KOMMENTAR
Von Reinhard Kriechbaum
08/04/26 Sie sei „der richtige Mensch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“ gewesen. Das sagt nicht jetzt ein Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele über Karin Bergmann, die frisch gekürte Festspiel-Intendantin. Der Satz fiel vor knapp sechs Jahren, im Juni 2019.
Christian Kircher, damals Chef der Bundestheater-Holding, formulierte es damals so, als Karin Bergmann, nach Jahren erfolgreichen Wirkens an der Burg, zum Ehrenmitglied von Österreichs größtem Theater ernannt wurde. Als erste Frau an der Spitze hatte sie, nachdem 2014 sowohl Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann als auch die kaufmännische Geschäftsleitung in die Wüste geschickt worden waren, das Haus mit einem rigorosen Sparkurs und zugleich mit bemerkenswertem Geschick in der Menschenführung innerhalb von fünf Jahren wieder auf Schiene gebracht.
Gerade jetzt in Salzburg, da es innerhalb der Festspielkünstler eine starke Fraktionsbildung von Hinterhäuser-Sympathisanten gibt, wird ihre Führungsqualität gefragt sein. Im Burgtheater war es so, dass Karin Bergmann kaum personelle Veränderungen vorgenommen hat. Sie ließ das Team, das Matthias Hartmann um sich geschart hatte, Wertschätzung spüren.
Das wird nun in Salzburg nicht anders sein. Außerdem startet Karin Bergmanns Arbeit hier unter wesentlich günstigeren budgetären Bedingungen. Der Finanzbedarf der Festspiele ist angesichts der anstehenden Um- und Neubauten im Festspielbezirk enorm hoch, aber dieses Geld wird nicht sie aus der künstlerischen Geldbörse aufbringen müssen. Vor zehn Jahren im Burgtheater klaffte hingegen ein Budgetloch von zwanzig Millionen Euro, das es zu meistern galt.
Eine vergleichsweise ruhige Kugel also, zumal die Programme für diesen und wohl auch den nächstjährigen Festspielsommer weitgehend feststehen. Um eine Frage wird Karin Bergmann jedenfalls herumkommen: Eine Leiterin oder einen Leiters des Schauspiels braucht es nun nicht, da ist sie selbst Fachfrau genug. Es wurde ja gemunkelt, dass Markus Hinterhäusers Schauspielprogramm für den kommenden Sommer – das beste der Festspiele seit vielen Jahren! – wesentlich auch auf sie als Beraterin zurück gehe. Das hat Karin Bergmann im Pressegespräch heute Mittwoch (8.4.) denn auch bestätigt. Als eine „gute Freundin“ hat Markus Hinterhäuser sie bezeichnet und sie deshalb als Schauspieldirektorin installiert wissen wollen. Damit hat die Malaise um seinen Abgang beziehungsweise Hinausschmiss ja ihren Ausgang genommen.
Schade, dass wir Älteren es nicht erleben werden, wenn sich Historiker in einem halben Jahrhundert zum dann 150-Jahre-Jubiläum der Festspiele die Köpfe zerbrechen werden, welche Dämonen sowohl das Kuratorium als auch Markus Hinterhäuser geritten haben, dass die Angelegenheit derart eskaliert ist: Da fällt ein Intendant, der zehn Jahre lang Bestes geleistet hat für die Festspiele und dafür von der Politik auch entsprechend gelobt, ja hofiert wurde, in Ungnade. Nicht aus inhaltlichen, künstlerischen oder finanziellen Gründen, sondern weil er sich eben für jene Theater-Fachfrau ausgesprochen hat, die nun erst recht vom Kuratorium als seine Nachfolgerin installiert wurde.
Unglückliche Konstellationen sind da zusammengekommen: Eine neue Politiker-Garde (Karoline Edtstadler, Bernhard Auinger) ohne nennenswerte Kunst-Affinität hat aus Gründen der Profilierung Hebel gezogen, von denen sie besser die Finger gelassen hätte. Der Intendant, eine gekränkte Künstlerseele mit offenkundig tatsächlich oft problematischen Umgangsformen den Mitarbeitenden gegenüber, hat es auf ein Machtspiel ankommen lassen. Eine moderierende Stimme (etwa jene der ehemaligen Präsidentin Helga Rabl-Stadler) fehlte.
Es hätte alles nicht so kommen müssen. Über die Kür von Karin Bergmann – das Wort „Brückenbauerin“ fiel mehrmals im heutigen Pressegespräch – sind jetzt wohl alle glücklich. Hoffentlich haben die politischen Fädenzieher ein wenig dazugelernt.
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