnlicher erfahren: So hätt’s im Barock durchaus auch klingen können, aber Schnittke verstand seine Musik ja schon damals hinterlistig, im Sinn der „Postmoderne“. Lorenza Borrani ist unter anderem Mitglied des Ensemble Spunicunifait, mit dem sie eine maßstäbliche Einspielung aller Streichquartette Wolfgang Amadé Mozarts vorlegte. Sie ließ das Mozarteumorchester – die Celli natürlich ausgenommen – dazu auch „im alten Stil“, also stehend sich ausleben.

Nicht anders in der C-Dur-Concertone a 2 Violinj Principali KV 190, also einem für Mozart selten aufgeführten Konzert „a più stromenti obbligati“, wie’s die jüngste Ausgabe des Köchel.Katalogs anmerkt. Das erste der beiden Violin-Soli wird Wolfgang wohl selbst gegeigt haben.

Lorenza Borranis geigerischem Engagement, mit dem sie schon im Kopfsatz die Generalpausen vom Tutti exzessiv auskosten ließ, stand Sophia Herbig im gleichen Geist am zweiten Pult zur Seite. Sasha Calin verströmte schier unendlichen Atem an ihrer Oboe, wogegen Marcus Pouget am Violoncello mit eher viel Vibrato im Rampenlicht vorne am Podium nicht in gleichem Maß beteiligt wirkte.

Anton Weberns Fünf Sätze für Streichquartett op, 5, in seiner eigenen Fassung für Streichorchester, sah das Mozartemorchester dann rechtens nach der Pause sitzen. Lorenza Borrani, jetzt am Pult, entschlüsselte die trotz aller Verknappung heftig bewegte Sonatenhauptsatzform plastisch, so wie die anschließend punktuell verkürzten vier weiteren im Vergleich fast momenthaften Sätze in der ihren innewohnenden Sinnlichkeit. Pizzikati und col legno-Effekte konnten trotz aller liebevoller Umsetzung zum Schluss, als zarte Bewegung angesagt war, Hustenreize mancher Hörer aber doch nicht unterdrücken.

Mit Joseph Haydns Sinfonie C-Dur Hob. I:56 war zum kontrastierenden Ausgleich triumphal festliches Gepränge angesagt. Auch das ist ein hier kaum jemals aufgeführtes Werk, voll fesselnd abrupt kontrastierender Dynamikwechsel, Naturtrompeten- und Pauken-geschwängert in den Allegro- und Prestissimo-Ecksätzen wie auch im Menuet und mit mehrfach ausgedehnt ausgekostetem Fagott-Solo im Adagio: ein in Summe zündendes Feuer, wirkungsvoll animierend und damit ein bejubelter Schlusspunkt.

Bild: MOS / Vivienne Reichelt