KULTURVEREINIGUNG / SALZBURG ORCHESTER SOLISTEN / SCHMID
24/04/26 Der Fälle werden mehr, in denen berühmte Instrumentalsolisten ab einem gewissem Alter dem Hang zur leitenden Funktion folgen. Benjamin Schmid überzeugte im Großen Saal des Mozarteums als Konzertmeister Ausführende und Hörer durch seine Ideen für Michael Haydn, Mozart und und Mendelssohn. Solistin war die Pianistin Ariane Haering.
Von Horst Reischenböck
Die wohl meistgespielte Sinfonie des „Salzburger“ Haydn dürfte jene in G-Dur MH 334 sein. Aber auch nur deswegen, weil Ludwig Köchel sie wegen der zwanzig Takte kurzen adagio maestoso-Einleitung im Kopfsatz als KV 444 in sein Verzeichnis aller ihm bekannten Kompositionen Wolfgang Amadés zwischen der „Linzer“ und „Prager“ aufgenommen hat. Da noch immer nicht alle Zweifel ausgeräumt sind, wurde das Werk nun als KV Anh. A 54 verbannt, verbunden mit der Anmerkung „es dürfte sich demnach um eine von Michael Haydn autorisierte Werkfassung und nicht eine Bearbeitung von Mozart handeln“.
Was aber ihren drei knapp gefassten Sätzen keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil. Es ist begrüßenswert, wenn – wie im vorliegenden Fall – eine Komposition Michael Haydns derart engagiert ausgeführt zu erleben ist. Das ist ohnedies selten genug auch hier in Salzburg. Ein animierender Aufreißer am Donnerstag (23.4.) im Großen Saal. Lautete der Titel des Konzerts der Salzburg Orchester Solisten auch „Mozart im Frühling“, so stimmte dies zwar von der Witterung, aber weniger von Wolfgangs angeschlagenen Gefühlen her. Das lag aber mehr am zweiten Werk des Abends, dem ersten seiner dramatisch getönten Klavierkonzerte, nämlich jenem in d-Moll KV 466.
Waren für Alfred Einstein Mozarts 23 Konzerte „die Krönung und der Gipfel seines instrumentalen Schaffens überhaupt“, so ist dieser Aussage, speziell in der Nachfolge Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bachs, nach wie vor nichts hinzuzufügen. Auch mit lediglich 17 Streichern besetzt, brachten die von der Solo-Oboistin des Mozarteumorchesters eingestimmten Salzburg Orchester Solisten schon im eröffnenden Tutti des ersten Allegro das ständig unterschwellig pulsierende Aufrührerische vollinhaltlich übers Podium. Passioniert durch Ariane Haering beantwortet und weitergesponnen, bis in die erste voll romantische Kadenz Clara Schumanns hinein. Auch dies eine Rarität, die die Virtuosin Clara Schumann vielleicht sogar während Auftritten hier in Salzburg selbst gespielt haben mag.
Ariane Haering stieg danach zart in die Romanze mit ihrem emotional kontrastierenden Ausbruch ein, um endlich leidenschaftlich die dunklen Gedanken des Finales aus den Tasten zu stanzen – die sie vor Claras zweiter Kadenz geradezu aufstampfen ließen – um sich danach verspielt dem aufgehellt positiveren Schluss zuzuwenden. Am Vorabend ihres Geburtstags vereinten sich dann „Ariane und Beni“ noch als Zugabe in Tochter Cosimas mittendrin auch Jazz-beeinflusstem Sehnsuchtsstück.
Felix Mendelssohn Bartholdys „Italienische“ Sinfonie trägt ihren Titel eigentlich nur der ungewohnt von A-Dur nach pulsierendem a-Moll tendierenden Ecksätze wegen: Schon das d-Moll-Andante ist ja eigentlich melancholische Klage über den Tod seines Lehrers Friedrich Zelter. Nach der Uraufführung in London unzufrieden, wollte der Komponist die Symphonie Nr. 4 A-Dur vorerst nicht veröffentlichen, sondern revidieren, deshalb auch ihre posthum hohe Opus-Nummer 90. Benjamin Schmid und das in den Holzbläsern solistisch ausgedünnte Orchester bemühten sich nach der Pause hörbar. Wobei allerdings die Frage, ob zu Mendelsohns Tagen wirklich noch ventillos barocke Trompeten geblasen wurden, zu klären wäre. Am Klangbild mangelte es jedenfalls nicht. Und die Begeisterung des Publikums war entsprechend.
Bild: SKV / Bettina Salomon