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Im Sturm an der Idee vorbei

FESTSPIELE / MOZART-MATINEE / HONECK

21/07/14 Ein perfekt ausgeruhtes Mozarteumorchester, ein wie stets blendend disponierter Salzburger Bachchor und ein homogenes Solistenquartett waren bei der ersten Mozart-Matinee - im Rahmen der „Ouverture Spirituelle“ - kein Garant für spirituelle Besinnung.

Von Horst Reischenböck

Es gibt sie durchaus: Vertonungen des Messtextes, die aus unterschiedlichsten Gründen von Haus aus nie für den Gottesdienst gedacht waren oder sich aus formalen Gründen heutzutage der kirchlicher Nutzung verweigern. Beispiele reichen vom Johann Sebastian Bach bis Leoš Janá?ek oder gar, um bei Salzburg zu bleiben, bis zu Helmut Eder. Wolfgang Amadé Mozarts berühmte, erst nachträglich so betitelte „Krönungsmesse“ KV 317 gehört zwar absolut nicht dazu, wird aber landauf landab konzertant zur Ausführung gebracht. - Seit der Wiedererrichtung der Vierungsorgeln unter der Kuppel des Salzburger Domes mit großer Berechtigung sogar „quadrophon“.

Der Große Saal des Mozarteums bietet freilich weder gedankliche noch visuelle Einstimmung. Warum also wurde für die erste Mozart-Matinee ausgerechnet dieses Werk gewählt - und nicht etwa eine der heutzutage liturgisch ungebräuchlichen, kompositorisch ebenso hoch stehenden Litanaien oder Vespern? Laut Einführungstext hätte zudem die Klammer des Programms im Opernhaften liegen sollen. – Was zu den Sakralwerken Mozarts, die im 19. Jahrhunderts als zu weltlich beurteilt wurden, prinzipiell gut passt. Auch die Interpretation durch Manfred Honeck zeigt in Richtung Opulenz und Dramatik – etwa mit so aufgeladenen Tempi, wie sie jede kirchliche Akustik verbieten würde. Das dramatische „Amen“ zum Ende des Glaubensbekenntnisses wurde vom perfekt durch Alois Glasser einstudierten Bachchor bekräftigend in den Raum geschmettert. Geistige Besinnung war nicht angepeilt, geschweige denn innere Läuterung – was auch wieder einmal Handy-Läuten ausgerechnet im kurzen Innehalten vor dem Benedictus unterstrich.

Das Mozarteumorchester bot dem Chor und besonders auch dem erstklassig ausgewogenen Vokalquartett eine ideal unterstützende Klangfolie: Die beiden tiefen Stimmen – Altistin Judith Schmid und Bass Thomas E. Bauer – profund eingebunden in die tiefen Register, darüber schlank vom Duktus her der Tenor Mauro Peter, der vor zwei Jahren am Young Singers Project teilgenommen hat. Besondere Momente waren der Sopranistin Eva Liebau zu verdanken. Sie hat das Agnus Dei in berührender Zurücknahme gestaltet - nachdem sie schon zuvor in den Koloraturen des Regina Coeli KV 108 perfekt virtuos punktete.

Die ebenfalls „opernhafte“ Einstimmung in den Konzertvormittag bildete übrigens die   Sinfonie D-Dur KV 504 „Prager“ - durch Manfred Honeck vom ersten Paukeneinsatz an in Beethovensche Nähe gerückt: energisch bis in einen totalen Finale-Furor hinein aufgeladen und nahezu an die Grenze gerade noch Spielbaren getrieben.

Bild: SFS/Felix Broede    

 

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