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Vivaldi hatte rote Haare

KULTURVEREINIGUNG / SCHÜLER- UND LEHRLINGSKONZERT

15/04/15 Fluch der Karibik, Jubel, Getrampel. Wenn es einem gefallen hat, soll man das auch ausdrücken! Halbherziger Applaus sei für motivierte Musiker etwa so trostlos, wie ein Vierer auf die Schularbeit für super vorbereitete Schüler. Lektion gelernt: Der Jubel war groß beim Schülerkonzert der Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs.

Von Heidemarie Klabacher

Um 12 Uhr Mittag herum ist heute Mittwoch (15.4.) das „Schülerkonzert“ der Kulturvereinigung im Großen Festspielhaus mit Getöse zu Ende gegangen. Bereits eineinhalb Stunden später um 13.30 Uhr hat das – programmgleiche - „Lehrlingskonzert“ begonnen. Die „drei kleinen Regeln“ von Elisabeth Fuchs werden auch am frühen Nachmittag gegolten haben: „1. Bitte nicht aufs Klo gehen, und wenn, dann allein. 2. Bitte nicht ratschen, weil dann wird es so laut. 3. Handys ausschalten.“

Elisabeth Fuchs ist nicht nur eine Musikerin und Musikmanagerin, sondern auch eine erfahrene Pädagogin. So hat sie ihre Gruppe – wohl nicht ganz zweitausend Schülerinnen und Schüler – verblüfft, mit der Aufforderung: „Mobiltelefone einschalten! Fotolichter an! Fotos machen!“ Verschicken der Fotos und Mitteilungen an Freunde besser nach dem Konzert: „Weil hier herinnen ist eh kein Empfang. Also Handys jetzt aus.“

Dann haben Elisabeth Fuchs und die Philharmonie Salzburg vor einem sehr konzentrierten „braven“ Publikum – niemand ist aufs Klo gegangen, kein Handy hat geläutet - ein schwungvolles und abwechslungsreiches, dennoch anspruchsvolles Wunschkonzert hingefegt.

Ganz „klassisch“ hat es „romantisch“ begonnen mit dem ersten Satz Allegro vivace aus der Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90 ‘Italienische’ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Braver Applaus, samt Aufforderung durch die Dirigentin, bei Gefallen, doch bitte richtig zu klatschen.

Mit dem Auftritt des Tanzpaares Josefine Stenström und Christopher Dunston ist ein Raunen durch die Reihen gegangen: Zu Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der Peer Gynt Suite Nr. 1 op. 46 tanzten die Schwedin und der New Yorker ein großes Pas de Deux. Die „Halle des Bergkönigs“ erfüllte die Tänzerin ganz alleine mit dem temperamentvollen Treiben einer ganzen Schar von Elfen und Trollen. Zum „Mambo“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ waren Stenström und Dunston noch einmal zu erleben mit einer virtuosen zwischen zeitgenössischem Tanz, Artistik und Brakedance virtuos changierenden Choreographie von Jasmin Rituper.

Für den „Frühling“ und den „Sommer“ aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ war eine wunderbare junge Geigensolistin aufgeboten: Die siebzehnjährige Chiara Sannicandro aus dem Musischen Gymnasium begeisterte mit kraftvollem warmen Geigenton und viel versprechender Musikalität. Auch in den „Sommer“ von Astor Piazzollas „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ entführte die junge Solistin mit mitreißendem musikantischem Drive.

Elisabeth Fuchs, eine begnadete Moderatorin, hat mit der mehr als konzentrierten Einführung zu Vivaldi – rote Haare, Stücke geschrieben für ein Mädchenheim – wohl vor allem die Erwachsenen begeistert.

Schon seit dem ersten Lehrlingskonzert ein Ritual ist das das gemeinsame Musizieren des Orchesters mit jungen Leuten aus dem Publikum. Und das war am Mittwoch (15.4.) vormittags wohl auch der Höhepunkt beim Schülerkonzert. Sogar die Instrumente sind ausgegangen. Zusammengetan hat man sich zu Sepp Tanzers „Bozner Bergsteigermarsch“. Auch Mitsingen wäre erlaubt gewesen - und hätte wettermäßig besonders gut gepasst - wenn mehr Leute den Text gekonnt hätten: „Wohl ist die Welt so groß und weit. Und voller Sonnenschein…“

Dafür stand die eine relevante Strophe von „Freude schöner Götterfunken“ aus Beethovens „Neunter“ vorsorglich auf dem Programmzettel.

Mit „Star Wars“ und „Indiana Johnes“ und besonders kräftigem Jubel verneigten sich Orchester und Publikum vor John Williams. Ein Filmmusik-Medley war nicht nur die erste Zugabe sondern zugleich Gegenstand eines Gewinnspiels. Der Deal: Mindestens vier Stücke erkennen, bis Mitternacht ein Mail an die Kulturvereinigung schicken und mit Glück 3 mal 2 Karten für das Kulturvereinigungskonzert „From Broadway to Hollywood“ am 16. Oktober gewinnen. Als zweite Zugabe haben die jungen Leute mit Gejubel und Getrampel den „Fluch der Karibik“ herbei beschworen.

Heute Mittwoch (15.4.) gibt es abends auch ein Konzert der Kulturvereinigung für die Großen das Arctic Philharmonic Orchestra unter Christian Lindberg gibt das erste seiner drei Konzerte im Großen Festspielhaus. Solist ist der Trompeter Pacho Flores – www.kulturvereinigung.com

 

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