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Von der Lust am Spiel

IM PORTRÄT / GYÖRGY KURTÁG

15/01/10 Zum ersten Mal nutzt man für die Mozartwoche heuer auch den Solitär der Universität Mozarteum. Den Auftakt dort gestalten Marta und György Kurtág. Der ungarische Altmeister ist heuer Composer in residence.

IM PORTRÄT / GYÖRGY KURTÁG

15/01/10 Zum ersten Mal nutzt man für die Mozartwoche heuer auch den Solitär der Universität Mozarteum. Den Auftakt dort gestalten Marta und György Kurtág. Der ungarische Altmeister ist heuer Composer in residence.

Von Reinhard Kriechbaum

Da fährt also ein Urgroßelternpaar von Ort zu Ort, von Festival zu Festival, und spielt "Spiele" - das nämlich heißt übersetzt "Játékok". Und diese Spielereien mit Fingern und Gedanken fallen doch stets irgendwie anders aus. Bei jedem Mal Hören wird man wieder irgendeinen lustvoll aufgenommenen anekdotischen Faden, eine spontane Laune der beiden alten Leutchen im inneren musikalischen Dialog entdecken. In einem Konzertleben, das so austauschbar und repetitiv geworden ist, fällt so etwas besonders auf. Freilich weiß man als Musikhörer ungefähr, was einen erwartet - aber keine Begegnung mit Marta und György Kurtág, mit "Játékok" und anderer lustvoll "durchgemischter" Musik, gleicht wirklich der anderen.

In neun Tagen, am ersten Wochenende der Mozartwoche, sitzen Marta und György Kurtág also wieder einmal in Salzburg gemeinsam vor dem Klavier. Im 15-Uhr-Konzert am Sonntag, 24. Jänner, werden sie im Solitär der Universität Mozarteum zu den "Játékok"-Miniaturen Transkriptionen für Klavier zu vier Händen hören lassen.

György Kurtág ist heuer Composer in Residence bei der Mozartwoche. Wer hätte vor ein paar Jahren noch für möglich gehalten, dass man für das Mozart-Fest im Jänner auch auf die ständige Präsenz eines Gegenwartskomponisten bauen werde? Aber das ist eben das Schöne jetzt, dass die Mozartwoche nicht mehr allein auf den Genius loci konzentriert ist, sondern immer auch Querbezüge auftauchen. Zumindest versucht man, solche aufzuspüren und zu vermitteln. Im Fall von György Kurtág, dem das "Spielerische" ein entscheidendes Anliegen ist, stehen die Optionen, Geistesverwandtschaft zu Mozart spontan nachempfinden zu können, besonders gut.

Seit 1973 schreibt Kurtág an "Játékok". Unterdessen gibt es acht Bände mit zwei- und vierhändigen Stücken. Originell, dass ein Komponist ganz bewusst sich abwendet von einem fertigen "Werk-Begriff". Die Ideen für "Játékok" wirken gelegentlich wie Tagebucheinträge oder wie das, was bildende Künstler gerne ihren Skizzenbüchern anvertrauen. Das Material der Miniaturen wird nicht selten weitergeschrieben, findet Eingang in größere Werke. Aber die eigentliche Domäne von György Kurtág ist das Kleine, die Konzentration auf einen jeweiligen musikalischen Nukleus, einen Gedankenblitz oder einen Gedankensprung.

Auch das Hagen Quartett hat sich für sein Mozartwochen-Konzert (23.1., 15 Uhr) Minimalistisches von Kurtág vorgenommen, die "12 Mikroludien". Das wird wohl der denkbar größte Gegensatz zum nachfolgenden, formal ausufernden Streichquintett von Schubert!

Kurtágs Miniaturen können auch Grußbotschaften sein: "Zeichen, Spiele und Botschaften" für Violine und Viola haben sich unterdessen auch schon vom "Work in progress" zum ansehnlichen Werkblock ausgewachsen. Am vorletzten Tag der Mozartwoche (Samstag, 30.1., 11 Uhr) werden der Pianist Leif Ove Andsnes, der Klarinettist Jörg Widmann, die Geigerin Antje Weithaas, die Bratschistin Kim Kashkashian und der Cellisten Nicolas Altstaedt auch aus diesem reichen Inspirations-Fundus schöpfen.

In den Kammerkonzerten der Mozartwoche ist die Musik Kurtágs heuer stets präsent. Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Anna Maria Pammer (Sopran) etwa werden am 28. Jänner im Solitär die "Kafka-Fragmente" hören lassen. Am 30. Jänner gibt es ebenfalls im Solitär eine "Masterclass" mit dem ungarischen Altmeister und dem oenm.

 

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