FESTSPIELE / CANTO LIRICO / LISETTE OROPESA
19/08/26 Wenn schon Carmen die Cash Cow der Festspiele war, ist es nur recht und billig, auch mit einem Liederabend auf Iberien zu verweisen – war der Südwesten doch lange Zeit ein weißer Fleck auf der musikalischen Landkarte Europas. Aber auch nach Lateinamerika blickten die Sopranistin Lisette Oropesa und ihr Liedpartner Rubén Fernández Auguirre.
Von Horst Reischenböck
Gonzalo Roig. Jorge Anckermann. Joaquín Nin i Castellanos. Aber auch Manuel de Falla oder Francisco Asenjo Barbieri standen neben vielen anderen am Dienstag (18.8.) im Haus für Mozart auf dem Programm des Abends in der Reihe Canto Lirico.
Schade war’s allemal, dass Lisette Oropesa, die bei den Festspielen bereits in Lucia di Lammermoor oder Maria Stuarda zu erleben war, sich nicht unterstützender Orchesterassistenz bedienen durfte. Etwa zu Beginn in der anspruchsvollen Arie der Paloma Como nací en la calle de la Paloma aus der Zarzuela El barberillo de Lavapiés von Altmeister Barbieri. Dieser hinterließ immerhin gut siebzig Zarzuelas. Die Zarzuela ist eine absolut eigenständige Form ähnlich unserer Operette, deren Wurzeln im Spanien des 17. Jahrhunderts fußen und nur durch italienischen Einfluss zurückgedrängt wurde.
Bei den Siete canciones populares españolas von Manuel de Falla handelt es sich um einen kaum viertelstündigen Zyklus von sieben wirkungsvollen Miniaturen von ein bis drei Minuten Dauer, in deren Facetten sich die ganze Bandbreite bis zum Volkslied spiegelt. De Falla, bei der Uraufführung selbst am Klavier, ließ sich zu den faszinierend ausdrucksstarken und wirkungsvollen anonymen Texten musikalisch von Einflüssen aus Andalusien, Aragón, Asturias und Murcia inspirieren. Wie deren lokales Kolorit Luciano Berio später in seiner Orchesterfassung für Gattin Cathy Berberian intensivierte, daran durfte man auch nicht denken: Auch dies eine vertane Chance!
Lediglich mit Klavierbegleitung wurde klanglich alles auf eine Art Liederabend samt Korrepetitor verkürzt. Ausgenommen zwei Einsprengsel, in denen sich der Pianist Rubén Fernández Aguirre engagiert und nach Herzenskräften am Steinway bemühte, dass die Erinnerung an die Orchesterfassung des vom Publikum dankbar angenommen Tangos von Isaac Albéniz aus España – Six Feuilles d’album op. 165/2 nicht ganz auf der Strecke blieb. Das Nachstimmen des Flügels während der Pause zeitigte auch keine Verbesserung.
Nummern aus den Canciones amatorias von Enrique Granados (unglücklich im Ersten Weltkrieg umgekommen) und den Cuatro madrigales amatorios von Joaquin Rodrgos und die gefühlvolle Romanze der Luisa aus der Zarzuela Las hijas del Zebedeo von Ruperto Chapi beendeten die erste Dreiviertelstunde, nach welcher sich die Sängerin neu gewandet präsentierte.
Denn nun handelte es sich um Komponisten, die im vergangenen Jahrhundert Havanna prägten. Den Anfang machte ein Kleeblatt aus den Veinte cantos populares españoles von Joaquín Nin i Castellanos (Schüler von Moritz Moszkovski und Vincent d’Indy). Es folgten die Romanza Maria Mulata infeliz, tu vida acabó von Ernesto Lecuona (der bei Ravel studiert hat), das Kuba gewidmete Stück mit dem kurzen Titel Tú von Eduardo Sánchez de Fuentes und final die Entrada der Cecilia Sí, yo soy Cecilia Valdés aus der Zarzuela Cecilia Valdés von Gonzalo Roig
Danach präsentierte Lisette Oropesas ihr stupendes Können betreffs Koloraturen und Triller bis in höchste Register noch weiter mit Federico Moreno Torrobas Madre de mis amores aus der Zarzuela Monte Carmelo. Zum Schluss erwies sie noch, eigenen Worten nach zum ersten Mal, mit dem stürmisch bedankten Porgi amor der Contessa aus Mozarts Le nozze Figaro dem Ort ihre Reverenz.
Bilder: SF /