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Jetzt nervt er nicht mehr!

MOZART-WOHNHAUS / JONATHAN MEESE

01/02/25 „Ich kenne den privaten Jonathan Meese nicht. Der ist langweilig. Ich würde mich für mich nicht interessieren. Ich bin in der Realität ganz unauffällig und gehe niemandem auf die Nerven. Hier nerve ich Sie vielleicht gerade, aber hier bin ich auch dazu eingeladen.“

Von Heidemarie Klabacher

Genau diesen Vorspann gab es auf DrehPunktKultur schon einmal. Am 15. November 2013 hatte das Museum der Moderne zur Presseführung mit Jonathan Meese gebeten. Dieser machte einen – üblicherweise trockenen und mühsamen – Termin zur hinreißenden Performance, befanden wir damals. Die Schau Jonathan Meese. Malermeese-Meesermaler war ebenso betörend anders wie die markigen Sprüche des Künstlers: „Ich will in der Kunst nichts ‚erleben’.“ Wer Kunst betreibe, um sich selbst zu erleben oder gar zu „finden“, sei ein Esoteriker, aber kein Künstler.

„Kunst ist eine Distanzhaltungsmaßnahme gegenüber Nicht-Kunst“. Er würde nie ein Publikum befragen, oder als Künstler das Publikum in eine Performance einbinden: Er empfehle jungen Künstlern eher, sich hermetisch abzuriegeln: „Geht nicht zu viel auf Partys oder in Kulturveranstaltungen!

„Damals“ – vor zwölf Jahren – ist der Künstler noch längst nicht von allen hofiert worden. Noch einmal sieben Jahre früher wurden im Neutor Meeses großformatige Plakate als „Kunst im öffentlichen Raum“ nicht nur abgelehnt, sondern gleich gar zerschnitten. Allerdings kam Jonathan Meese als Ausstatter der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper Dionysos im Jahr 2010 zu Festspielehren.

Heue – anno 2025 – nervt Jonathan Meese endgültig keinen mehr. Im Gegenteil. Die Internationale Stiftung Mozarteum hat den Künstler mit einer Serie von Komponistenporträts zur besten Mozartwochenzeit und darüber hinaus ins Wohnhaus eingeladen. Damit gestaltet er – bis 22. Februar – quasi das Anti-Chambre für Nikolaus Harnoncourt. Was auch nur stimmig ist.

Jonathan Meese, geboren 1970 in Tokio, einer der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler, lebt in Berlin. Meese stellt in renommierten internationalen Galerien aus, präsentiert Retrospektiven in Museen und kreiert Bühnenbilder für Theater und Opernhäuser. Eine „besondere Affinität zur klassischen Musik“ bescheinigt ihm der Direktor der Mozart-Museen, Linus Klumpner.

„Sein zentrales Thema? Die Freiheit der Kunst. Aber auch die virtuose Welt von Sonett, Kantate und Oratorium ist Meese nicht fremd. Seine künstlerische und eklektische Verbindung von klassischer Musik mit seinen Arbeiten wird in Sammlerkreisen schon lange als einzigartig betrachtet.“

Die Stiftung Mozarteum hat Jonathan Meese gebeten, „uns einige Komponisten zu zeichnen, die auch teilweise bei der Mozartwoche gespielt werden“. Das Resultat ist eine Serie knallbunter aber überaus charakteristischer – für Meese und für die Dargestellten charakteristischer –  Porträts von Claudio Monteverdi, Wolfgang Amadé Mozart, Bach oder Händel.

„Vermutlich könnte Meese zu so manchem Komponisten sogar Vorlesungen halten“, so Linus Klumpne. Jedes Bild ist einzigartig, doch es entsteht der Eindruck, als würden die Komponisten sich untereinander verstehen und miteinander kommunizieren – als ob alle eine Welt aus silbernem Eis eint“.

In der Ausstellung zu sehen sind vierzig kleinformatige Zeichnungen aus jüngerer Zeit. Der Zyklus GESAMTKUNSTWERKERZMUSIKUSS CLOCKWORK DE LARGE! NUR LIEBE MUSIZIERT ZUKUNFT aus 2024 wurde erstmals in der Winterausgabe 2024/25 des Internationalen Art Magazine SALON zur Mozartwoche 2025 publiziert. Das Redaktionsteam um Peter Elfert gab die Initialzündung zur Ausstellung.

ERZ-M.O.Z.A.R.T – Die Meese-Ausstellung ist bis 22. Februar im Mozart-Wohnhaus am Makartplatz zu sehen – mozarteum.at
Bilder: dpk-klaba
Die dpk-Ausstellungsbesprechung von 2013
Wer Angst vor der Kunst hat, soll in der Realität untergehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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