asdf
 

Bach auf Mozarts Instrumenten

BACHGESELLSCHAFT / RECREATION 2014 „MEIN BACH“

08/10/14 Florian Birsak der designierte Leiter der Salzburger Bachgesellschaft gestaltete in Zusammenarbeit mit Universität und Stiftung Mozarteum und einer Schar eingeschworener Mitstreiter ein feines kleines Festival zum Thema „Mein Bach“.

Von Horst Reischenböck

Nach Ökumenischem Gottesdienst und Kinderkonzert stand am Dienstag (7.10.) das erste Abendkonzert der Recreation 2014 auf dem Programm: „Transformationen“ war das Motto, Ziel war eine „Annäherung an Bach in Werken und Bearbeitungen“.

Constanze hat Mozart dazu gedrängt, Fugen zu komponieren. Nach mehreren Anläufen schuf er auch hier Meisterwerke, zurückgeblieben sind aber auch Versuche und Fragmente. Eins dieser Fragmente – Andante und Fuge einer möglicherweise Constanze zugedachten Sonate A-Dur für Klavier und Violine KV 402 hat Maximilian Stadler ergänzt.

In dieser Form eröffnete es den Abend im Wiener Saal des Mozarteums gespielt von Florian Birsak auf dem berühmten Hammerklavier von Conrad Graf und von Vuko Kasai auf Mozarts „Costa-Violine“. Auch dieses Instrument ist im Besitz der Stiftung Mozarteum: Es ist Mozarts Geige aus dessen Wiener Tagen. Erst voriges Jahr wurde das Instrument aus der Werkstatt von Pietro Antonio Dalla Costa der Stiftung als Geschenk überlassen.

Weit einfacher gestrickt entpuppte sich die auf ein gedanklich tief lotendes Adagio folgende finale Fuge des gleichfalls in A-Dur stehenden Streichtrios op. 9 Nr. 2 von Beethovens Kontrapunkt-Lehrer Johann Georg Albrechtsberger. Zu Yuki Kasai gesellten sich Herbert Lindsberger mit Mozarts Viola und der Cellist Marco Testori. Sie spielten auch zwei Bach-Bearbeitungen Mozarts aus „Sechs dreistimmige Fugen“ für Violine, Viola und Violoncello KV 404a.

Darin eingebettet hat Florian Birsak eine in Salzburg noch nie gehörte Rarität, nämlich zwei der insgesamt 36 Klavierfugen op. 36 des Böhmen Antonín Reicha, 1805 in Wien veröffentlicht. Sie wurden freilich vom Zeitgenossen Ludwig van Beethoven postwendend als Beweis „dass die Fuge keine Fuge mehr ist“ abqualifiziert. Reicha, der Erfinder des Bläserquintetts und ab 1818 am Pariser Konservatorium „Professeur du contrepoint et fugue“ freilich hing an diesen „Un-Fugen“ und legte sie zehn Jahre später erneut auf. Verarbeitet hat er immerhin Themen berühmter Kollegen wie Girolamo Frescobaldi, Alessandro Scarlatti oder Joseph Haydn. Im Wiener Saal erklangen passend zum Programm die Nr. 5 G-Dur auf fünf Takte aus Bachs BWV 884 und die Nr. 7, die auf dem Einstieg in Mozarts „Haffner“-Sinfonie KV 385 basiert.

Nicht nur Mozart hat Fugen geschrieben: Robert Schumanns Adagio aus der Symphonie Nr. 2 op. 61 ist ohne seine Beschäftigung mit dem Thomaskantor nicht denkbar. Ihm zu dienen, versah er auch dessen Violinsoli mit einem subtil als Begleitung Akzente setzenden Klaviersatz.

Mit der Sonate g-Moll BWV 1001 begannen Birsak und Yuki Kasai den zweiten Programmteil, der mit Robert Schumanns Sechs Studien in canonischer Form op. 56 beschlossen wurde. Schon Schumanns Bewunderer Claude Debussy hat das Werk für zwei Klaviere adaptiert. Im Wiener Saal kam eine Fassung für Klaviertrio von Theodor Kirchner zur Aufführung. Immerhin steht hier mit dem Graf-Flügel ein OriginaIinstrument zur Verfügung.

Nicht nur die Klassiker haben anhand von Bach’schen Vorgaben Fugen geübt! Wie sich die Romantik um Bach bemühte, zeigten vier der zehn Präludien aus das “Wohltemperierte Klavier“ op. 137a von Ignaz Moscheles: Er hat über die Präludien eine kantable Cellostimme geschrieben, die von Marco Testori hingebungsvoll interpretiert wurde.

Der nächste Termin im Rahmen der Recreation ist am Freitag (10.10.): Alexei Zouev spielt um 19.30 im Solitär Paul Hindemiths „Ludus Tonalis“ - www.salzburger-bachgesellschaft.at

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014