KOMMENTAR
Von Reinhard Kriechbaum
27/03/26 Wenn man die Pressemeldungen des heutigen Tages nachliest, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass da ein randalierender Tunichtgut über Jahre Terror im Festspielbezirk verbreitet habe. Einer, dem man keine Träne nachweinen sollte?
Wenn Tränen am Platz sind, dann vor allem solche um die langjährige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Sie, eine begnadete Moderatorin, und Markus Hinterhäuser, der manchmal tatsächlich übersensibel reagierende Künstler, waren als Team fast unschlagbar. Von außen stellt sich das Bild so da: Helga Rabl-Stadler war omnipräsent und irgendwie in jedem Bereich der Festspiele umtriebig. Sie kannte ihre Pappenheimer und wusste Wogen (die es schon damals gab) zu glätten, noch bevor einzelne Wellen ernsthaft aufschäumten.
Ein bisserl altmodisch gesagt: Eine starke Frau hat einem Mann den Rücken frei gehalten. Hinterhäuser konnte sich den künstlerischen Agenden widmen. Auch als Kontaktfrau zum Kuratorium, vor allem zum damaligen Landeshauptmann Wilfried Haslauer, war Präsidentin Helga Rabl-Stadler Gold wert.
Das hat sich mit ihrer Nachfolgerin Kristina Hammer entschieden geändert. Sie kennt sich in Wirtschaft und Marketing aus und sie kann mit Sponsoren umgehen. Die Empathie für eine Künstlerseele wie Hinterhäuser mag nicht so ausgeprägt sein. Da werken seit gut drei Jahren jedenfalls sehr unterschiedliche Charaktere nebeneinander her. Unterschiedliche Denk- und Gefühlswelten prallen aufeinander. Immer wieder sind Konflikte und geringe Diskussionskultur im Direktorium ruchbar geworden.
Der deutsche Spiegel hat sich jüngst mit einer vermeintlichen Aufdeckergeschichte über Hintehäusers angebliche Auf- und Ausfälligkeiten hevorgetan. Die Sache hat einen Schönheitsfehler: Alle bleiben mit ihren Aussagen und Anschuldigungen anonym. Nur die von Hinterhäuser tatsächlich unfein „entsorgte“ Ex-Schauspielchefin Marina Davydova wagt sich aus der Deckung und wirft ihm psychische Labilität vor. Dass Hinterhäuser nicht der Nervenstärksten einer ist, ist keine Neuigkeit. Wie oft hat er als Pianist Konzerte kurzfristig abgesagt. Dass er in Stress-Situationen auch mal unbeherrscht reagiert, hat sich auch herumgesprochen. Die ominöse „Wohlverhaltensklausel“ in seinem Verlängerungsvertrag für die Festspielsommer 2027 bis 2031 kam wohl nicht von ungefähr.
Dass dieser Vertrag im April 2024 überhaupt unterschrieben wurde, war der eigentliche Fehler – einer von allen Seiten vermutlich. Wilfried Haslauer hat den bequemen Weg der Weiterbestellung gewählt. Hinterhäuser, zunehmend weniger teamfähig im Haus, mag sich geschmeichelt gefühlt haben als Intendant auf Langstrecke. Die dunklen Wolken haben sich schon damals zusammengebraut. Als Wettermacher war der Intendant nicht unbeteiligt an der aufziehenden Front, die ihm jetzt zum Verhängnis wurde.
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