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Gefragt sind die "Swinger"

KOMMENTAR / THEATER-KOOPERATION

altVon Reinhard Kriechbaum

28/04/10 Salzburg ist, wie man weiß, nicht ein Markenzeichen für kulturelle Zusammenschau. Ein Jeder kocht im Regelfall gerne sein eigenes Süppchen. Das gilt fürs Publikum (das seine Sympathiekreise vergleichsweise fest abgezirkelt hält) ebenso wie für die Kultur-Anbieter. Man weiß im Einzelnen oft nicht genau, ob eine gewisse Resistenz für Grenzgängereien im Publikum Rechtfertigung ist für die Veranstalter, wenig aufeinander zu schauen oder zu horchen – oder ob das Publikum von den Kulturinstitutionen über Jahrzehnte eben vehement „bei der Stange“ gehalten worden ist. Jedenfalls sind nicht gar so viele Leute „Swinger“ zwischen den Theatern oder Konzertsälen.

Umso bemerkenswerter, was sich jetzt gerade in der Theaterszene tut. Da meldet das Schauspielhaus bei einem Abonnentenstand von Tausend für diese Saison einen Zuwachs von hundert Abonnements. Das ist viel und erfreulich, weil es ja auch im Landestheater gerade bergauf geht. Und was tun die beiden Institutionen? Sie eifersüchteln nicht, sondern machen Schritte aufeinander zu.

Ein gemeinsames Theaterabonnement zwischen Schauspielhaus und Landestheater, das sei ein Zeichen, „dass die beiden Häuser versuchen, im Guten miteinander zu arbeiten“. Das sagte Schauspielhaus-Leiter Robert Pienz bei der Präsentation des nächstjährigen Spielplans. Drei mal drei, je drei Schauspielproduktionen von einem jeden Haus: Das sei, so Robert Pienz, einmal „ein Ausloten, ob es ein gemeinsames Publikumssegment gibt“. Vielleicht, so sinniert der Schauspielhaus-Leiter, „ist es ja interessant für die Zuschauer, Häuser mit komplett verschiedenen Spiel-Strukturen kennen zu lernen“. Und es sei ja auch nicht gesagt, dass man „das Publikum so einfach von A nach B schicken“ könne.

Jedenfalls probiert man es aus. Und man betont, dass es absolut nicht darum geht, „sich Publikum gegeseitig abzujagen“. Wenn etwas herauskommt bei der Abo-Kombination, dann könne man ja weiterdenken über ein Mischabonnement, zu dem das Landestheater die Musik- und Ballettsparte, das Schauspielhaus aber die Theatersparte beiträgt.

Offenbar machen neue personelle Konstellationen derzeit viel möglich. Landestheater-Intendant Carl Philip von Maldeghem hat ja schon mehrmals bewiesen, dass ihm Zusammenarbeit nicht nur ein PR-Schlagwort ist, sondern er tatsächlich zugeht auf die „Szene“ rundum. In einer anderen Sparte, mit der Kulturvereinigung, läuft ja schon ein Mischabonnement des Schauspielhauses: Da kauft man vier moderierte Konzerte in der Großen Aula und vier Aufführungen im Schauspielhaus. Immerhin vierzig Abonnements habe das gebracht, wurde bestätigt.

Schön also, dass Krusten offensichtlich aufbrechen oder aufgebrochen werden. Hoffentlich erweist sich das Publikum als ebenso flexibel. Gerade im Theater herrscht derzeit viel Bewegung, vom „Theater in der Druckerei“ (der Universität Mozarteum) bis zur Theater(off)ensive (mit wechselnden Spielstätten und einem zugegeben etwas eigenartigen „Haupthaus“ der Tribüne Lehen) hat die Zahl an Produktionen geradezu beängstigend zugenommen. Mag durchaus sein, dass allen jenen, die sich fürs Theater stark machen, in Zukunft sowieso nichts anderes übrig bleibt, als das Publikum einander zuzuschicken.

Gut zu wissen jedenfalls, dass Theaterleute nicht bloß dauernd über ein Noch-Mehr nachdenken, sondern auch darüber, ob es wohl auch genug Zuschauerkapazitäten gibt.

Zur Spielplan-Vorschau des Schauspielhauses Salzburg {lnSelbstvertrauen in die eigene Authentizität}

 

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