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… damals, als alles losging…

DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT / OVAL

05/11/18 Karl Kraus’ Drama Die letzten Tage der Menschheit ist mehr als ein Monumentalwerk über das nationale Drama der Österreicher, über menschliche Niedertracht, Grausamkeit und Dummheit. Es ist ein Großmachtdrama über die Hochzeit der Phrase – und damit aktueller denn je!

„Phrase ist nichts anderes als das an der Sprache desinteressierte Wort, das bis heute im Journalismus wild um sich spricht!“ Es gehe, so Steinhauer, nicht um die bewusste Individual-, sondern um die unbewusste Kollektivschuld. „Es geht um diesen absoluten Mangel an Schuldbewusstsein.“ Dies sei „ein gravierendes, höchst aktuelles Moment, eine Haltung, die uns Österreicher bis heute auszeichnet“.

Einem Marstheater hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht, weil sie mit ihren zweihundert Szenen nicht nur im Umfang über gängige Theatervorstellung hinausgeht. Franz Schuh hat daraus eine eindringliche Fassung destilliert. Erwin Steinhauer, einer der profiliertesten österreichischen Schauspieler, versucht, dem Autor gerecht zu werden, der über sich sagt: „Wenn ich vortrage, so ist es nicht gespielte Literatur. Was ich schreibe, ist geschriebene Schauspielkunst!“

Die Musik ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Produktion, sie ist das akustische und emotionale Fundament, schafft die Räume, in denen sich der Text entfalten kann. Collageartig montierte Versatzstücke aus Militär- und Salonmusik, Operette und Heurigenlied sowie abstrakte filmisch gedachte Klangflächen, lassen eine grausam-komische, verstörende und wienerische Weltuntergangsoperette erklingen.

Ein schillerndes Instrument erklingt in der Produktion: Pamelia Stikney spielt das Theremin, ein 1919 erfundenes elektronisches Musikinstrument. Es ist das einzige verbreitete Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt. Sein Name geht auf den Erfinder, den Russen Lew Termen, zurück. (OVAL)

Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus in der Fassung von Franz Schuh – mit Erwin Steinhauer – am Donnerstag (8.11.) um 19.30 im Oval im Europark – www.oval.at
Bild: Oval

 

 

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