Dioskuren in Dur und Moll
MOZARTWOCHE / WIENER PHILHARMONIKER 1 / FISCHER
26/01/25 Das erste der traditionell drei Konzerte der Wiener Philharmoniker bei der Mozartwoche im Großen Festspielhaus leitete Adam Fischer. Klaviersolist war Igor Levit. Gefeiert wurden die Ausführenden für Mozart, Haydn, Mozart.
Von Horst Reischenböck
Neben dem aus Oberndorf gebürtigen Ernst Märzendorfer und Antal Dorati zählt dessen Landsmann Adam Fischer zur Trias jener Dirigenten, die alle Sinfonien von Joseph Haydn eingespielt haben. Nach Abschluss des Projekts mit der in Eisenstadt beheimateten Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie hat Fischer als künstlerischer Leiter des Danish Chamber Orchestra derzeit eine zweite Aufnahmeserie in Angriff genommen
Kein Wunder also, dass er an den Anfang des Konzerts am Samstag (25.1.) Haydns tiefsinnige Sinfonie f-Moll Hob. I:49 aus dem Jahr 1768 stellte. Diesem typischen Werk noch aus Haydns Sturm und Drang-Periode wurde von fremder Hand der Beiname La Passione verpasst. Diese entspricht von der Anordnung der Sätze mit dem schwermütigen – von den samtweichen Wiener Streichen zart modulierendem Adagio zu Anfang – ja noch dem Typus einst in sakralen Räumen gespielten Sonata da chiesa. Herrisch das das nachfolgende Allegro. Das mürrische Menuett und das final dahin wirbelnde Presto wurden von den Wienern entsprechend der auch in diesen Sätzen latent herrschenden Trauer umgesetzt.
Danach wurde die Stimmung ins Gegenteil verkehrt. An dem Klavierkonzert B-Dur KV 595 haftet das Odium eines – von Wolfgang Amadé so wohl mit Sicherheit nicht geplant gewesenen – Abschieds an. Wie sein großer Landsmann Svjatoslav Richter vertiefte sich auch Igor Levit nach dem Einstieg des Orchesters zartfühlend nachschöpferisch in die dem Kopfsatz innewohnende Melancholie. Er spann danach versunken das anschließende Larghetto aus und ergab sich spielerisch der Vorwegnahme des abschließenden – von der Lyrik her den Monat Mai ansprechenden – Liedes.
Nach der Pause erinnerte Adam Fischer mit der zwar in Wien entstandenen, ob ihres mutmaßlichen Uraufführungsort jedoch als Prager in die Annalen eingegangenen, Sinfonie D-Dur KV 504 daran, dass er in Kopenhagen auch sämtliche entsprechenden Kompositionen Mozarts eingespielt hat. Das Werk, in dem alle ihre drei Teile der Sonatenhauptsatzform folgen, heizten vorerst theatralisch die harten Schlägel des Paukisten in der Adagio-Einleitung auf. Im nachfolgenden Andante verströmten sich sinnlich kantabel die Holzbläser, ehe der letzte bezwingend virtuose Einsatz aller Beteiligten zum Schluss logischerweise einen Beifallssturm nach sich zog.
Bilder: ISM / Wolfgang Lienbacher