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Über sowjetische „Speziallager“ in der DDR

IM PORTRÄT / BARBARA KASTELEWICZ

19/02/24 Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die sowjetische Besatzungsmacht in Deutschland auf dem Gebiet der späteren DDR zehn Gefangenenlager unter der Bezeichnung „Speziallager“. Diesen widmete Anna Barbara Kastelewicz ihre musik-wissenschaftliche Dissertation.

Musik, Kultura und kulturelle Betätigung in den Speziallagern der sowjetischen Besatzungsmacht 1945 - 1950 in der SBZ bzw. DDR – für diese Dissertation wurde die Absolventin am Department Musikwissenschaft der Universität Mozarteum kürzlich mit dem Award of Excellence ausgezeichnet.

Die Haftbedingungen in diesen Lagern waren unmenschlich, etwa dreißig Prozent der Gefangenen starben an Hunger und Folgekrankheiten. Von den Häftlingen am schlimmsten empfunden wurde das Hauptziel der Lager, „die totale Isolation" der Häftlinge und das Verbot jeglicher, insbesondere geistiger Betätigung. Über die Existenz der Lager war kaum etwas bekannt, in der DDR waren sie ein Tabu-Thema. Erst nach der Offenlegung eines Teils der Akten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in der Zeit nach der „Wende" 1989/1990 begann eine wissenschaftliche Erforschung des damaligen Systems.

Zum Thema Musik und kulturelle Aktivitäten in den Speziallagern - ein Erfahrungsbereich, der den Lebensalltag der Gefangenen dieser Lager entscheidend prägte – gab es zum Zeitpunkt des Forschungsbeginns für diese Arbeit keinerlei Untersuchungen. Diese Lücke wird nun durch die Aufarbeitung von Material aus einschlägigen Archiven in Deutschland und in Moskau sowie aus im Privatbesitz befindlichen Berichten, Noten und weiteren Dokumenten geschlossen. Anna Barbara Kastelewicz hat auch Interviews mit Zeitzeugengeführt. So ist mit dieser Dissertation erstmals ein Gesamtüberblick über alle zehn sowjetischen Speziallager möglich.

Die in Berlin geborene und dort lebende Anna Barbara Kastelewicz absolvierte an der Universität Mozarteum das Dissertationsfach Musikwissenschaft und wurde von niv.-Prof. Wolfgang Gratzer betreut. Mit dem Award of Excellence des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung werden seit 2008 jährlich die besten Dissertationen an Universitäten ausgezeichnet. 2023 hat Martin Polaschek, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, den mit je 3.000 Euro dotierten Preis an 39 Doktorandinnen und Doktoranden von 21 Universitäten in Österreich überreicht.

Anna Barbara Kastelewicz ist Geigerin, firm auf der Barockvioline ebenso wie auf der modernen Violine. Entsprechend weitgespannt ist ihr Repertoire, einschließlich Musical und Jazz. Sie spielt Rundfunk-, Fernseh- und Tonträger-Aufnahmen ein. Darüber hinaus gründetet sie zwei Projektorchester und leitete von 2007 bis 2013 das Musikfestival Lüneburger Heide. Als Lehrbeauftragte ist sie an Hochschulen für Musik tätig und widmet sich intensiv der Musikwissenschaft mit der Edition und der Interpretation zeitgenössischer Komponisten. (Universität Mozarteum)

Bild: www.kastelewicz.com

 

 

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