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Bei allen Schwüren, die ein Mann so bricht...

FESTSPIELE / MORETTI / WOOD SOUNDS

20/08/22 Tobias Moretti und Shakespeare – eine großartige Paarung. Das kunstvollste Sonett macht er zum Elementar-Ereignis im Hier und Jetzt. Dazu Musik von Henry Purcel swingend, jazzelnd, locker vom Hocker – auch ein Kontrabass ist dabei – vom Ensemble wood sounds. Ein betörender Abend unter dem Motto My Love is as a Fever.

Von Heidemarie Klabacher

Da stimmt die Alte-Musik-Band sich selbst und ihre Instrumente dahinplätschernd ein in Richtung einer Chaconne von Purcell, wird ein wenig lauter, wird leiser – da mischt sich der „Verliebte“ ein: „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, Spielt weiter...“ Diese Aufforderung, Tobias Moretti mit den Worten des entflammten Orsino aus Was ihr wollt, führte hinein in einen, bei aller Liebesqual und gar nicht wenig tiefem Ernst, behörend heiteren Abend. Wen das Wort „Lesung“ tendenziell beunruhigt, konnte schon nach dem ersten Auf-Tritt und -Schrei Morettis beruhtigt sich freuen: „Und die Begierden, wie ergrimmte Hunde, verfolgen mich seitdem...“ Da wurde nicht Lyrik gestelzt, da wurde aus dem Vollen geschöpft: „Gebt mir volles Maß! daß so Die übersatte Lust erkrank' und sterb“.

Ohnehin lief der poetische Abend am Freitag (19.8.) im Haus für Mozart in der Rubrik Kammerkonzert. Welch kluges Ineinander und Miteinander von Text und Musik nach dem gemeinsamen Konzept von Tobias Moretti, Julia Moretti und dem Geiger Florian Hasenburger! Der Cembalist der wood sounds ist Stefan Gottfried, der seit 2015 den Concentus Musicus nach Harnoncourt leitet.

Die  Mitglieder dieser Alte Musik-Band einzeln vor den Vorhang geholt: Philipp Wagner Barockoboe, Wolfram Fortin Barockviola, Rainer Johannsen Barockfagott Flöte Duduk, Pierre Pitzl Barockgitarre Viola da Gama, Peter A. Bauer Perkussion und Ján Krigovský Kontraass. Ein lockerer, unprätentiös dabei umso mitreißender artikulierendes Originalklangensemble. Bitte bald wieder einladen!

Man hat es ja eh gewusst, aber Moretti/Shakespeare und der Lorenzo bestätigen es: Wer keine Musik mag, kann kein guter Mensch sein: „Den nicht die Eintracht süßer Töne rührt, Taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken. … Trau' keinem solchen!“ Und dann ganz leise, Hand am Ohr, denn in der Ferne hat der Dance for the Fairies schon begonnen: „Horch auf die Musik!“

Solcher feiner Elisabethanischer Episoden gab es mehrere. Ebenso stimmig und faszinierend aber auch etwa eine „Szene“ mit Franz Kafkas Gedicht aus 1917 Das schweigen der Sirenen über eine Purcell-Jig bis hin zu Shakespeares Sonett 119 Wie trank ich Eimer von Sirenentränen in der Übertragung von Karl Kraus. Ebenso bewegend zwei Texte von Paul Celan – Brunnengräber im Wind und Die Krüge. Kurze Passagen aus Sommernachtstraum (da stammt der Titel her) oder Der Sturm standen für ganze Theaterabende in ihrer Intensität. Eine der Perlen dieser Perlenkette – Ich sah dich aus Otello quasi „übermalt“ mit Musik von Feridun Zaimoglu/Günter Senkel: Hier kam das Duduk, ein Rohrblatt-Instrument, zum Einsatz zusammen mit der Gambe: Ferne Welten öffneten sich in diesem Klang. Einach betörend der Kontrast zum folgenden heiteren Come againe von John Dowland. Die Welt von Virgina Woolfs Orlando (der Liebling der Königin Elisabeth, der als Mann geboren und über die Jahrhunderte zur Frau wird) öffnete das brillante Gedicht viola von Albert Ostermaier „...bald bin ich der, der ich scheinen will...“ Auch H.C. Artmann schaute vorbei: „Erwarte mich im Frühling“.

Bilder: SF / Marco Borelli

 

 

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