TASCHEN-OPERN-FESTIVAL SALZBURG
10/11/25 Oper im Taschenformat, aber nicht kleinkariert. Mensch Masse Macht ist das Thema heuer. Das Stück basiert auf vier Vokalwerken und dem Theaterstück Masken des Bösen aus der Feder des Festivalleisters Hans-Peter Jahn. Gespielt wird im Odeion.
Von Heidemarie Klabacher
Zu Gast ist heuer das SWR Vokalensemble Stuttgart. Ebenfalls dabei der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Nikolaus Brass, Bernd Richard Deutsch, Elena Mendoza und Vito Žuraj haben die Musik geschrieben. Die musikalische Leitung hat Peter Rundel. Veranstalter des biennalen Taschenopernfestivals ist Klang21.
Uraufgeführt werden „Kompositionen, deren Spannung und Dramatik sich nicht aus themenbezogenen Vorgaben, sondern aus bühnenunabhängigen, innermusikalischen Entscheidungen entwickelt haben“, so die etwas difuse Selbstbeschreibung. Man mache sich mit der Musik „verfügbar für das, was auf der Bühne durch die Schauspieler, durch die Interpretation des Regisseurs gespielt, erzählt und gezaubert wird“. Hat man das früher „Improvisation“ genannt? „Die Vokalmusik dramatisiert, färbt und kommentiert also die Bühnenhandlung.“
„Masse und Macht ist das über allem stehende Thema. Thomas Mann, Elias Canetti (Masse und Macht) und Hannah Arendt (Masse und Gewalt) liefern den Stoff“, so Hans-Peter Jahn. Direkt Bezug genommen werde auf Manns Erzählung Mario und der Zauberer, „in welcher der Magier und Hypnotiseur Cipolla mit seiner diabolischen Macht das heimische Publikum und die Touristen in dem italienischen Badeort Torre di Venere überwältigt und manipuliert“.
Zwei Figuren Thomas Manns spielen im Stück eine zentrale Rolle: „Mario, ein melancholisch-aufrührerischer Barkellner und Luigi, ein gerissener, mafiöser Spekulant. Beide leisten gegen Cipollas Hypnose-Künste mit dramatischen Folgen Widerstand.“ Diese drei Männer kämpfen, so Hans-Peter Jahn, „mit grundverschiedenen Vorstellungen um die Zukunft des kleinen ligurischen Dorfes, das längst von der Masse des Tourismus abhängig ist“. Wolkenkratzer oder Fisch?Investment oder zurück zur Idylle? „Eins ist sicher: Die Sonne kotzt.“
Thierry Bruehl, Regisseur und künstlerischer Leiter des Taschenopernfestivals inszeniert Gesang und Szenen in zwei großen Bildern. Der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor singt im Kontrast zu den modernen Klängen, „italienische Opernohrwürmer“, die sich gegenüber dem Machtgehabe der drei Männer „unbekümmert süß, aber auch bedrohlich und mit Wucht zu behaupten wissen“. Dazu ein Mädchen und seine junge Sängerbagage...
Taschenopernfestival Salzburg 2025
Mensch Masse Macht. Theater mit Musik / Musik mit Theater für Vokalensemble und Schauspieler – Premiere ist am 12. November um 19 Uhr, weitere Aufführungen im Odeion am 13., 15. November jeweils um 19 Uhr sowie am 16. November um 18 Uhr – klang21.com