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Die scharfen Zacken in der Mutterkrone

KLEINES THEATER / REGINA MADRE

17/11/15 Was denkt eine Mutter, wenn der Sohn plötzlich mit Koffer auftaucht und bei ihr einziehen möchte? „Hat Dich Deine Frau endlich rausgeschmissen?“ Alfreds alte Dame hat noch manch andere Ideen auf Lager. Sie hält nicht zurück mit Kommentaren, die (vermutete) missliche Lage betreffend.

Von Reinhard Kriechbaum

Manlio Santanelli ist der Autor des Stücks „Regina Madre“. 1985 hat er es schon geschrieben, und damit wirkt es ziemlich hellsichtig, denn Altenbetreuung war damals, vor dreißig Jahren, noch bei weitem nicht ein so drängendes Thema wie heutzutage. Der Sohn nämlich behauptet, er ziehe bei seiner Mutter ein, um sie zu pflegen. Dass das ein bloßer Vorwand ist, zeichnet sich bald ab.

Alfred hat ja, wie sich herausstellt, doch seine geschätzte Frau Gemahlin eingebüßt. Und das ist keineswegs der einzige Punkt, in dem seine Mutter in dem ziemlich turbulenten verbalen Schlagabtausch recht behalten wird. Ach, könnte sie sich doch einmal – ein mal nur! – an den Namen der ungeliebten Schwiegertochter erinnern. Es zeichnet sich rasch ab, dass die temperamentvolle alte Dame mit dem Mundwerk, das man dereinst wohl eigens wird erschlagen müssen, eine sehr selektive Wahrnehmung und ein treffsicheres Erinnerungsvermögen ihr Eigen nennt. So sie denn will. Ihren Sohn jedenfalls will sie klein halten, indem sie seinen Vater (den er nie gekannt hat) in den leuchtendsten Farben schildert: Das will sie allemal. Diese Performance des Sohn-Niedermachens hat sie perfekt und mit nicht wenig Charme drauf.

Zwei feine Rollen für Susanne Szameit und Torsten Hermentin. Beide waren einst im Ensemble des Landestheaters. Jetzt heißt das freie Theaterunternehmen, das für diese Produktion im Kleinen Theater verantwortlich zeichnet, „theater.direkt“. Michael Kolnberger hat Regie geführt und dreht ordentlich an der Temposchraube. Was die beiden einander fünf Viertelstunden an die Köpfe werfen, hat sich gewaschen. Dass sie beide voreinander (und im Grunde auch vor sich selbst) Theater spielen, ist klar. Die Kräfte, die Wortschwälle und die kleinen bis mittelgroßen Hinterfotzigkeiten sind gleichgewichtig verteilt. Und auch das macht dieses Stück erfolgssicher. Es ist übrigens eine Salzburger Erstaufführung.

Was ist es eigentlich, eine Boulevardkomödie, eine Farce, ein Volksstück in der Tradition eines Dario Fo? Tribute an Eduardo de Filippo, den famosen neapolitanischen Stückeschreiber, und einen kleinen Schuss vom Gesellschaftskritiker Luigi Pirandelli könnte man auch drin aufstöbern. Michael Kolnberger und die beiden Darsteller lassen das Unbestimmte zwischen den Genres bestens herauskommen. Arthur Zgubic hat zwei Schminktische im Bühnenhintergrund platziert. Dorthin ziehen sich die alte familiäre Kampfhenne und ihr Kampfhahn (in verdächtiger Nähe zur Midlife crisis) zurück, um während längerer Schlagernummern quasi Kraft zu schöpfen für den jeweils folgenden perfekt synchronisierten Schlagabtausch. Und sie werden dabei Figuren der Commedia dell'Arte immer ähnlicher.

Weitere Aufführungen am 21. und 26. November sowie am 3. Dezember – www.kleinestheater.at
Bilder: Piet Six

 

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