HINTERGRUND / BUNDESJUGENDSINGEN
06/07/26 Von zehn mit ausgezeichnetem Erfolg bewerteten Ensembles kamen drei aus Salzburg, zwei weitere Salzburger Chöre bekamen ebenfalls hohe Wertungen. Der beste österreichische Jugendchor kommt aus Innsbruck.
Von Wolfgang Stern
Seit 1948 gibt es das Österreichische Jugendsingen. Pioniere haben es in schwierigen Jahren aus der Taufe gehoben und damit etwas geschaffen, das noch heute besteht. Beim ersten Durchgang für diesen Wettbewerb handelt es sich um Bezirks-, Talschafts- oder Regionalsingen. Daran können Chöre mit jungen Leuten im Alter von sechs bis 24 Jahren teilnehmen, also so gut wie alle. Danach gibt es in jedem Bundesland ein Landesjugendsingen, wo bereits Beurteilungen ausgesprochen werden. Zuletzt dann das Bundesjugendsingen, zu dem die besten Chöre aus verschiedenen Kategorien eingeladen werden.
Vierzig Chöre nahmen diesmal an dieser Endrunde teil, in Linz trafen sich für vier Tage die besten Kinder- und Jugendchöre des Landes. Angeblich Europas größtes Chorfestival, wie die Salzburger Landeskorrespondenz schreibt.
Sensationelle Darbietungen gerade auch jüngerer Teilnehmer sprachen für sich. Trotzdem: Gerade in der Volksschule dürfte Musik nicht an den Rand des Fächerkanons gestellt werden. Wenn unter vierzig Chören der Endrunde nur sechs Volksschulchöre sind, sollten im Bildungsministerium die Alarmglocken läuten, und es sollte Ursachenforschung bezüglich dem Niveau betrieben werden. Dass man keine Musik-Volksschulen eingeführt hat, war wohl keine so gute Idee. Initiativen wie die Singenden Klassenzimmer in Salzburg können über gesamtösterreichische Defizite nicht hinwegtäuschen.
„Dass gleich fünf Salzburger Chöre beim Bundesjugendsingen erfolgreich waren, ist eine schöne Anerkennung für die intensive Arbeit in Schulen, Musikschulen und Chören“, so Jugendlandesrätin Marlene Svazek. Das Jugendteam KlangScala des Musikum Salzburg (Leitung: Helmut Zeilner), das Klassenensemble 7b Vocal Voyage des Privatgymnasiums Borromäum (Leitung: Moritz Guttmann) und das Burschenensemble des Musischen Gymnasiums und Mozart Musikgymnasiums (Leitung: Thomas Schneider) erreichten beim Wertungssingen eine ausgezeichnete Leistung – drei Salzburger Chöre von zehn Ausgezeichneten, beachtlich.
Weiters dürfen sich der Klassenchor der 4m der Musikmittelschule Henndorf (Leitung: Evelyn Spineth) und der Mädchenchor des Musischen Gymnasiums (Leitung: Georg Dürnberger) über eine sehr gute Jurybewertung freuen.
Breitgefächert waren die Darbietungen, nahezu alle Stile aus der Chorliteratur wurden präsentiert. So hatte Vocal Voyage unter anderem Juche auf der heschziga Alma (in einem Satz von Tobias Reiser) im Gepäck, das Burschenensemble des Musischen Gymnasiums ließ souverän Old MacDonalds Had a (Very Silly) Farm hören. Das Jugendteam KlangsCala (die vom Altersdurchschnitt gesehen ältesten Vertreter), widmete sich in erster Linie dem Zeitgenössischen, aber auch dem besonders qualitätsvollen Jodeln.
Neben öffentlichen Konzerten und Begegnungen der Chöre aus allen Bundesländern bestand für die teilnehmenden Ensembles die Möglichkeit, freiwillig am Wertungssingen teilzunehmen. Dabei musste neben einem frei gewählten Kurzprogramm ein eigens für den Wettbewerb komponiertes Stück innerhalb von zwei Stunden einstudiert und vor einer Fachjury präsentiert werden. Bei einer „5-Minuten-Challenge“ wurde ein neues Chorstück innerhalb weniger Minuten auf der Bühne erarbeitet. Vier der fünf teilnehmenden Salzburger Chöre stellten sich dieser Herausforderung und wurden von der Jury mit der höchsten Auszeichnung „Gold“ bewertet.
Wo nun ist in Österreich der in den Augen der Jury beste Chor zu Hause? Die allerhöchste Bewertung bekamen die Cantoholics, der von Thomas Waldner geleitete Kammerchor des Musikgymnasiums Innsbruck. Dass beim Bundesjungendsingen in der höchst bewerteten Gruppe zwei Youngster-Chöre mitmischen konnten, möchte ich besonders erwähnen. Ein ideenreicher Chorleiter wie Paul Burtscher (Musikmittelschule Götzis) ist bei den Kinderchören (bis 14 Jahre) so etwas wie der Messi im Fussball. Ähnliches gilt für den Schulchor Cantoccini (Ltg. Ingrid Held) der Musikmittelschule Lingenau. Zwei Mal Vorarlberg unter den höchst Bewerteten – wohl auch kein Zufall.