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Endlich Busoni selber!!!

FESTSPIELE / GIDON KREMER

02/08/21 Besser denn je? Darf man das von einem der ganz Großen einfach so sagen? Gidon Kremer jedenfalls überwältigte beim Kammerkonzert mit dem Pianisten Georgijs Osokins und der Cellistin Giedrė Dirvanauskaitė mit goldenem Geigenton.

Von Heidemarie Klabacher

„Busoni“ geistert beständig durch die Festspielprogramme, meist in Zusammenhang mit Bach-Bearbeitungen. Erst dieser Tage hat Igor Levit mit dem Choral aus Nun komm der Heiden Heiland BWV 659 (Arr. F. Busoni) sein stupendes Solistenkonzert im Wortsinn vollendet. Den Vornamen, Ferruccio, hat man parat, muss ihn aber bewusst abrufen. Das ist seit gestern Sonntag (1.8.) anders.

Ferruccio Busoni. Seine Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 e-Moll op. 36A ist ein Werk aus einem Guss: Ein groß angelegter, delikate Bewegung und singende Linien formal vollkommen frei aufspannender, erster Satz und ein markantes Presto gehen dem Hauptteil voran, einem Variationensatz über einen Choralgesang von J.S. Bach.

Gidon Kremer und Georgijs Osokins betörten mit verinnerlichter Schlichtheit wie mitreißender Verve und überzeugtem im stupend ausgelotetem Miteinander. Der junge Chopin-Experte Osokins ließ wie beiläufig aus dem Handgelenk geschüttelt virtuose Feuerwerke sich entzünden. Dies dann beinah noch mehr im zweiten Hauptwerk des Abends, Sergej Rachmaninows Trio élégiaque. Gidon Kremers goldener Geigenton, seine bewusste, klanglich immer wohlausgelotete Attacke, die ebenso präzise und tonschön daherkam, ließ ganz einfach Gefühle von Verehrung aufsteigen. Das sollte erlaubt sein, angesichts dieser Performance eines der ganz Großen.

Zu Sergej Rachmaninow Trio élégiaque Nr. 2 d-Moll op. 9 À la mémoire d’un grand artiste kam Giedrė Dirvanauskaitė dazu, Solocellistin und Gründungsmitglied von Gidon Kremers Kremerata Baltica. Auch sie eine Kammermusikerin von Rang.

Das 1898 uraufgeführte Stück von Rachmaninow ist formal ganz ähnlich angelegt wie die zweite Busoni-Sontate. Ebenfalls mit einem virtuos ausufernden – und in keiner Sekunde ermüdendem – ersten Satz, einem raschen griffigen Schluss und einem betörenden Variationensatz als Hauptteil. Der gemeinsame Klang von Geige und Cello – wie aus einem Guss. Die charaktervollen Variationen, die den drei Instrumenten alle Möglichkeit zum Glänzen und Auftrumpfen geben, ohne dass einer dieser drei wahren Künstler auch nur eine Sekunde auf die Erfordernisse des Miteinanders vergessen hätte – eine Begegnung, die man nicht missen möchte und nicht vergessen wird.

Eröffnet wurde der Abend von Gidon Kremer und Georgijs Osokins mit Arvo Pärts Fratres in der Fassung für Violine und Klavier von 1980. Gidon Kremer hat das Stück einst in Salzburg zur Uraufführung gebracht, in jenem Jahr, in dem Komponist und Geiger aus ihren Heimatländern Estland und Lettland emigrierten. Ein bewegendes klingendes Stück Musik- und Zeit- und Festspielgeschichte also.

Bilder: SF / Marco Borelli
Rundfunkübertragung am 17. August um 19.30 auf Ö1

 

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